Familienferien in Queensland, Australien – unsere Tipps

Australien! Weit weg und gefährlich?

Weit weg? Ja, definitiv, aber mit einem Stopover in Singapur ist es auch nicht mehr so schlimm… Gefährlich? No worries, mate! Unzählige Familien reisen jedes Jahr kreuz und quer durch den fünften Kontinent, meist passiert nichts. Das gefährlichste an Australien ist für Touristen wohl der Linksverkehr und allenfalls auch die Drop Bears! Augen offen halten lohnt sich!

Wie wir eigentlich auf die Idee kamen mit Kleinkind um die halbe Welt zu reisen? Wie immer war es ein spontaner Entscheid. Eigentlich wollten wir ja auf die Malediven, aber die lagen dann doch massiv über unserem Ferienbudget. Und wenn man schon Familie in Australien hat und – wie sich herausstellte – die Flüge wahnsinnig günstig geworden sind…

Krabben einsammeln mit der Familie – relativ ungefährlich!

Das Sicherheitsbedürfnis der Australier ist speziell. Es gibt wohl wenig Länder die mehr Warnschilder & Hinweise aufstellen. Beim Fahrradfahren gilt Helmpflicht und jeder Pool muss von einem hohen Zaun umgeben sein. Die potentiell tödlichen Spinnen in der Regenrinne werden dann aber belächelt und der Wunsch nach einem (eigentlich obligatorischen) Kindersitzchen im Taxibus wird charmant ignoriert. No worries, mate!

Wir hatten Glück und sind heil wieder nach Hause gekommen und freuen uns, euch unsere besten Tipps für entspannte Familienferien im Bundesstaat Queensland zu präsentieren.

Rund um Brisbane

Brisbane, die Hauptstadt Queenslands, ist eine Metropole mit Skyline – und doch ticken die Uhren hier etwas gemächlicher als in Sydney, oder dem sehr europäischen Melbourne. Die Highlights sind gut zu Fuss oder mit dem Bus erreichbar, ein Auto braucht ihr erstmals nicht. Eine Stadt zum Wohlfühlen. Hipster haben wir hier übrigens auch keinen einzigen gesehen…

South Bank

Entgegen der Meinung vieler liegt Brisbane nicht direkt an der Küste, sondern am Brisbane River. Wer dennoch Beach-Feeling möchte, dem sei ein Besuch in South Bank empfohlen. Für die Weltaustellung 1988 wurde entlang des Flusses eine wunderschöne Strandlandschaft mit Süsswasser-Pools und Parkanlagen geschaffen. Hier treffen sich Einheimische und Touristen, Jung und Alt zum gemütlichen relaxen. Weil die Pool-Landschaft nur fünf Minuten per Bus von unserem Zuhause entfernt war, sind wir mi Klein C. oft hierhin gefahren. Und haben sie fast nie mehr aus dem Wasser gebracht!

Brisbane, South Bank

Brisbane, South Bank

Lone Pine Koala Sanctuary

Ihr macht keine grosse Reise ins Outback, wollt aber trotzdem die Tierwelt Australiens sehen? Im Lone Pine Koala Sanctuary wenige Minuten ausserhalb von Brisbane (ist mit dem Bus oder der Fähre auch gut ohne Auto zu erreichen) findet ihr Koalas, Kängurus, Emus, Schnabeltiere, Wombats, Dingos und viele andere einheimische Tiere. Auch mit dem Kinderwagen ein tolles Erlebnis. Koalas könnt ihr streicheln (Klein C. identifiziert seither die Bärchen konsequent als „Koaaaaa“) und die Kängurus sogar füttern. Fand Mama allerdings toller als Klein C. Der waren die „Riesen-Häsli“ nicht ganz geheuer…

Lone Pine Koala Sanctuary

Die Kängurus wurden konsequent als „Häsli“ identifiziert

Fraser Island & Moreton Island

Die Inseln vor der Küste Brisbanes sind per Fähre zu erreichen. Auf Fraser Island könnt ihr mit dem 4×4 dem kilometerlangen Strand entlang fahren. Ein ganz besonderes Erlebnis. Genau so wie Sandboarden auf den Dünen oder baden in den Süsswasserseen Lake McKenzie und Lake Wabby. Nicht ganz so touristisch aber ein echter Geheimtipp ist Moreton Island. Die Australier lieben, es ihren Pickup mit Kühlboxen (Eski genannt) zu füllen und an einen Strand zu fahren. In den Kühlboxen ist vorallem BBQ Grillgut und viel alkoholisches. Schliesslich „it’s beer-o-clock somewhere!“.

Aber Alkohol ist in Australien (wie vieles) sehr teuer und nur in speziellen Liquor-Shops zu kaufen (Identitätskarte / Pass nicht vergessen). Gutes Fleisch hingegen ist sehr günstig. Zu einem richtigen BBQ – „Barbie“ genannt – gehört Lamm und Rindfleisch. Känguru wird nicht wirklich gegessen. Da steht den Australier ihr Wappentier zu nahe – was sie jedoch nicht daran hindert die Kängurus zu hunderttausenden zu schiessen und zu Katzenfutter zu verarbeiten…

Ein richtiges QLD Barbie – mit Schweizer Wurzeln (wer sieht das Aromat?)

Noosa Heads & Peregian Beach

Wir waren auch schon in Surfers Paradise an der Gold Coast, aber die Sunshine Coast gefällt uns doch einiges besser. Weniger Skyline, weniger Spraytan und weniger Silikon. Alles ist etwas natürlicher und entspannter. Hier trifft man Alt-Hippies, Familien, Backpacker und auch ganz viele Einheimische an. Die Kilometerlangen Strände rund um Peregian und Noosa laden zum stundenlangen Spazieren und Baden, die vielen Märkte zum shoppen ein.

Aber Achtung: die Sonne ist wahnsinnig stark. Klar, als verantwortungsbewusste Eltern haben wir die sehr hellhäutige Klein C. mit 50+ eingecremt und sie in einen UV-Anzug inklusive Hut gesteckt. Trotzdem starben wir gefühlt 1000 Tode, als wir sie einfach nicht aus dem Ozean, rein in den Schatten locken konnten.

Familienferien in Australien

Am Strand von Noosa Heads

Ab in den Norden – Cairns & Port Douglas

Da ich schon viele Male in Australien war, aber nur die Gegend um Sydney und Brisbane kannte, war es Zeit eine neue Seite von Australien kennenzulernen. Eigentlich wollten wir auf die Whitsunday Islands. Last Minute vor Ort buchen sollte eigentlich kein Problem sein. Dachten wir …  aber alles ausgebucht!

Port Douglas, Northern Queensland

Irgendwann schlug uns meine australische Familie dann Port Douglas vor. Port Douglas? Nie gehört… In den 90er war Bill Clinton regelmässig zu Gast im kleinen Örtchen mit 3’200 Einwohnern. Seither zehrt Port Douglas noch etwas vom Charme vergangener Jahre. Aber es ist charmant, familienfreundlich, hat gute Restaurants und Shoppingmöglichkeiten. Auch einen grossen Supermarkt, indem man alles für Babys und Kleinkinder findet. Wir haben uns durch und durch wohlgefühlt.

Irgendwo über dem Great Barrier Reef zwischen Brisbane und Cairns

Wie immer sind die Distanzen in Australien gross. Brisbane – Cairns ist ein zweistündiger Flug. Klein C.s dritter Flug auf dieser Reise. Sie war es sich natürlich schon gewohnt und hat die zwei Stunden ganz routiniert verschlafen. Danach nochmals eine Stunde mit dem Taxibus weiter in den Norden nach Port Douglas. Hier, im Norden von Queensland ist das Klima richtig tropisch feucht-heiss. Unendliche Sandstrände trennen den tropischen Regenwald vom Ozean. Zwei der urtümlichsten und beeindruckendsten Ökosysteme der Welt treffen hier direkt aufeinander. Auf der einen Seite der älteste Urwald der Welt – der Daintree Rainforest – und auf der anderen Seite das Great Barrier Reef.

Etwas nördlich von Port Douglas, beim Cape Tribulation, hört die befestigte Strasse auf und die 1000km bis zum nördlichsten Punkt von Australien sind nicht mehr als Schotterstrasse; ein Must für jeden 4×4 Fan! Unsere australische Familie hat es schon gemacht. Uns würde diese Herausforderung auf jeden Fall auf reizen, wenn Klein C. und ihr Geschwisterchen dann etwas grösser sind.

Keine Lust zu laufen

Wer es etwas weniger abenteuerlich mag, ist auf den vielen Urwald-Touren bestens aufgehoben (aber erkundigt euch vorher, wenn ihr Kinder unter 4 Jahren dabei habt, die sind oft nicht erlaubt). Uns hat die Tour bestens gefallen, leider wollte Klein C. aber keinen Schritt laufen und nur von Mama getragen werden. Das hat sie sich wohl von den Koalas abgeschaut. Seither sagt sie nämlich „Tleiiii Koaaaa“ (Tragen wie ein Koala), wenn wenn sie auf Mamas Rücken will. Nur sind die Koalas besser an das Klima angepasst. 95% Luftfeuchtigkeit, bei 32 Grad mit 11kg Baby am Rücken sind kein Spass… Dafür gibts als Belohnung die wohl besten Glacés von ganz Queensland.

Endlose Strände und endlos viele Krokodile & Quallen

Auch hier gibt es wunderschöne, kilometerlange Strände. Am liebsten würde man sofort ins Wasser springen. Wenn da nicht die – bis zu 5m langen – Salzwasserkrokodile und die potentiell tödlichen Quallen wären. Einfach ins Wasser hüpfen, oder ein Strandspaziergang in der Nacht liegen also nicht drin. Helikopter-Eltern werden hier nicht glücklich. Immerhin: in jeder Ortschaft haben die Australier einen Teil des Ozeans mit einem riesigen Netz abgesperrt. In diesem Bereich kann man problemlos einen Schwumm im Meer wagen.

Mind the Crocs!

Die Wassertemperaturen waren mit 31 Grad aber auch zu heiss um wirklich abzukühlen. Unter den hohen Temperaturen litt auch das Riff und seine Bewohner. Der Schnorchelausflug zu den Low Isles war dementsprechend etwas enttäuschend – über grosse Teile des Riffes hatte die Korallenbleiche bereits eingesetzt. Nur zwei Tage nach unserem Rückflug nach Brisbane wurden grosse Teile der Region dann von einem Zyklon verwüstet.

Low Isles – Cyclone Debbie lauert bereits am Horizont

Unser Fazit nach drei Wochen Australien:

Australien ist für Familien ein toller Ort. Die Aussies lieben Familien. Dies beginnt schon bei der Einreise. Ein spezieller „Immigration“ Schalter nur für Familien. Auch sonst sind Kinder überall herzlich Willkommen. Im Restaurant gibt es immer Hochstühle und Babygeschirr. Die Kinder werden überall und jederzeit von den Einheimischen bezirzt. Mama war sehr angetan von den Family Rooms: statt Wickeltisch in der Damentoilette ist der Wickeltisch in Australien praktisch immer in einem separaten Raum. Dort hat es oft auf einen bequemen Sessel zum Stillen, die Möglichkeit Windeln zu kaufen und eine Mikrowelle, um den Brei aufzuwärmen. Endlich, endlich, ist es nicht nur die Mama, die unterwegs Windeln wechseln kann.

Mr Bunny in Port Douglas

Die Reise ist lange, aber sie lohnt sich. Das nächste Mal würden wir nur noch auf dem Hin- oder Rückweg einen Stopover machen und nicht mehr auf beiden Wegen. Nehmt euch auch genügend Zeit. Wer Australien nicht kennt, sollte sich mindestens drei Wochen einplanen. Und auch dann darf man die Distanzen nicht unterschätzen.

Konzentriert euch also lieber auf eine Region. Von Brisbane nach Cairns, so wie wir das gemacht haben, oder von Sydney nach Brisbane. Die „Great Ocean Road“ ist auch ein Klassiker. Ihr könnt auch das Landesinnere rund um Alice Springs / Uluru erkunden oder die Westküste erforschen.

Wir sind uns sicher, wir kommen wieder!



Deborah Lacourrege

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