Mr. Bunny auf Weltreise – oder wenn die Eltern 1000 Tode sterben

Als ich Klein C. den weissen, fluffigen Plüschhasen Ende Januar im Zoo Zürich kaufte, hatte ich ja noch keine Ahnung, welche Konsequenzen dies haben würde. Klar, schon damals wusste ich, dass unsere Tochter ein grosser Hasen-Fan ist. Schliesslich sagte sie schon seit einer Weile Häsli – Mama allerdings noch nicht. Sie wollte sich übrigens auch partout nicht von exotischeren Plüschtieren wie Schlangen oder Schneeleoparden überzeugen lassen.

Und so kam „Mr. Bunny“ in unser Leben. Schon auf dem Heimweg begann ihre innige Liebesbeziehung. Als wir zu Hause ankamen, hatte sie die Ohren ihres neuen Spielzeuges klatschnass gekaut. Es waren wohl gerade irgendwelche Zähne unterwegs – fragt mich nicht mehr, welche genau.

Einmal um die halbe Welt und zurück

Kurz darauf reisten wir nach Australien. Als Schlaftier hatten wir einen Bären eingepackt. Doch kurz bevor wir unsere Wohnung verliessen, schnappte sich Klein C. den neuen Hasen. Sie liess uns also keine Wahl. Und so kam „Mr. Bunny“ mit ins Flugzeug, fiel in Singapur diverse Male auf den Boden und war, als wir einige Tage später in Australien ankamen schon so schmutzig, dass ihn die Grosstante sofort in die Waschmaschine steckte. Zum Glück trocknete er innerhalb Tagesfrist, so dass ihn Klein C. mit ins Bett nehmen konnte.

Unterwegs starben wir natürlich 1000 Tode. Egal, wohin wir gingen, „Mr. Bunny“ musste immer mit. Gleichzeitig eignete sich Klein C. die Macke an, Dinge aus dem Kinderwagen zu schmeissen. Egal ob in der Stadt, im Bus, im Regenwald oder am Strand. Das – wohlgemerkt ursprünglich mal schneeweisse – Häschen landete überall am Boden. Immerhin: der Papa und ich hatten das Geräusch, das das mit Kugeln gefüllte Hinterteil machte, wenn es heruntergeschmissen wurde, bald verinnerlicht. So dass wir es auch im Halbschlaf hörten.

Den Namen hat „Mr. Bunny“ übrigens auch aus Australien. Klein C.s 5-jährige Coucousine – welche sie heiss und innig liebt – hat ihn entsprechend benannt. Seither kennt unsere Tochter das englische Wort für Häsli. Der Plüschhase überlebte das tropische Singapur tatsächlich auch ein zweites Mal. Schleppte aber schrecklich viel Sand in unsere Zürcher Wohnung. Und wir fragten uns, wie wir das Tierchen ohne tropische Hitze innerhalb nützlicher Frist trocknen sollten?

Ein Plüschtier unter Hausarrest

Seither wurde das Waschen immer mehr zur Herausforderung. Denn Klein C. will keine Nacht mehr ohne ihren Bunny verbringen. Oft wacht sie sogar auf, schreit nach „Bunny“ und schläft erst wieder ein, nachdem wir ihr den Plüschhasen in den Arm gedrückt haben. Die Theorie, dass Plüschtiere die elterliche Nähe ersetzen, konnten wir übrigens erfolgreich widerlegen: auch in unserem Bett klappt gar nicht mehr ohne „Mr. Bunny“.

Seit wir wieder in der Schweiz sind, steht „Mr. Bunny“ grösstenteils unter Hausarrest. Zu gross ist unsere Angst, das Tierchen zu verlieren. Ich will euch gar nicht erzählen, wie gross das Einschlafdrama war, als das Häschen eines Abends plötzlich verschwunden war. Der Papa suchte ganz panisch danach – bis er es unter der Spielküche wiederfand.

Einen Ersatz-Hasen haben wir bisher leider nicht gefunden. Im Zoo-Shop habe ich mich zwar schon diverse Male danach umgeschaut – erfolglos. Es war wohl ein unverzeihlicher Anfängerfehler, sich nicht gleich um Ersatz gekümmert zu haben. Jetzt müssen wir halt lernen, mit dem ständigen Bunny-Verlier-Terror zu leben.




Deborah Lacourrege

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