Klein C. und ihre Haare oder ein kleines Drama für die Mama

Klein C.’s Haare sind ein einziges Trauerspiel. Sie kam mit einer beachtlichen Menge dunkelbrauner Haare zur Welt. „Das ist meine Tochter“, dacht ich. „So viele Haare wie die Mama!“ Doch weit gefehlt. Nach zwei Monaten hatten sich die Haare auf ein Minimum reduziert. Lange wollte ich nicht wahrhaben, dass Klein C. ihre Haare verliert. Bis ich merkte, dass der vermeintliche Schmutz auf ihrem Kopfkissen… ihr könnt es euch vorstellen!

Mit vier Monaten hatte Klein C. den Höhepunkt ihrer Glatzköpfigkeit erreicht. Einzig am Nacken waren noch einige Häärchen zu sehen, einer Tonsur ähnlich. Meine Tochter glich mehr einem Mönch als einem Mädchen. Spätestens ab diesem Punkt hielten sie alle für einen Jungen. Und ich begann, das Kind ab und an in Rosa zu kleiden. Nicht, dass das irgendwie geholfen hätte.

Die Haare wuchsen zwar nach. Aber langsam. Und blond. Und sehr lange exklusiv am Nacken und oben auf dem Kopf. Die Seiten blieben kahl. Und als die Haare noch anfingen, sich zu locken, hatte meine Tochter definitiv eine Hipster-Fussballer-Frisur. Und alle hielten sie noch immer für einen Jungen.

Aber immerhin, sie wuchsen. Irgendwann nach dem ersten Geburtstag wurden Stimmen laut, dass das Kind dringend zum Coiffeur solle. Hauptsächlich kamen diese vom Papa und seiner Familie. Immer wieder wurde mir die Horror-Geschichte einer entfernten Coucousine erzählt, der mit sechs Jahren wohl noch nie die Haare geschnitten wurden.

Aber ich weigerte mich. Klar, die Haare waren verfranst. Und mit ihrem Vokuhila hätte sich Klein C. auch wunderbar in den 80ern zurecht gefunden. Aber ich fand es süss. Wie sich die Haare je nach Luftfeuchtigkeit lockten oder abstanden, wie diejenigen eines verrückten Professors. Und vorallem: es waren endlich Haare!

Doch mit der zunehmenden Länge begannen auch die Probleme. Respektive sie begannen Klein C. in die Augen zu hängen. Ich versuchte es mit Schleifen. Ich versuchte es mit Spängeli. Doch Klein C. riss sich alles nach kürzester Zeit aus den Haaren. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Ich begann, ihr mit Fransen zu drohen. Gab ihr einen weiteren Monat, um Spängeli zu akzeptieren. Aber das Kind hat einen starken Willen… und ich griff zum Telefon. Noch im alten Jahr haben wir es getan! Und ich bin todunglücklich darüber!

Natürlich schnitt die Coiffeuse viel mehr, als abgesprochen. Und Fransen stehen Klein C. irgendwie so überhaupt nicht. Und Klein C. sieht jetzt definitiv aus wie ein Junge (sehr zur Freude des Papas). Nach dem Besuch beim Kinder-Coiffeur, musste ich Klein C.s Haare erst mal waschen. Ein Trauerritual, schätze ich mal. Kaum waren sie trocken, sah ich wieder kleine, süsse Löckchen und war ein wenig, ja ganz wenig, getröstet.

Trotzdem. Klein C. geht jetzt mindestens ein Jahr lang nicht mehr zum Coiffeur. Und irgendwann wird sie wohl auch Spängeli akzeptieren. Und ich bin froh, dass Winterzeit auch Mützenzeit ist. Und sie wird eine Mütze tragen – solange bis die süssen Löckchen wieder richtig nachgewachsen sind.

Deborah Lacourrege

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