Wie Mama „Schreitage“ überlebt

Es gibt Tage, an denen ich mich ganz weit weg wünschte. Irgendwo ans Ende der Welt, wo es keine Kinder gibt. Es gibt Tage, an denen ich dem Papa, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, die Kinder übergebe mit den Worten „Ich ziehe mich zurück“ und tatsächlich in einen abschliessbaren Raum gehe (oft ist es das Bad) um dort eine Viertelstunde in Ruhe durchatmen zu können.

Gründe, weshalb meine Kinder schreien

Ich nennen diese Tage „Schreitage“. Sie waren schon mit einem Kind intensiv. Mit zwei Kindern – eines davon erfüllt die Highneed-Kriterien – rauben sie mir den allerletzten Nerv. Mit Betonung auf den Allerletzten. Charakterisiert sind diese Tage durch das ständige Schreien mindestens eines Kindes. Und zwar schon direkt nach dem Aufstehen.

C. schreit weil es regnet und sie nicht ins Schwimmbad kann. Oder sie schreit, weil das heissgeliebte Katzenkleid (auf dem sich schon eine beachtliche Schmutzschicht gebildet hat) in der Wäsche ist. Sie schreit, weil der Babybruder ebenfalls ins Kinderzimmer möchte und knallt ihm die Tür vor der Nase zu. Was beim Babybruder – der beim Thema Schreien sehr ausdauernd ist –  Anlass zu einem einstündigen Tobsuchtsanfall ist. Die Folge: Es ist 10 Uhr morgens und Ich bin schon ganz entnervt, weil meine Kinder bereits drei Stunden am Stück geschrien haben. Und ich unter diesen Umständen erst maximal einen Kaffee trinken konnte, selbstverständlich kalt.

Sicher, meist gibt es einen Grund für das viele Schreien. Sie haben schlecht oder zu wenig geschlafen. Sind etwas erkältet und fühlen sich deshalb nicht wohl in ihrer Haut. Die Zähne drücken. Sie sind gerade in einem Entwicklungssprung und einem Wachstumsschub gleichzeitig. Oder sie sind einfach nur traurig, weil sie noch nicht in den Kindergarten dürfen. Ja, ich bemühe mich darum verständnisvoll zu sein. Aber manchmal bin ich auch nur ein Mensch, der sich mal einige Minuten Ruhe und Frieden wünscht.

Was hilft bei Schreitagen?

Oft hilft es dann, die Kinder aus dem gewohnten Umfeld herauszunehmen. Aus dem Haus zu nehmen, sie entweder zu Freunden zu schicken oder sie einen Ort bestaunen zu lassen, den sie noch nie gesehen haben. Manchmal hilft auch schon eine Umarmung. Ein Gespräch in Ruhe, in dem ich dem Kind das Gefühl gebe, dass ich es verstehe, dass ich für es da bin. Nur das kann unter Umständen sehr schwierig umzusetzen sein, wenn das andere Kind nach wie vor schreit und sich eifersüchtig versucht, dazwischen zu quetschen.

Und dann gibt es Tage, an denen einfach nichts hilft. An diesen Tagen kommen wir in einen Teufelskreis. Irgendwann hat Mama keine Nerven mehr und zeigt sich nicht mehr so verständnisvoll, wie sie eigentlich sollte. Ganz schlimm ist, wenn sich die Schreitage im öffentlichen nicht kinderfreundlichen Raum fortsetzen. Wie etwa vor kurzem in einem überfüllten Zug. C. war sehr fordernd und der Babybruder schrie – obwohl ich ihn im Tuch hatte und versucht mit Essen zu bestechen – während einer Stunde ununterbrochen. Die bösen Blicke. Die Kommentare, dass man die Kinder nicht im Griff habe.

Nach diesem Tag war ich nervlich derart am Ende, dass ich einfach nur noch ins Bett wollte. Und dies auch tat. Am nächsten Morgen wurde ich mit Küssen und Umarmungen geweckt. „Mama, ich hab dich mega lieb!“ Und da war der ganze Schrecken des Vortages vergessen und ich wusste wieder, dass ich die besten und süssesten Kinder der ganzen Welt habe.

Deborah

LEAVE A COMMENT

RELATED POSTS