Wie eine Handarbeitsniete doch noch nähen lernte

Alles begann mit einer Anfrage von Bernina: Ob ich denn Interesse an einer Kooperation hätte? Meine anfängliche Reaktion? Schockstarre. Gefolgt von hysterischem Lachen. Nähen? Ich, die bisher ihren Mann dazu delegierte, abgefallene Knöpfe wieder anzunähen?

Nicht, dass ich mich nicht schon über mein fehlendes Handarbeitstalent geärgert hätte. Seit ich Kinder habe, sehe ich all diese süssen Beanies, Höschen und Bettschlangen, die man theoretisch selber nähen könnte. Mit der Betonung auf theoretisch. Denn bisher bezahlte ich anderen Mamas viel Geld, dass sie mir diese anfertigten.

Nähen – ein Kindheitstrauma

Auch die Idee selber zu nähen, kam ich nicht. Wieso? Das hat viel mit meinem Handarbeitsunterricht in der Primarschule zu tun. Ich hatte damals – Mitte 90er Jahre – eine Lehrerin, die versuchte, mich zum Rechtshänder zu erziehen. Ich, die alles mit Links mache, sollte in der Handgsi plötzlich mit rechs häckeln, nähen und schneiden. Das war mir zu viel: Ich ging auf die Barrikaden und meldete mich so früh wie möglich vom Kurs ab. Damals war ich elf Jahre alt. Seither habe ich Nadel und Faden nicht mehr angerührt.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich die Herausforderung nicht angenommen hätte. Ich lerne schliesslich gerne neue Dinge. Und so schrieb ich Bernina zurück: “Ja klar kann ich mir eine Kooperation vorstellen. Ich kann einfach überhaupt nicht nähen. Ich müsste zuerst einen Kurs besuchen.”

Erste Herausforderung: das Einfädeln

Und dies geschah dann auch. An einem schönen Mittwochnachmittag nahm der Papa frei und ich besuchte das Bernina Schweiz Hauptquartier in Zürich-Oerlikon. Dort traf ich auf meine Näh-Instruktorin Eveline Hunziker für meine Overlock-Kurs. Nach Absprache mit einer lieben Freundin hatte ich mich als blutige Anfängerin nämlich für eine Overlock entschieden – konkret die L450.

Zuerst durfte ich das Einfädeln lernen. Laut meiner Recherche etwas wahnsinnig Kompliziertes. Aber nein, so schlimm war es gar nicht. Es brauchte ein bisschen Geduld, war aber sogar für mich als blutige Anfängerin kein Ding. Danach schauten wir uns die unterschiedliche Stiche an. Und ich lernte, weshalb eine Overlock manchmal vier Fäden braucht und wo sich das ach so praktische Messer eigentlich befindet.

Hatte ich ein bisschen Angst, also ich das erste Mal seit 23 Jahren wieder auf ein Nähpedal drückte? Definitiv! Raste mir der Stoff zuerst einfach unter den Fingern weg? Ja, das auch. Aber Eveline drückte mir einfach die nächsten Stoffresten in die Hand. Und nähte ich auf festem Stoff, auf Baumwolle, auf Jersey und auf Seide.

Eigentlich gar nicht so schwierig

Ich lernte alles über Fadenspannung, Flachnähte und Rollsäume. Auch, wie ich eine Naht versäubere oder wieder auftrenne. Nach meine vierstündigen Kurs wusste ich gar nicht mehr so recht, wo mir der Kopf stand. Es waren sehr viele Informationen aufs Mal. Nichtsdestotrotz war ich sehr motiviert und ging schon bald darauf meine eigene L450 im Bernina-Laden in Zürich abholen. Dies endete in einem mittleren Debakel (mehr dazu erfahrt ihr auf Instagram).

Und – Achtung Spoiler – ich habe bereits ein erstes Nähprojekt hinter mir. Etwas ganz einfaches. Trotzdem war ich unglaublich stolz, es geschafft zu haben. Mehr dazu erfahrt ihr bald auf Facebook.

Falls sich jetzt technische Fehler in diesen Artikel eingeschlichen haben sollten, so mögt ihr mir bitte verzeihen. Trotz Kurs bin ich eben immer noch eins: blutige Näh-Anfängerin!

*Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Bernina.

 

Deborah Lacourrege

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