Die Rosa-Phase – Ja, es gibt sie!

“Klein C., was möchtest du heute anziehen?”

“Das losa Büsi-Tshilt.”

“Klein C., welches Glacé möchtest du gerne?”

“Das losa Edbeeconne.”

Ihr könnt es euch denken, wofür “losa” steht? Klein C. ist zwar des “r” noch nicht mächtig, dafür weiss sie schon ganz genau, was sie will. Rosa Kleidung, rosa Schuhe, rosa Rucksack, rosa Laufvelo, rosa Seife, rosa Tee, rosa Glacé,….

Jeder Aspekt im Leben unserer Tochter wird durch eine Farbe bestimmt. Und ich meine, wirklich jeder. Aktuell bevorzugte Lebensmittel sind deshalb auch Himbeeren, Erdbeeren, Randen, Cicorino Rosso und natürlich Erdbeer-Cornets. Ganz zu schweigen von Schokolade, die in rosa Alufolie verpackt ist.

Schon lange bevor Klein C. alle Farben korrekt zu benennen wusste, kann sie eine Farbe ganz genau: Rosa! Als wir also mal wieder im Supermarkt Diskussionen mit unserer Tochter darüber führten, dass wir die Hygiene-Säckchen wirklich nicht kaufen wollten, nur weil sie rosa waren, kam eine Mama lächelnd zu uns und meinte: “Ach, Ihre Tochter ist in der Rosa-Phase angekommen?”

Woher kommt diese Liebe zu Rosa nur?

Rosa Phase, gibt es das wirklich? Offenbar ja. Und sie scheint sehr typisch für die Willensfindungsphase zu sein. Trotzphase will ich es hier ganz bewusst nicht nennen. Und zu diesem Willen gehört eben auch der ganz eigene Geschmack. Und dieser macht aus kleinen Mädchen offenbar Rosa-Fanatikerinnen mit einer Liebe zu Prinzessinnen, Büsis und Hello Kitty. Ihr merkt, Klein C. lässt aktuell wirklich kein Klischee aus.

Was ich lange nicht verstand: Woher kommt das nur? Als ich noch etwas zu sagen hatte, kleidete ich Klein C. zwar feminin, aber es musste bei weitem nicht immer rosa sein. Im Gegenteil, sie wurde sogar oft für einen Jungen gehalten, weil ich sie bevorzugt in Blau kleidete.

Steckt es also in den Genen? Ich erinnere mich noch gut an meine rosa Hello Kitty Tasche, die ich mir zum Kindergartenstart von meinem Patenonkel gewünscht hatte. Sehr zum Grauen meiner Eltern. Wahrscheinlich teilweise. Einen noch grösseren Einfluss hat offenbar die Sozialisierung: Klein C. hat eine beste Freundin in der Kita, die etwas älter und deshalb ihr grosses Vorbild ist. Und dieses Mädchen trägt ausschliesslich rosa Kleidung und Accessoires.

Alles nur eine Phase?

Als wir übrigens das neonpinke Laufrad dem leicht schockierten Velomechaniker zeigten und auf unsere 2.5-Jährige verwiesen, tröstete uns dieser: “Glaubt mir, mit vier Jahren ist der ganze Spuck vorbei.”

Wir hoffen dann mal das Beste. Denn Klein C. sagt nicht nur, was sie will, sondern auch ganz klar, was sie nicht mag. Dazu gehört Mamas blau-weiss-gestreifter Pulli oder Papas rostrotes Shirt: “Papa, dein T-Shilt habe nicht nicht so geln.” Einzig Dinge wie Glitzer, Gold oder Hasen lässt unsere kleine Stilkritikerin gerade noch so durchgehen.




Deborah Lacourrege

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