Sind wir eine Generation von Helikopter-Müttern?

„Eigentlich ist es wahnsinnig, wieviele Regeln wir aufstellen und wie oft wir Vorsicht sagen“, sagte mir vor Kurzem eine Freundin, nachdem wir uns mit anderen Mamas im öffentlichen Raum getroffen hatten. Meine erste Reaktion? „Ich will nur nicht, dass meine Kinder wieder im Krankenhaus landen. Da waren wir dieses Jahr echt schon genug!“ Doch die Aussage gab mir weiterhin zu denken. Sind wir eben doch die Helikoptereltern Generation?

Und so dachte ich lange, wirklich lange, nach. Überlegte mir, wie es früher gewesen war und ob es nicht reichen würde, die Kinder untereinander machen zu lassen. Ich kam zum Schluss, dass „Regeln“ und „Vorsicht“ zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind.

Eigenverantwortung oder Schutz vor sich selbst?

Klein C., die bald 4 Jahre alt wird, hat bereits ein gutes Bewusstsein für Gefahren. Klar, auch sie macht manchmal Quatsch und verletzt sich dabei. Ihr vertraue ich aber, dass sie ihre körperlichen Fähigkeiten inzwischen gut einschätzen kann. Und wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind, setzt sie meistens ihren Kopf durch. Dabei lernt immer einer der beiden Betroffenen.

Ohne Schuhe in die Gummistiefel? – Das Kind bekommt Blattern. Punkt für Mama, auch wenn sie ihr Mädchen nicht gerne leiden sieht. C. beschliesst ohne Hilfe einen hohen Treppenabsatz runter zu hüpfen (und Mama muss dabei wegschauen)? – Sie landet sicher auf dem Boden, ihr Selbstbewusstsein ist gestärkt. Punkt für C. und Mama ist stolz.

Beim Babybruder ist das etwas ganz anderes. Er ist ein Lemming, respektive er befindet sich im Kamikaze-Alter. Das heisst er stürzt sich überall herunter, wo er nur kann. Und zwar ganz bewusst: „Eis, drü!“ und hüpft. Egal, ob jemand da ist, der ihn auffangen kann. Er ist der Meinung, dass er schon alles kann, was C. kann: Auf hohe Türme klettern, rückwärts von der Rutsche runter, in rasantem Tempo Trotti fahren, über das Sofa klettern und sich auf der anderen Seite auf den Kopf plumpsen lassen…. Manchmal erstaunt es uns selber, dass er bisher noch nicht wegen Gehirnerschütterung im Krankenhaus war.

Und ja, in diesem Alter ist ein „Vorsicht“ angebracht – auch wenn es oft sehr bewusst ignoriert wird. Wenn ich dafür das Prädikat Helikoptermama bekomme, dann ist das in Ordnung für mich.

Unsere vier Familienregeln

Zum Anderen gibt es Regeln. Wobei mir von der älteren Generation öfter mal vorgeworfen wird, ich würde deren zu wenige aufstellen oder sie zumindest zu wenig konsequent durchsetzen. Ja, das stimmt vielleicht bis zu einem gewissen Punkt. Regeln nur des Prinzips wegen gibt es bei mir nicht. Ich entscheide lieber situativ statt prinzipiengetreu.

Wo mir Regeln hingegen wichtig sind, ist im Umgang mit anderen Kindern. Dazu gehören:

„Ein Nein bedeutet auch ein Nein (und wenn die Kleinen schreien, ist das definitiv ebenfalls ein Nein.“

„Gewalt gegenüber anderen Menschen oder Tieren, egal ob schlagen, schubsen oder Haare reissen ist ein No Go.“

„Wir respektieren das Eigentum anderer Menschen. Wenn jemand nicht teilen mag, ist das absolut in Ordnung.“

„Wir ärgern den anderen nicht. Ätschibätsch, ich habe gewonnen und du verloren, lalalalala, sind kontraproduktiv im Spiel mit Anderen.“

Eigentlich sind es nur vier Regeln. Sie sollen meinen Kindern beibringen, sich rücksichtsvoll und sozial zu verhalten.. Und trotzdem merke ich, dass ich an gewissen Tagen diese Regeln durchsetze. Dann frage ich mich, ob ich die Kinder diese Dinge nicht lieber untereinander regeln lassen sollte? Erzählt mal, wie handhabt ihr das?

Deborah

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