Du bist aber eine strenge Mutter

Diesen Satz bekam ich vor nicht allzu langer Zeit von einer indischen Freundin zu hören. Und sie meinte es – wider meiner Erwartung – als Kompliment. Grund für diese Aussage war, dass Klein C. mit viel Leidenschaft Kieselsteine auf den Weg der Masoala-Halle im Zooo Zürich warf. Ich erklärt ihr, dass sie das zwar schon machen dürfe, die Steine danach aber auch wieder wegräumen müsse.

Als ich bei meiner Freundin nachfragte, wie sie es denn meine, sagte sie: „Du erziehst deine Tochter. Für uns Inder ist das sehr wichtig. Bei Schweizer Eltern habe ich das noch nie gesehen, die lassen ihre Kinder einfach machen.“ Über den zweiten Teil dieser Aussage mag ich mich nicht äussern. Zum ersten haben ich mir jedoch so meine Gedanken gemacht…

Grenzen setzen ist wichtig

Ja, ich erziehe meine Tochter definitiv. Aber erst, seitdem aus dem süssen Baby ein Kleinkind mit ganz eigenem Willen geworden ist, das gerne Grenzen testet. Als sie noch ein Baby war, war ich der Meinung, dass man sie nicht genug verwöhnen kann. Knuddeln, Tragen, Nahrung und Schlaf nach Bedarf– das waren meine Prinzipien. Um den ersten Geburtstag herum merkte ich jedoch, dass Klein C. begann, ihre Grenzen zu testen.

Und so begann ich, ihr Grenzen zu setzen. Nicht einfach Grenzen, um des Prinzips Willen. Meistens geht es dabei um ihre Sicherheit oder ihre Gesundheit. Aktuelles Beispiel dafür ist etwa das Klettern. Klein C. klettert mit viel Leidenschaft auf alle möglichen Dinge. Und hüpft danach davon hinunter. Ich greife dort ein, wo es mir gefährlich scheint. Etwa wenn sie sich Kopf voran von der Sofalehne stürzen will. Ich habe sie inzwischen soweit, dass sie weiss, in welche Situationen sie sich nur mit Mamas unterstützender Hand begeben soll.

Ich folge (wie ich es schon oft erwähnt habe), keinem bestimmten Erziehungsparadigma. Ausser, dass Gewalt in jeglicher Form ein absolutes No-Go ist. Ich entscheide situativ und den Bedürfnissen unserer Familie entsprechend. Ich schreibe ganz bewusst, der Familie. Denn es muss schliesslich für alle stimmen, wenn dieses zarte Beziehungsgeflecht auf längere Dauer funktionieren soll.

Konsequent aber liebevoll

Und manchmal – wie bei den Steinen – eben auch um Aktion und Reaktion. Mir ist es wichtig, dass sie lernt, dass ihre Handlungen Konsequenzen haben. Chaos veranstalten ja. Aber danach der Mama beim Aufräumen helfen. Die halbe Küche im „Rumgötschen“ unter Wasser setzen. Und dafür der Mama beim Putzen helfen.

Bin ich deswegen eine strenge Mutter? Vielleicht. Mir fehlen –  um ehrlich zu sein – die Vergleichsmöglichkeiten. Mache ich es richtig? Ich weiss es nicht. Ich hoffe mal, Klein C. wird in 20 Jahren sagen: „Meine Mama war schon streng. Aber sie war immer liebevoll, sie war immer für mich da.“ Genau das sage ich heute auch von meiner Mama. Wahrscheinlich werden wir im Umgang mit unseren Kindern stark von der Erziehung geprägt, die wir als Kinder erlebt haben.

Entweder, weil wir es so gut fanden. Oder, weil wir genau das Gegenteil machen wollen. Ich denke, dass ich ein wenig entspannter betreffend Erziehung bin, als ich es mir von zu Hause aus gewohnt bin. Das mag aber damit zusammenhängen, dass wir zu Hause vier Kinder im Abstand von fünf Jahren waren. Als ich meine Mama fragte, wie sie dies geschafft habe, war ihre Antwort: „Mit viel Disziplin eurerseits. Sonst hätte ich keine Chance gehabt.“ Vielleicht werde ich ja auch noch strenger, wenn ich dann auf zwei kleine Kinder schauen muss.

PS: Ich persönlich behaupte ja, dass der Papa viel, viel strenger erzieht, als die Mama. Auch wenn er sich gerne „Spass-Papa“ nennt.




Deborah Lacourrege

1 Comment

  1. Antworten

    Alexandra von doublyblessedblog

    26. Juni 2017

    Da bin ich voll bei Dir 😊 Ich bin auch eine strenge Mama, denn ist mir wichtig den Zwillingen mit auf den Weg zu geben, dass jeder seinen Teil beitragen muss, damit es alle schön haben. Deine Beispiele sind da sehr treffend und sind auch bei uns Alltag – Alles durcheinand wirbeln ist absolut drin, aber dann zusamnen wieder aufräumen. Liebe Grüße Alexandra

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