Gebt meinen Kindern Glitzer und Plastik – weshalb achtsame Weihnacht nervt

Ich gebe zu, der Titel provoziert. Soll er auch. Eins vorweg, damit ich nicht bei einem Grossteil in Ungnade falle: Ich bin die Frau, über die ihr Ehemann schimpft, dass sie immer alternativer werde. Die, die mit Stoffwindeln wickelt und ihre Feuchttücher selbst macht. Die, die auch ein Auto verzichtet und im Zero Waste Laden einkauft. Und die, die eine Sauerteigkultur im Kühlschrank hat. Und ja, auch ich ärgere mich über die Konsumwut, die Weihnachten bei gewissen Menschen provoziert.

Mindestens gleich fest ärgere ich mich aber über all diese „achtsame Weihnacht“-, „Slow Christmas“- und „sinnvolle Weihnachtsgeschenke“-Beiträge, die inzwischen jede Bloggerin, Instabloggerin oder selbsternannte Influencerin schreibt. Ja, es sind ausschliesslich Frauen, die sich damit befassen. Mit Sexismus hat das nichts zu tun.

Einmal pro Jahr auf Konsum zu verzichten reicht nicht

Als ich zum ersten Mal darüber las, dachte ich mir: „Oh, schön, da hat jemand meine Gedanken aufgeschrieben“ und habe es gerne gelesen. Und wenn Mamas, die ich als umweltbewusst oder allgemein konsumkritisch empfinde, darüber schreiben, finde ich das absolut in Ordnung. Was mich nervt ist, dass die achtsame Weihnacht ein Trend geworden ist.

Zum Einen, weil ich Achtsamkeit sowieso als Unwort empfinde, kritisches Denken ist mir da viel lieber. Zum Anderen, weil es nicht reicht, einmal pro Jahr die anderen, die mit viel Leidenschaft und Freude ihren Kindern Plastikspielzeug schenken, anzuprangern. Und sonst natürlich selber ganz viel Werbung für alle möglichen Konsumgüter zu machen und jeweils Fotos von perfekten Kinderzimmer zu zeigen, die nur nach etwas Schreien: Bitte kauft all die Produkte auf den Fotos!

Das Verurteilen hört auch bei Weihnachten nicht auf

Zudem gehöre ich zu den Mamas, die gerne ihr eigenes Ding durchziehen. Sich ihre eigene Meinung bilden und auf ihre Bauchgefühl hören. Wenn nun die ganze Insta-Community das Gefühl hat, mir zu sagen, das Plastikspielzeug meiner Kinder sei des Teufels, dann finde ich das wahnsinnig besserwisserisch. Um auf den Titel zurückzukommen: Ja, meine Kinder haben auch einige Spielsachen aus Plastik. Dazu kommen noch viel mehr aus Holz und Plüsch. Ich finde ja, die Mischung macht es aus.

Lasst unseren Kindern ein bisschen Zauber

Zudem hat die Weihnachtszeit doch einen ganz besonderen Zauber, der ein bisschen verloren geht vor lauter Achtsamkeit. Der viele Glitzer, die (oft sehr schlechten) omnipräsenten Weihnachtslieder, die vielen Lichter. Die Vorfreude auf Christkind oder Weihnachtsmann – wer auch immer kulturell bedingt die Geschenke bringt.

Sogar ich, die ich kinderlos so gar nicht mehr in Weihnachtsstimmung kam, geniesse die Adventszeit wieder sehr. Freue mich über die staunenden Kinderaugen, backe mit Klein C. (und dem Babybruder auf dem Rücken) Grittibänze, Lebkuchen und Guetzli, amüsiere mich köstlich über die Telefongespräche, die C. mit dem Christkind führt, um ihre Geschenkbestellungen durchzugeben. Nein, ich will diese Magie nicht durch Achtsamkeit oder Slowness in irgendeiner Form zerstören. Die Realität holt unsere Kinder noch schnell genug ein.

Deborah

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