Manchmal weiss es Mama eben doch am Besten

Wenn es um das Thema Kinder geht, wird in der Schweiz niemand alleine gelassen. Es scheint mir, dass es von Hilfs- und Beratungsangeboten für junge Eltern nur so wimmelt. Und das ist gut so. Monat für Monat, respektive jetzt alle zwei Monate, bekommen wir etwa die Elternbriefe der Pro Juventute. Und zwar umsonst. Eine Leistung der Stadt Zürich.

Heute möchte ich aber über eine andere Hilfestellung für Eltern schreiben. Und zwar über die Mütter- und Väterberatung. Noch im Spital wurde ich gefragt, ob ich dieses Angebot denn in Anspruch nehmen wolle. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, was das denn sein solle. Dachte aber: „Klar, man weiss ja nie, wann man plötzlich mal Hilfe braucht!“

Da kannte ich meine Mütterberaterin noch nicht. Eins vorweg: Es gibt wahnsinnig süsse, hilfsbereite Mütterberaterinnen, die meinen Bekannten auch schon aus üblen Krisen hinaus geholfen haben.

Auch die für mich zuständige Beraterin ist ein guter Mensch. Und dass es die Mütterberaterinnen immer nur das beste für Mutter, Vater und Kind wollen, steht ausser Frage.

Aber manchmal schiessen sie dabei einfach über das Ziel hinaus. Damals, als ich mit Klein C. im Alter von zwei Monaten zur Mütterberaterin ging, wollte ich eigentlich nur wissen, ob ich mir die Tragehilfe richtig angelegt hatte. Denn sobald Klein C. darin war, schrie sie wie am Spiess. Und für mich war es eigentlich ein Herzenswunsch zu tragen.

Doch das schien die Mütterberaterin gar nicht wirklich zu interessieren: „Sie machen es schon richtig. Ihr Kind wird offenbar nicht gerne getragen. Und sowieso sollte man nur für 20 Minuten tragen“, fand sie. Thema erledigt.

Was sie viel mehr interessierte war, ob ich denn voll stille? Ich erklärte ihr, dass ich mein Bestes gebe. Ich aber einfach nicht genug Milch habe und dem Kind deshalb am Abend, nach drei Stunden dauerstillen, noch einen Schoppen gebe. Aber das sei vollkommen in Ordnung für mich.

Die Mütterberaterin war entsetzt. Zu wenig Milch gebe es nicht, nach Bedarf stillen funktioniere nicht und sowieso hatte ich in diesem Moment den Eindruck, dass ich alles falsch mache. Dann erklärte sie mir die Theorie der Zyklen, auf die ich hier gar nicht genauer eingehen möchte.

Verunsichert wie ich war, versuchte ich die nächsten Tag die Theorie der Zyklen anzuwenden: Mit dem Resultat, dass Klein C.s Stillmarathon nun bis Nachts um 1 dauerte, bevor ich diesen dann doch mit Pulvermilch beendete.

Auch in einem Online-Forum las ich etwas, das mich zum Nachdenken brachte: Eine Baby hatte massive Schlafprobleme. Verzweifelt ging die Frau zur Mütterberaterin. Diese beobachtete, wie sie ihr Baby an der Brust einschlafen lief. „Das geht gar nicht“, befand sie. „Sie müssen mit der Theorie des roten Objektes arbeiten!“. Als die Frau es wagte, ihr zu erklären, dass sie es schön fände, wenn ihr Baby während des Stillen einschlafe, eskalierte die Situation: „Gäll Schätzeli, dein Mami ist halt zum ersten Mal Mami. Sie weiss einfach noch nicht, was gut für dich ist“, sagte die Mütterberaterin zum Kind.

Die Frau fühlte sich verunsichert und marschierte aus der Mütterberatung. Und ging wohl nie mehr zurück.

Ich finde es schade, dass manche Mütterberaterinnen so stark an ihren Erziehungs-Theorien festhängen, dass sie die Sorgen der Mütter gar nicht richtig hören wollen. Ich finde es schade, dass Mütterberaterinnen nicht überall das nötige Taktgefühl an den Tag legen. Denn eigentlich ist die Mütter- und Väterberatung eine wunderbare Institution, die sicherlich bereits vielen Familien aus der Krise geholfen hat.

Über das Wort Väter im Namen kann ich übrigens nur müde lachen: an den unzähligen Dienstagen, an denen ich Klein C. in der Mütterberatung habe wägen lassen, sah ich ganze drei Mal einen Vater.

Deborah Lacourrege

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