Ernährung in der Schwangerschaft oder die ewige Paranoia

Die Schwangerschaft ist ein riesiges kulinarisches Elend. Soooooo viele Vorschriften, sooooo wenig Auswahl. Du Beginn jeder Schwangerschaft sagte ich mir: „Das ist doch nicht so schlimm. Es sind nur 8 Monate, dafür bekommst du ein gesundes Baby!“ Doch spätestens als ich im Elsass vor einer wunderbaren Speisekarte sass (die Übelkeit hat sich inzwischen auf normalem Level eingependelt) und genau ein Gericht bestellen konnte, war es wieder da, das Selbstmitleid. Kein rohes Fleisch, kein Rohmilchkäse, keine Leber, kein Alkohol – für Gourmets und Foodjournalisten wie mich eine Tortur.

Es gibt ja Frauen, die nehmen die ganzen Essvorschriften nicht so ernst. „Ich habe in der Schwangerschaft alles gegessen und trotzdem ein gesundes Baby bekommen“, ist ihr Argument. So bin ich nicht. Auch in der zweiten Schwangerschaft nicht. Ich bin nach wie vor eine ängstliche Schwangere, mache mir ständig Sorgen ums Baby und würde am liebsten jede Woche zum Ultraschall.

Angst vor Toxoplasmose und Listeriose

Deshalb würde ich nie etwas machen, das das Baby potentiell gefährden würde. Schliesslich machen die Vorschriften Sinn – auch wenn sie in der Schweiz einiges strikter ausgelegt werden als in anderen Ländern. Während hierzulande sogar Mozzarella und Feta verboten sind, werden sie in Deutschland empfohlen. Kalzium ist schliesslich gut für Mama und Baby. In diesem Fall habe ich beschlossen, mich an den Deutschen zu orientieren. Was pasteurisiert ist, wird auch gegessen.

Und manchmal, ja manchmal, esse ich sogar etwas, das ich nicht sollte. Im Elsässer-Restaurant probiert ich einen Mini-Bissen Paté vom zukünftigen Zweifach-Papa. Als in einem Kaffee plötzlich eine Tarte au Citron Meringuée (als mit leicht gebackenem Eiweiss obendrauf) statt des vermeintlichen Zitronencakes vor mir stand, habe ich sie gegessen. Man kann mir doch nicht einfach meinen Lieblingskuchen vor die Nase stellen?

Terror im Restaurant

Ein gutes Gefühl hatte ich nicht dabei. Auch nicht, als ich die Gorgonzolagnocchi bestellte. Obwohl mir der Koch versicherte, die Sauce habe genug lange gekocht, um auch für Schwangere kein Risiko darzustellen. Und sowieso, was zu Hause ganz ok ist, wird unterwegs zum Spiessrutenlauf. „Ob dieser Käse wohl pasteurisiert ist?“ „Ja, die Ente muss wirklich durchgebraten sein, auch wenn sie dann knochentrocken wird.“ „Hat es in dieser Sauce Alkohol?“ Ich gelte wohl schon als Schrecken der Zürcher Gastroszene. Und übrigens: „Ja, ich will wirklich kein Glas Wein!“

Die nächsten Monate werde ich wohl nur noch asiatische Restaurants besuchen. Wo alles im Wok eh mal auf über 100 Grad erhitzt wurde und keine gute Weinkarte im Angebot ist. Und ich freue mich darauf, wenn mir der Papa Roastbeef, Rohschinken und Roquefort ans Spitalbett bringt. Genau so, wie er es auch nach der letzten Geburt getan hat.

Übrigens: das Bauchbild ist noch aus der letzten Schwangerschaft. Sollte tatsächlich jemand an meiner aktuellen Babybauchgrösse interessiert sein, wird auch Instagram darüber informiert.

 

Deborah Lacourrege

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