Bad Moms – oder weshalb wir Mütter immer zu viel von uns verlangen

Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich zu einer Vorpremiere des Films Bad Moms eingeladen. Ein Kinoabend mit einer guten Freundin war genau das, was ich wieder einmal gebraucht hatte. Ich kann die Abende, die ich seit der Geburt von Klein C. ohne sie verbracht habe an zwei Händen abzählen. Und das ist immerhin schon 13 Monate her.

Nicht, dass ich nicht genügend willige Babysitter hätte. Aber bis vor kurzem machte es mir grosse Mühe, sie jemandem abzugeben. Klar, ich habe ich daran gewöhnt, dass sie tagsüber, bei ihrer Grossmutter oder in der Kita ist, wenn ich arbeite. Aber wenn ich sie dann Abends auch noch abgebe, fühle ich mich einfach schlecht. Beziehungsweise wie eine schlechte Mutter. Womit wir schon beim Film wären.

Bad Moms mit Mila Kunis ist ein witziger Film. Der Humor ist manchmal etwas unter der Gürtellinie – typisch amerikanisch halt. Wer Hangover mochte, wird Bad Moms lieben. Prinzipiell geht es im Film um die Perfektionsfalle, in der so viele Mütter gefangen sind, und wie man ihr entfliehen kann. Und dass es absolut ok ist, manchmal eine schlechte Mutter zu sein. Im Film geschieht dies mit einer rauschenden, sehr alkoholischen Party.

Klar, alles ist etwas überspitzt. Der Perfektionsgedanke ist in den USA sicher noch extremer als hierzulande. Aber auch ich ertappe mich oft dabei, wie ich mich nerve, wenn etwas in meinen Augen nicht perfekt ist. Wenn die Wohnung mal wieder aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wenn auch nach über einem Jahr noch keine Bilder hängen. Wenn es zum Znacht Pizza statt Quinoa-Avocado-Salat gibt. Oder eben, wenn ich etwas für mich selbst machen möchte und dafür Klein C. ihrem Papa oder ihrer Tante überlasse.

Dabei wäre dies alles gar nicht nötig. Wenn kümmern diese Details schon? Niemanden ausser mich selbst. Und wohl ganz zuletzt Klein C. Für sie ist es das wichtigste, eine glückliche Mama zu haben. Denn nur eine glückliche Mama kann sich so um sie kümmern, wie sie es braucht. Vermute ich zumindest.

Denn wer weiss schon, wie perfekte Kindererziehung funktioniert? Wer ist sich absolut sicher, dass er immer alles richtig macht? Glaubt man dem Film, dann nicht mal die absolut hinreissenden Mila Kunis, die übrigens schon ihr zweites Baby erwartet.

Nach dem Kino habe ich übrigens beschlossen, mich etwas mehr um mich selbst zu kümmern. Denn ich habe gemerkt, wie gut es mir tat, mich einfach mal bei einem kurzweiligen Film zu entspannen. Morgen gehen mein Mann und ich essen und feiern unseren 13. Jahrestag nach. Klein C. lassen wir bei ihrer Oma. Denn manchmal tut es einfach nur gut, Bad Parents zu sein.

Deborah Lacourrege

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