„Aber ich will doch lernen!“

Erinnert ihr euch noch daran, wie ihr als Teenager zu Hause Französischwörter büffeln musstet? Und wie ihr das so überhaupt nicht gerne getan habt? Irgendwann kommt uns der Lerndrang, den wir als Kinder verspüren, offenbar abhanden. Irgendwann lernen wir nur noch, weil wir müssen. Gute Noten sind halt schon wichtig für das zukünftige Leben. Ich muss zugeben, ich gehörte in der Schule und später auch in der Uni zur lernfaulen Fraktion. Manch einer hat mich auch als Minimalist bezeichnet. Und ich war ganz froh, dass ich für akzeptable Noten nicht Tage, sondern bloss Stunden benötigte.

Ein Gehirn wie ein Schwamm

Kleinkinder funktionieren da noch ganz anders. Wir beobachten es täglich an Klein C. Ihr Gehirn funktioniert nach dem – wie wir es nennen – Schwammprinzip. Einmal gehört, vergisst sie es nicht mehr. Zumindest wenn es um das Thema Sprachentwicklung geht. Da realisierten wir plötzlich, dass das Kind Englisch verstand, obwohl wir dies Zuhause nicht sprechen. Aber es reichte offenbar schon, dass sie der Sprache einmal pro Woche ausgesetzt war. Und da gibt es Leute, die behaupten, dass mehrere Sprachen in der Primarschule die Kinder überforderten.

Auch der Ginko, den die Grossmutter längerer Zeit mal als Dinosaurier-Essen identifizierte, blieb im Gedächtnis. Zielgenau identifiziert sie jeden entsprechenden Baum und erzählt uns von seinem ursprünglichen Zweck. Wir geben aber zu, dass Dinosaurier sowieso ziemlich angesagt sind. Kein Wunder, schliesslich waren die Eltern auch lange „Dinosaurier-Nerds“.

Das mit dem Schwamm gilt übrigens nicht, wenn es sich um Aufforderungen zum Aufräumen oder das Verbot, der Mama den Badezimmerschrank auszuräumen handelt… Da tut Klein C. jeweils ganz erstaunt. Und Mama und Papa müssen ihr regelmässig aufs Neue erklären, wieso sie nicht gerne über Tonnenweise Puppenkleider und Holzfrüchte stolpern…

Alles immer selber machen

Aber weiter mit dem Lerndrang: der beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Sprachentwicklung. Klein C. imitiert alles, was die Grossen machen. Das kann teilweise sehr hilfreich sein – etwa beim Putzen. Oder auch sehr stressig. Wenn das Kleinkind unbedingt darauf besteht, jetzt auch Kaffee oder Wein trinken zu wollen. Zum Glück gibt es Babyccino und Traubensaft, sagen wir dazu nur.

Gleichzeitig will sie auch alleine die Wohnungstüre aufschliessen, Treppen steigen oder über die Strasse gehen, ohne die Hand zu geben. „Selber machen“, ist da ihre Devise. Wir haben uns fest vorgenommen, sie in ihrem Lerndrang zu unterstützen. Ihr nie zu sagen: „Das kannst du nicht. Dafür bist du noch zu klein!“ Wir versuchen, sie zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu finden. Und verhandeln teilweise so lange, bis aus dem „Selber machen“ ein „Zusammen machen“ wird. Zum Beispiel eben beim über die Strasse gehen.

Und sowieso ertappen wir uns in letzter Zeit sehr oft dabei, wie wir mit unserem Kleinkind verhandeln. Und zwar so richtig hart. Davor hatte uns niemand gewarnt, bevor wir Eltern wurden. Aber dazu mehr in einem weiteren Beitrag.

 




Deborah Lacourrege

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