Mit 2 Kindern aus dem Haus – ein Drama in X Akten

Mittwoch und Donnerstag sind meine Kindertage. Ich gehöre zu den Müttern, die gerne mit ihren Kindern rausgehen. Sie beschäftigen, sie müde machen, sie davon abhalten, die Wohnung in Schutt und Asche zu versenken.

Also habe ich – damals hatte ich noch ein Kind – C. an einem Morgen für einen Musikkurs angemeldet. Damals war sie noch ein Einzelkind und es schien mir eine gute Idee. Und am anderen Morgen, ja, da gehen wir alle zusammen ins Kanga. Irgendwie muss Mama ja auch noch Sport in ihren Familienalltag packen.

Weshalb dauert nur alles so lange?

Egal wie früh ich aufstehe, am Schluss sind wir immer alle gestresst und wir kommen garantiert zu spät. Wie dass das kommt? Ein kleines Beispiel:

  • 5:45: Der Babybruder macht die Amsel und hat das Gefühl es sei schon Morgen.
  • 6:00: Nach erfolglosem Einschlafstillen versuchen Mama und Baby möglichst lautlos das Zimmer zu verlassen. C. soll noch ein bisschen schlafen.
  • 6:05: Während Mama ihren Kaffee runterstürzt, füllt der Babybruder die Windel und ist unglücklich. Mama trinkt noch einen zweiten Kaffee, bevor sie sich in der Lage fühlt, eine Windel zu wechseln.
  • 6:25: Die Windel ist gewechselt, der Babybruder gewaschen, eingecremt und angezogen. Da torkelt C. schlaftrunken ins Wickelzimmer.
  • 6:45: C. schläft wieder. Mama startet einen Versucht, sich selber fertig zu machen.
  • 7:00: Irgendwo zwischen Concealer und Wimperntusche beschliesst der Babybruder unzufrieden mit der Gesamtsituation zu sein. Die Lösung: Mama nimmt ihn ins Tuch uns versucht sich so weiterzuschminken.
  • 7:10: C. torkelt wieder aus dem Zimmer. Mama geht mit beiden Kindern erneut ins Bett.
  • 7:35: Beide Kinder schlafen. Mama ist hellwach und geht dann mal in die Küche. Parallel zum dritten Kaffee räumt sie den Geschirrspüler aus, kocht zwei verschiedene Babybrei und versucht ihr Müesli Instagram gerecht zu fotografieren.
  • 8:00: C. steht jetzt definitiv auf. Dafür muss sie zuerst mal 15 Minuten lang mit Mama auf dem Sofa kuscheln.
  • 8:15: C. hat ihre Bücher entdeckt und will, dass Mama sie vorliest. Wie könnte man bei diesem Dackelblick Nein sagen? Aus einem Buch werden natürlich drei.
  • 8:35: C. will partout andere Socken. Die Hosen hat sie auch schon wieder ausgezogen. Wir diskutieren darüber, weshalb sie bei 30 Grad keine gefütterten Hello Kitty Leggings tragen kann.
  • 8:55: Ich jage C. mit der Haarbürste durch die ganze Wohnung.
  • 9:00: Ich gebe auf und tusche jetzt doch noch mein Wimpern. C. schleppt in dieser Zeit diverse Bücher ins Bad.
  • 9:05: C. beschliesst dass sie jetzt doch noch etwas essen will. Als ich das Erdbeer-Joghurt geöffnet habe, schreit es aus dem Schlafzimmer. Ich füttere C., während ich den Babybruder stille.
  • 9:20: Da war doch noch was? Aaaaaah…. Packen! Brei fertig machen, UV-Kleidung und Mittagessen einpacken, Wickeltasche wieder auffüllen, Wasserflaschen unten in den Kinderwagen legen.
  • 9:35: C. hat Durst und nimmt die Flasche wieder aus dem Wagen. Ich nutze die Chance und mache ihr einen Dutt. Stehe schon mit der Zahnbürste bereit, als sie fertig getrunken hat.
  • 9:40: Während ich den Babybruder ins Tuch binde, beschliesst C. Gummistiefel anziehen zu wollen. Ok, dann mach halt. Immerhin kann sie die selber anziehen.
  • 9:45: Wir verlassen die Wohnung – natürlich mit Verspätung.Irgendwann auf dem Weg merke ich, dass ich mein Instragram-Müesli gar nicht gegessen und mein Zähne nicht geputzt habe. Uns fahren Bus und Tram vor der Nase ab. Wie immer sind wir die Letzten, die im Kanga ankommen.




Deborah Lacourrege

2 Comments

  1. Antworten

    Little Big Heart

    27. Juni 2018

    Wir haben bis zum Ende gespannt gelesen! Wie ein Abenteuer-Roman ❤

  2. Antworten

    Lena Steudtner

    23. Juli 2018

    Hallo,
    Ach wie herrlich. Es tut gut zu lesen, das es anderen Müttern auch so geht. Ich hab schon schwer an mir gezweifelt.
    Danke für den wunderbaren Text.
    LG Lena (mit 3 Kindern)

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