10 Dinge, die ich gerne über das Stillen gewusst hätte

Ich finde, es wird zu wenig über das Thema Stillen geschrieben. Klar, darüber, wie wunderbar es ist und sowieso das beste für das Kind, das liest und hört man ununterbrochen. Auch im Geburtsvorbereitungskurs erklärte die Hebamme, dass eigentlich alle Frauen stillen könnten – sogar diejenigen mit Flach- oder Hohlwarzen. Deshalb machte ich mir keine Sorgen. Ich war mir sicher, dass ich Klein C. stille würde. Schliesslich hatte es dir Natur so vorgesehen.

Was jede Frau schon vor der Geburt über das Stillen wissen sollte

Im Nachhinein gesehen, war ich sehr naiv. Deshalb habe ich einige Punkte zusammengestellt, die man am besten schon vor der Geburt weiss:

1. Nicht jedes Baby kann von Geburt an richtig ansaugen. Besonders nach Kaiserschnitten oder traumatischen Geburten (manchmal aber auch einfach so), kann das Neugeborene kein Vakuum aufbauen. Auch Trinken will gelernt sein. Und das dauert manchmal eine ganze Weile.

2.Babys sind nicht immer sanft. Manche Beissen zu Beginn (ja, das geht auch ohne Zähne prima). Manche gewöhnen es sich nie ab. Manche machen sich einen Spass daraus, sich von der Brust wegzureissen und gleich darauf wieder anzudocken.

3.Verletzte, schmerzende Brustwarzen sind anfangs Realität. Nippelcreme – wenn auch ein sehr unsexy Produkt – ist deshalb nicht zu verachten. Die gute Nachricht: es wird auf Dauer besser. Und für das kleine, süsse Baby nimmt man die Schmerzen gerne in Kauf. Auch Brustentzündungen sind gar nicht so selten.

4.Stillen dauert. Am Anfang muss das Neugeborene mindestens 20 Minuten trinken – pro Brust. Und das etwa alle zwei Stunden. Was man in dieser Zeit machen kann? Mit anderen stillenden Freundinnen Whatsapp-Nachrichten schreiben.

5.Nicht jede Frau hat gleich viel Milch. Einige haben nach zwei bis drei Tagen einen schmerzhaften, schnellen Milcheinschuss. Und müssen danach ständig diese doofen, aber nützlichen, Stilleinlagen tragen. Manche bekommen erst später Milch und haben vielleicht nie ausreichend. Ich habe mich praktisch nur noch milchfördernde Getränke (Stilltee, Malzbier, Ovomaltine, Rivella) getrunken – trotzdem bekam Klein C. Abends eine zusätzliche Flasche.

6.Es ist psychisch sehr belastend, wenn es mit dem Stillen nicht klappt. „Was bin ich nur für eine schlechte Mutter, dass ich mein Kind nicht ernähren kann?“, fragte ich mich immer wieder. Dabei hatte ich mir noch vor der Geburt gesagt, dass es auch nicht so schlimm sei, wenn meine Tochter halt mit Pulvermilch grosswerden würde. Aber Schlafentzug und Hormone wirkten, ich fühlte mich miserabel und weinte oft.

7.Abpumpen kann eine Lösung sein. Aber sexy ist sie nicht. Sind wir ehrlich: Milchpumpen bei Menschen funktionieren nicht anders als bei Kühen. Man dockt an, es wird im Sekundentakt gemolken. Eine gute Notlösung, damit das Baby auch Muttermilch bekommt, wenn die Mama mal weg ist. Oder es noch nicht richtig trinken kann. Aber ich brachte die Milchpumpe so schnell wie möglich wieder ins Spital zurück.

8.In der Schweiz stört sich niemand ab einer stillenden Mama. Am Anfang hatte ich wahnsinnige Hemmungen. Der Brustbereich ist schliesslich etwas intimes. Ich versuchte, wenn möglich, in einen separaten Raum zu gehen. Ein Stilltuch vereinfachte das Prozedere. Und auch Dauer war mir der kurze Nippelblitzer total egal. Stilltop kurz anheben, Baby ran, fertig. Nie hörte ich einen dummen Kommentar oder bekam einen bösen Blick. Diese gab es nur, wenn ich meiner Tochter die Flasche gab.

9. Es gibt immer die Freundin, die von Beginn an problemlos stillen konnte. Und es so sehr liebt, dass sie mindestens ein Jahr lang weiter stillt. Während ihr kämpft, eurem Kind zumindest während der empfohlenen sechs Monate die Brust zu geben. Frauen und Babys sind verschieden. Umso früher ihr das akzeptiert, umso besser geht es euch dabei.

10.Meistens klappt es dann doch irgendwie mit dem Stillen. Wochenbett-Hebammen sind eure Freundinnen während Stillkrisen. Osteopathie kann helfen – besonders bei Stillproblemen nach Kaiserschnitt- oder Saugglockengeburt. Stillberatungen existieren nicht umsonst, nutzt dieses Angebot. Aber auch wenn es nicht klappt, macht euch nicht fertig. Ihr seid genau so gute Mamas, wenn ihr eurem Baby die Flasche geben müsst oder wollt!

 

Deborah Lacourrege

5 Comments

  1. Antworten

    Estevez

    29. September 2016

    Hali hallo mein baby ist 2 Jahre alt und ich stille noch aber möchte nicht mehr, hätte gerne ein Rat wie ich aufhören kann.!

    • Antworten

      Deborah Lacourrege

      29. September 2016

      Hallo Liebe, da kann ich dich gut verstehen 🙂 Ich bin leider keine Expertin… am besten wendest du dich an eine Stillberaterin oder Mütterberaterin. Auf Facebook gibt es die Gruppe „Rund ums Stillen“, vielleicht findest du auch dort qualifizierten Rat!

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