Mamas, wann respektieren wir uns endlich gegenseitig?

Gegen Ende der Sommerferien posteten wir auf Social Media ein Foto, auf dem der Babybruder dabei zu sehen war, wie er Fertigbrei gegessen hat. Ihr habt richtig gehört. Ja, Fertigbrei, sogar aus einem Quetschie. Was darauf an Kommentaren auf uns niederprasselte, hat den Namen Shitstorm verdient. Ich sei faul, weil ich mir nicht die Zeit nehme immer selber zu kochen. Dumm natürlich auch, sonst hätte ich gewusst, dass alle Babys von Anfang an perfekt vom Tisch mitessen können. Und überhaupt, habe ich mal an all den Plastikmüll gedacht, den ich da verursache?

Das war übrigens das Bild des Anstosses:

Dass der Babybruder nur ab und zu ein Quetschie bekommt, ich ausserhalb von meinen Ferien mit viel Leidenschaft frisch für alle Familienmitglieder koche und der Babybruder Fingerfood anfangs so gar nicht prickelnd fand, danach fragte niemand. Zumindest keine Mutter. Denn natürlich waren es allesamt Mütter, die diese Kommentare von sich gaben. Ich bekam natürlich auch viele Solidaritätsbekundungen. Am Schluss gingen die Mütter im Post gegenseitig auf sich los. Und einmal fragte ich mich: Weshalb sind Mütter gegenseitig eigentlich immer ihre stärksten Kritikerinnen.

Sicher, das Eltern-Dasein ist voller schwieriger Entscheidung. Da ist Brei oder BLW, selbstgekocht oder selbstgekauft einer der Harmlosesten. Tragen oder Kinderwagen? Familienbett oder eigenes Zimmer? Stillen oder Schoppen? Autoritär oder unerzogen? Explodierte Zuckerwatte oder geschlechtsneutral? Hausfrau oder Kita? Impfen oder doch lieber nicht? TV-Verbot oder Family-Movie-Night? Wald-, Montessori- oder öffentlicher Kindergarten? Frühe oder späte Einschulung? Die Entscheide nehmen kein Ende und recht machen kann man es sowieso nie allen.

Das Muttersein ist ein einziger Rechtfertigungsmarathon

Ununterbrochen müssen wir Mütter uns rechtfertigen: Im Tram weil unsere Kind mal wieder schreit und vermeintlich unerzogen ist. Beim Arbeitgeber, weil unser Kind zum fünften Mal in zwei Monaten krank ist und nicht in die Kita kann. Gegenüber Familienmitgliedern, weil die 3-Jährige immer noch nicht im eigenen Bett schläft.

Das ist ermüdend. Wäre es nicht schön, wenn wir irgendwo ausserhalb unserer eigenen vier Wände noch einen Safe Place hätten? Einen Ort an wir einfach sein können ohne ständig Kritik zu fürchten? Einen Ort, an dem wir tun und lassen können, ohne gleich abschätzige Blick zu riskieren?

Früher dachte ich mal, dass ich diesen Ort im Rückbildungsturnen, in der Krabbelgruppe, in der Babymassage gefunden hätte. Falsch gedacht. Im Rückbildungsturnen wurde mein Schwabbelbauch ganz genau unter die Lupe genommen und ich bekam mitleidige Blicke, weil ich nicht spontan, sondern per geplanten Kaiserschnitt geboren hatte. Und in der Krabbelgruppe eckte ich an, weil Baby nicht auf dem Boden liegen wollte. “Du hast es ihm halt angewöhnt, dass er immer getragen werden will.” Und in der Babymassage, ja da benutzt ich natürlich das falsche Öl.

Manchmal täte ein Kompliment so gut

Inzwischen besuche ich diese Orte nicht mehr. Ich treffe mich mich Müttern, die ich mag. Bei denen ich weiss, dass sie mich verstehen, auch wenn wir nicht immer die gleichen Ansichten haben. Mit denen ich lachen und meine Sorgen teilen kann. Aber wäre es nicht schön, wenn wir Mütter uns gegenseitig mehr unterstützen würden? Uns per se einfach mal ein Kompliment dafür aussprächen, dass wir unsere verdammt harten Job gut machen? Uns per se ein unterstützendes Lächeln statt einen kritischen Blick schenken würden? Think about it.

Deborah Lacourrege

3 Comments

  1. Antworten

    Me

    15. Oktober 2018

    Ein Artikel der mir so wahnsinnig aus der Seele spricht! Ich hasse das gernseitige beäugen/bewerten auf Spielplätzen und an anderen Orten wo Mütter sind! Ich kanns nicht ab, echt jetzt. Jede Mama/Papa liebt sein Kind aus vollstem Herzen und will nur das Beste für das Kind. Akzeptieren wir also endlich das es auch noch andere Formen gibt als die eigene und unterstützen/entspannen wir uns endlich im Umgang miteinander!!

  2. Antworten

    Stefanie

    15. Oktober 2018

    Sehr schön geschrieben und leider kennen das wohl alle Mütter 🙁 Man weiss zwar, dass man alles richtig macht, aber irgendwie tut es halt doch weh oder braucht Energie, die man für viele andere Dinge (zB.zum Brei kochen 😉 ) einsetzen könnte.

  3. Antworten

    Nicole Woorth

    15. Oktober 2018

    Danke-so aus dem Herzen gesprochen! Finde es sehr schade…und gebe mein Bestes es in meinem Kosmos anders zu machen.

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