Weshalb ich als Mama arbeiten will

Manchmal sitze ich am Morgen im Zug und frage mich, weshalb ich mir das eigentlich alles antue. Meine Tage sind lang: Ich verlasse das Haus um 7:15 Uhr und bin um 18:45 Uhr wieder daheim. Lebe in Zürich, aber arbeite in einer anderen Schweizer Grossstadt. Pendle zusätzlich zur Arbeitszeit 2,5 Stunden täglich. Und das drei Mal pro Woche.

Auf dem Weg zur Arbeit sehe ich Mamas mit ihren Kindern. Möchte jeder sagen: „Hey, ich bin übrigens auch Mama. Nur ist meine Tochter gerade in der Kita.“ Denke, dass Mama zu sein vielleicht ihr einziger Job ist. Und denke manchmal auch, aber nur ganz kurz, dass dies einiges vereinfachen würde.

Aber dann komme ich auf der Redaktion an. Treffe meine Kollegen, diskutiere über Syntax, recherchiere Geschichten. Ich habe das Mama-Universum verlassen und fühle mich gut dabei. Ich liebe meinen Job. Und ich liebe es, dass sich nicht jeden Tag alles nur um frühkindliche Förderung, Windeln und Wäscheberge dreht.

Ich habe eine lange Baby-Pause gemacht. Acht Monate um genau zu sein. Ganz freiwillig war das nicht. Ich wäre schon nach sechs Monaten gerne wieder arbeiten gegangen. Stellte sich aber heraus, dass es nicht ganz einfach war, eine babykompatible Teilzeitstelle im Journalismus zu finden.

Während dieser Zeit merkte ich, dass ich es zwar liebe, Mama zu sein, aber überhaupt nicht zur Hausfrau tauge. Aufräumen, putzen, waschen, Administrativarbeiten: Alles, was mein Mann und ich vorher gemeinsam erledigten, blieb nun an mir hängen. Klar, es machte Sinn: Schliesslich arbeitet er 43 Stunden pro Woche und ich war die ganze Zeit zu Hause.

Aber ich hasste es. Ich hasste es, dass er ein Leben neben Baby und Haushalt hatte. Mir von spannenden Projekten und lustigen Kollegen erzählte. Dass ich, trotz Unistudium und sieben Jahren Berufserfahrung, mich plötzlich auf die Rolle des Heimchen am Herd reduziert sah. Mir fehlte die intellektuelle Herausforderung. Und darunter litt unsere Beziehung.

Uns beiden war klar, dass ich einen neuen Job brauchte. Und zwar schnell. Der Tag, an dem ich die Stellenzusage bekam, war einer der besten meines Lebens. In der gleichen Woche organisierten wir eine Putzfrau.

Das Problem mit der Teilzeitfalle

Klar stecke ich nun in der ominösen Teilzeit-Falle. Immer noch mache ich einen Grossteil des Haushaltes und muss mir manchmal doofe Sprüche anhören, wenn die Wohnung nach einem freien Tag nicht aufgeräumt ist. Klar bin ich teilweise immer noch finanziell von meinem Mann abhängig. Und klar, werde ich mit einem Teilzeit-Pensum nie Karriere machen können.

Aber das ist mir alles egal. Ich habe einen grossartigen Job. Sympathisch Kollegen und eine liebe Chefin. Treffe fast täglich spannende Menschen. Und kann mit einen Geschichten meinen Lesern eine Freude machen. Ich habe den perfekten Ausgleich zwischen Berufsleben und Mutterschaft gefunden. Ich weiss, dass es meiner Tochter in der Kita gut geht. Eigentlich weiss ich sogar, dass sie so viel Spass hat, dass sie jedes Mal ein riesiges Drama macht, wenn sie wieder nach Hause soll. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ach ja, ich blogge ja auch noch. Wann ich das mache? Während des Pendeln selbstverständlich!

 




Deborah Lacourrege

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