“Mama, darf ich bitte noch eine Schwester?”

Ich bin mir nicht ganz sicher, wann es passiert, dass sich C. für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu interessieren begann. Ich schätze mal, ungefähr vor sechs Monaten, als sie zweieinhalb Jahre alt war. Plötzlich kam sie mit Aussagen wie: “Rosa ist für Mädchen, Blau ist für Jungs”, und wir waren zunächst hauptsächlich verwirrt, weshalb unsere Tochter Farben den Geschlechtern zuordnete. Zumal die Tatsache, dass wir dem Babybruder ihre pinken Baby-Pijamas bei ihr fast zu einem Nervenkollaps führte.

Das Rätsel war schnell gelöst. Natürlich war die Kita “schuld”. An den zahlreichen Geburtstagsfeiern nämlich, zogen sie den Kindern einen blauen, respektive einen rosa Mantel zur Feier des Tages an.

Das war nicht nur der Start von C.s Rosa-Phase, die inzwischen übrigens nicht mehr ganz so extrem ist, sondern auch der Anfang von C.s “Mädchen-Präferenz”. Sie unterteilte Freizeitaktivitäten, Spielsachen und Disney-Figuren plötzlich nach Geschlecht. “Mama, gäll, Frozen ist für Mädchen. Der Babybruder kann einen Minions-Geburtstag haben.” Wie bitte, Minions? Woher kennt sie jetzt die schon wieder? Und wie genau kommt sie auf die Idee, dass die gelben, ziemlich geschlechtslosen Kreaturen für Jungs sind?

Nur Mädchen dürfen zur Party kommen

Ich schweife ab. Tatsache ist, dass C. aktuell nur noch mit Mädchen spielt. Die einzigen Buben, die an ihre Geburtstagsfeier kommen durften, waren grosse Brüder. Der Babybruder wäre eigentlich auch nicht eingeladen gewesen. C. sah aber ein, dass nun mal sämtliche Grosseltern und damit potentielle Babysitter auch an der Party sein würden und man den Babybruder schlecht alleine seinem Schicksal überlassen konnte.

Sie akzeptierte also die Anwesenheit des kleinen Bruders zähneknirschend: “Aber er darf keinen Kuchen essen!” Da war ich ganz C.s Meinung. Natürlich fütterte die Oma dem Kleinen dann trotzdem Kuchen (nach Einverständnis des Papas, möchte man betonen. Mama wäre da anderer Meinung gewesen.). Und somit hatte er schon vor jährig seinen ersten Kontakt mit Zucker.

Den Bruder zurückbringen?

Eigentlich hätte C. sowieso lieber eine kleine Schwester. Ich denke, das hat damit zu tun, dass zwei ihrer besten Freundinnen einen Schwester bekommen haben, respektive bekommen werden. Vor nicht allzu langer Zeit fragte sie: “Mama, können wir den Babybruder zurück ins Spital bringen? Ich hätte lieber eine Schwester.”

Das mit dem Zurückbringen redete ich ihr zwar schnell aus. Das mit der Schwester hingegen blieb. Mindestens ein Mal pro Tag fragt sie mich nach einer Schwester. Weder meine Argumentation, dass sie ihre Spielsachen mit einer weiteren Person teilen müsse, noch, dass es eine Garantie gäbe, dass sie auch wirklich eine Schwester bekäme, leuchteten ihr bisher ein.

Und das Schlimmste? Der Papa stimmte auch in den Chor ein…. Er hat die Familienplanung – im Gegensatz zu mir – wohl noch nicht komplett abgeschlossen.

Deborah Lacourrege

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