ÖV mit Kind – wie geht das?

Im Rahmen der WWF-Blogparade habe ich kürzlich davon geschrieben, dass wir autofrei leben. Zum Einen aus Überzeugung, zum Anderen aus finanziellen Gründen. Da wir in der Stadt leben und arbeiten (respektive die Mama in einer anderen Stadt arbeitet), wäre ein Auto purer Luxus. Leasing, Parkplatz, Versicherung, Benzin: das alles würde die Kosten eines Generalabonnements bei weitem übersteigen.

Wir werden immer wieder gefragt, wie das denn funktioniere mit Kind mit ÖV? Offenbar ist es immer noch so, dass sich viele Leute nur schwer vorstellen können, mit den Kleinen in den Zug statt ins Auto zu steigen. Unsere Antwort ist dann jeweils: es ist eigentlich keine grosse Sache… und deshalb wollen wir euch heute einige Tipps geben, wie ihr auch mit Kind und ohne Stress mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seid.

Gute Planung und entspannte Eltern sind essentiell

1. Plant genügend Zeit ein. Und plant allgemein. Unsere Familie lebt teilweise auch auf dem Land. Da sind die ÖV-Verbindungen nicht die Besten. Deshalb suchen wir uns schon vorher einen Zug oder einen Bus aus und planen dann so, dass wir es garantiert auf diese Verbindung schaffen werden. Normalerweise sind planen für uns eine Reserve von etwa 10 Minuten ein.

2. An den meisten Schweizer Bahnhöfen (es gibt leider noch Ausnahmen), werdet ihr immer einen Lift finden. Ihr kommt also auch mit Kinderwagen überall hin. Oft sind sie allerdings ein wenig versteckt oder ihr müsst dafür einen kleineren oder grösseren Umweg auf euch nehmen. Deshalb sind Punkt Nummer 1 und Nummer 6 besonders wichtig. Im Zweifelsfall auch mal das Bahnpersonal fragen, die wissen das immer.

3. Wenn ihr mit wenig Gepäck reisen könnt oder zu Zweit unterwegs seid, packt euer Kind in die Tragehilfe. So erspart ihr euch Punkt 2 und gewinnt zudem ziemlich viel Zeit.

4. Schweizer sind nicht gerade bekannt dafür, dass sie Eltern mit Kinderwagen (oder auch Schwangeren) ihre Hilfe anbieten. Fragt ihr aber aktiv danach, wird sich niemand trauen, nein zu sagen. Ich halte jeweils an der Tram/Bus/Zug-Haltestelle von im Vorfeld Ausschau nach dem stärksten Mann. Sobald das Verkehrsmittel anrollt, bitte ich ihn um Hilfe. Am hilfsbereitesten sind übrigens Teenager mit Migrationshintergrund.

5. Der SBB-Familienwagen ist Gold wert. Klein C. kann sich darin während Stunden (ja, wirklich, sogar auf Reisen in die Westschweiz) vergnügen. Sie ist ein grosser Fan der „Affen-Rutsche“. Zudem trefft ihr dort auf Gleichgesinnte. Das Kind weint? Ganz normal! Eine spontane Still-Session? Selbstverständlich! Nicht genügend Snacks mit dabei? Andere Eltern helfen gerne aus! Wer sich als Kinderloser ins Familienabteil setzt, ist sowieso selber schuld…

6. Leider gibt es nicht immer einen Familienwagen. Nehmt für diesen Fall genügend Unterhaltung und Essen (ja, Snacks beschäftigen die Kleinen wunderbar) mit. Etwa ein Kleines Malset oder ein Geschicklichkeitsspiel. Wir haben immer mindestens vier Pixie-Bücher in der Wickeltasche – die haben sie schon sehr bewährt.

7. Als Neueltern wisst ihr wahrscheinlich noch nicht, wo die flachen Zugwägen oder gar die Familienwägen sind. Haltet deshalb diskret Ausschau nach Eltern mit Kleinkindern und folgt ihnen. Glaubt mir, späte6stens nach einem Jahr wissen alle Eltern, wo die kinderfreundlichen Einstiege zu finden sind.

8. Einen Führerschein zu haben ist trotzdem praktisch. So könnt ihr euch zum Beispiel eine Mitgliedschaft bei einer Carsharing-Firma machen. Viele Arbeitgeber bieten diese vergünstigt an. Ebenfalls günstiger bekommt man diese zum ÖV-Abonnement dazu. Bis jetzt sind wir ohne ausgekommen. Aber wenn wir bald zu Viert sind, werden wir wohl auch ab und zu mal mit den roten Autos unterwegs sein.

9. Unser Kinderwagen ist auch ein Lastesel. Besonders bei Wochenendeinkäufen tut er gute Dienste. Obwohl Klein C. inzwischen gut läuft und oft Laufen will, kommt das Wägeli auf jeden Grosseinkauf mit. Denn Mama und Papa rollen die Einkäufe lieber nach Hause, statt sie zu tragen.

10. Lasst euch nicht stressen. Zug verpasst? Es kommt bald wieder einer und man findet immer wieder was zu tun. Schreiendes Baby und böse Blick der Mitreisenden? Ignorieren und im schlimmsten Fall auf den Standart-Spruch zurückgreifen: „Können Sie mir garantieren, dass Sie als Kind nie geweint haben?“ Allgemein sind Kinder ja sehr feinfühlig, was das Befinden ihrer Eltern betrifft. Deshalb färbt Stress auch ab.

 




Deborah Lacourrege

1 Comment

  1. Antworten

    lorelai5

    25. September 2017

    Ich beneide Euch Städter ja ehrlich gesagt total um den ÖV. Das lange Zugfahren jetzt nicht, aber Trämli und so (habe in Zürich studiert ;). Ich stelle es mir so easy vor, alle Wege zu Fuss mit Kind in der Trage erledigen zu können. Ich muss hier fast für alles das Auto nehmen – Kind rein, Kind in Trage, in den Laden, wieder zurück und umgekehrt und dasselbe nochmal falls wir noch woanders hin müssen. Oft wäre ich froh, ich könnte einfach in den Bus steigen aber die Verbindungen sind hier so grottig und mit dem Auto bin ich einfach 10x schneller… 😛
    Mit KiWa (hatte früher auch mal einen und bin damit sogar schon im ÖV gefahren) fand ich es immer haarsträubend: kein Platz, den Wagen krampfhaft halten wenn der Busfahrer Kurven fährt, dann niemand, der beim Ein- oder Aussteigen hilft – bäh!

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