Unsere Familienferien im Agriturismo in Ligurien

Sind bei euch auch schon Herbstferien? Wir gehen nächste Woche schon wieder nach Italien. Grund genug, euch von unseren Sommerferien im Agriturismo La Giara in Ligurien zu erzählen. Eigentlich war Italien nie auf unserer Favoritenliste, was die Reiseziele betrifft. Grund dafür ist wohl der Papa, der französische Wurzeln hat. Wenn schon Mittelmeer, dann bitte im richtigen Land, meinte er lange Zeit.

Doch dann wurden wir an eine Hochzeit im Piemont eingeladen. Wir dachten uns, wenn wir schon mit zwei kleinen Kindern anreise und extra ein Auto mieten, dann bleiben wir gleich noch ein bisschen länger im Land. Allerdings wollten wir nicht im Piemont bleiben, sondern Richtung Meer. Da bot sich Ligurien an. Nach meiner bitteren Enttäuschung im Hotelbunker von Lanzarote, wollte ich dieses Mal etwas Gegenteiliges ausprobieren. Klein sollte es sein. Familiär. Und nach Möglichkeit nicht allzu teuer. Ferien zu Viert gehen nämlich wahnsinnig schnell ins Geld.

Also machte ich mich auf die Suche nach dem perfekten Agriturismo für unsere Verhältnisse: einen Pool sollte es haben, viele Tiere und Halbpension anbieten. Denn kochen und abwaschen, nein, das wollte ich in meinen Ferien wirklich nicht. Und so kamen wir über die Agriturismo-App zu Rita und ihrem Familienbetrieb La Giara. Das charmante Häuschen mit ganz viel Land liegt in den Hügeln gleich hinter Cinque Terre und kostete für 4 Personen (2 Erwachsene, 1 Kind, 1 Baby) mit Halbpension um die 130 Euro pro Nacht.

Die Anreise…

… mit dem Auto war eine Katastrophe. Nicht, wegen der diversen unerwarteten Staus. Damit hatten wir irgendwie gerechnet, wenn wir in den Sommerferien nach Italien fahren. Und die italienischen Strassen waren besser als erwartet. Nein, der Babybruder machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Wir setzten ihn in den Maxicosi und er begann zu schreien. Anfangs dachte ich mir noch: “Ok, er ist müde. Wenn wir ihm einen Nuggi geben, wird er gleich einschlafen.” Er schlief etwa zehn Minuten. Dann begann er wieder zu schreien. Bis ich bei der Tellplatte entnervt aufgab und den Papa ans Steuer liess (wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir unsere Ferien abgebrochen…). Der Babybruder weinte und weinte und weinte. Wir gaben alles: sangen, bastelte alle nur erdenklichen Spielzeuge, reichten regelmässig Snacks nach hinten. So bekamen wir manchmal einen 5-minütige Schreipause. Nach sieben Stunden kamen wir endlich, nervlich total am Ende, im Piemont an.

Wir sind seit unseren Ferien übrigens nicht mehr Auto gefahren. Denn alle, aber wirklich alle, Autofahrten auf unserer Reise sollten nach dem gleichen Schema ablaufen.

Agriturismo La Giara in Beverino

Umso froher waren wir, als wir im La Giara ankamen. Zwei süsse Landhäuser, beide liebevoll renoviert. Ein grosser Pool mit ganz vielen Schattenspendern. Ganz viele Tiere, ein Indoor-Spielraum und mit Rita eine Gastgeberin, die kinderfreundlicher nicht sein konnte. Für uns stand sofort fest: Wir fühlten uns hier wohl. Grosse Ausflüge waren gar nicht nötig.

Rita gab uns das Zimmer gleich neben dem Pool. Beim Papa führte das kurzfristig zu Schweissausbrüchen. Dabei wäre es gar nicht nötig gewesen, der Pool war eingezäunt. Unser Zimmer war klein, aber gemütlich und liebevoll im Landhausstil eingerichtet. Die Verteilung auf den Betten war wie folgt: Papa mit C. im Doppelbett. Ich im Einzelbett, der Babybruder daneben im Babybett von Nuna… Immerhin: so haben wir alles relativ gut geschlafen. Zumindest nicht schlechter als zu Hause.

Und so verbrachten wir unsere Tage im Agriturismo: badeten stundenlang im Pool. Gingen das Pony streicheln und assen Tomaten direkt vom Strauch. Hüpften auf dem Trampolin, rutschten und schaukelten, was das Zeug hielt. Fütterten Bernie, den Hasen, der sich gerade noch von einem Autounfall erholte. Und beobachteten Trini und Cino, die beiden Laufenten, die in Nachts in einem Babybett im Haus schliefen, um vor dem Fuchs in Sicherheit zu sein.

Wir durften einfach sein, einfach geniessen. Und so konnten sich sogar die Eltern ein wenig entspannen.

Habe ich schon vom Essen erzählt? Ab 10 Uhr morgens, gleich nach dem Frühstück, stand die Nonna in der Küche und bereitete das Abendessen zu. Sugo aus selbstangebautem Gemüse und Fleisch aus der Region köchelte stundenlang auf dem Herd. Die Nonna rollte liebevoll Pasta in allen möglichen Formen, während sie sich Soap Operas auf irgendeinem Rai-Sender anschaute. Und so entstanden jeden Abend 3 sensationelle Gänge für die Eltern. Und für die Bambini das, was sie am liebsten mochten. Für C. also Pasta und Fior di Latte Gelato. Jeden Abend. Klein C. wähnte sich im Paradies.

Die Ausflugsmöglichkeiten

Ausflüge machten wir dann übrigens trotzdem Zwei: Auf Cinqueterre in den Sommerferien verzichteten wir bewusst (mit dem Kinderwagen wegen den Treppen sowieso nicht sehr empfehlenswert). Dafür fuhren wir einmal nach Portovenere, einem äusserst charmanten Küstenstädtchen.

Klar, auch das war voll und die Hoffnung, einen Parkplatz im Zentrum zu finden erwies sich schnell als Illusion. Zum Glück gibt es aber etwas ausserhalb einen grossen Parkplatz. Und was sind schon zwei Kilometer Fusswerg mit zwei kleinen Kindern? In Porto Venere entdeckte der Babybruder auch das Meer. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Auch unsere zweiter Ausflug führte uns ans Meer nach Lerici. Auch da das bekannte Parkplatzdrama. Wir gingen dann in ein Parkhaus, welches durchaus bezahlbar war. Und am Sandstrand gingen wir ins Lido. Da war der Babybruder zwischendurch mal so untröstlich, dass ich mit Klein C. baden gegangen war, dass sich eine italienische Mama mit 4 kleinen Mädchen sich ihm kurzfristig annahm. Der Papa schwört, sie hätte ihn gleich mit nach Hause genommen, wenn er nicht daneben gestanden wäre…

Que bello! Aaaaah… questa bimba! Auguri!

Womit wir bei der italienischen Kinderfreundlichkeit wären. Die ist eine Tatsache. Rita bot gleich an extra für den Babybruder zu kochen. Wir sollten ihr nur sagen, was er denn esse. Niemand störte sich, wenn Klein C. beim Nachtessen ihre Autonomieanfälle hatte und der Babybruder solidarisch mitheulte. Es war in Ordnung, wenn C. aus den Lounge-Kissen ein Schloss baute. Statt genervter bloss entzückte Blicke.

“Que bella familia!” Was für ein Glück! Wie toll ihr das macht. “E questi occhi azurri…” Ja, die stahlblauen Augen der Kinder haben noch jeden Italiener zum Schmelzen gebracht. Kurzum: egal ob im Agriturismo, auf der Autobahnraststätte, im Restaurant oder am Strand, wir fühlten uns mit unseren zwei kleinen Kindern rundum wohl und am richtigen Ort. Italien, wir kommen wieder!

Deborah Lacourrege

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