Eine Kurzauszeit am Klöntalersee

Es ist mal wieder Zeit für einen Beitrag aus Papa-Sicht.

Stress bei der Arbeit, die Kinder springen von Mittelohrentzündung zu Mittelohrentzündung, die Steuererklärung sollte auch noch erledigt werden und das «neue» Nachttischchen steht seit zwei Jahren originalverpackt in der Zimmerecke und wartet darauf endlich zusammengebaut zu werden… Ihr kennt es: als Eltern hat man es nicht leicht, Familie, Job und Partnerschaft unter einen Hut zu bringen. Die Zeit zwischen 30 und 40 wird oft auch die „Rushhour des Lebens“ genannt.

Wie oft habe ich mir schon vorgenommen mir etwas Zeit für mich zu nehmen. Die sozialen Medien werden ja im Moment geflutet vom Thema «Selbstliebe». Doch seien wir realistisch. Es kommt immer etwas dazwischen. Doch dann, vor gut zwei Wochen verreiste der Rest der Familie ins wunderbare Feuerstein Familienresort im Südtirol. Der Papa hatte plötzlich Zeit für sich. Perfekt also, um zu arbeiten, die Steuererklärung zu machen und das Nachttischchen zusammenzubauen.

Mit der S-Bahn ins Glarnerland

Oder auch nicht. Die Wetterprognose war günstig, und ich entschied mich ganz spontan den nächsten Tag frei zunehmen und ganz alleine in die Berge zu gehen. Nach etwas online Recherche entschied ich mich für einen Ausflug ins Glarnerland, konkret an den Klöntalersee. Mit der s-Bahn nonstop in genau einer Stunde nach Glarus, und von dort nochmals 3o Minuten mit dem Postauto bergwärts, und schon lässt man den Alltag weit weit hinter sich.

Kurz nach dem Start musste ich mich dann entscheiden, ob ich, wie geplant, einmal um den See und dann zurück Richtung Glarus wandern wollte, oder ganz spontan ein etwas grösseres Abenteuer in Angriff nehmen möchte. Die ViaSuworow führt in 6 Stunden über den Pragelpass nach Muotathal. Doch da es schon fast 10 Uhr war blieb ich vernünftig und entschied mich auch für die ViaSuworow, jedoch in Richtung Glarus. Der Wanderweg folgt übrigens den Spuren des russischen Generals Suworow, der im Herbst 1799 in der Schweiz gegen die Franzosen kämpfte und dabei die Alpen überquerte.

Alleine in der Natur

Also mache ich mich auf den Weg. Auf der ganzen Wanderung bin ich weniger als 20 Personen begegnet. Ob es wohl auch daran lag, dass die Seite des Sees, auf der der Wanderweg ist, bis nach dem Mittag im Schatten liegt? Im Hochsommer bietet die Route sicher eine schöne Abkühlung. Aber auch so war es ok und die schöne Aussicht auf den See entschädigte für alles.

Nach ein paar Minuten wurde mir bewusst, dass ich noch nie ganz alleine auf eine Wanderung ging. Freunde, Familie, die Partnerin, immer war mindestens noch jemand dabei. Nun hatte ich Zeit im ganz eigenen Rhythmus mit den ganz eigenen Gedanken im Kopf die Gegend zu entdecken. Es lohnt sich. Dachte ich zuerst noch wild durcheinander an Termine, Deadlines, Projekte, Sorgen und Alltägliches, kehrte langsam aber sicher auch Ruhe im Kopf ein.

Nach etwas mehr als zwei Stunden war ich am anderen Ende des Klöntalersees bei der Staumauer angekommen. Wer es gemütlich mag, kann hier das Postauto zurück nach Glarus nehmen, ich entschied mich für den Abstieg zu Fuss entlang des Flusses. Zwei Stunden bergab wandern ist nicht immer ganz angenehm, die Route war aber wunderschön abwechslungsreich.

Durch Schluchten, lichte Wälder, über Felder und am Schluss sogar noch ganz urban durch die Glarner Suburbia zurück an den Bahnhof.

Am späten Nachmittag war ich schon wieder zurück in Zürich. Müde, aber dennoch total entspannt und mit geordneten Gedanken.

Also nehmt euch Zeit für eine Auszeit. Lasst Steuererklärungen Steuererklärungen sein. Lasst den Wäscheberg einfach mal liegen. Bestellt euch was vom Takeaway anstatt aufwändig zu kochen. Schiebt die Deadline bei der Arbeit doch einfach nochmals 24 Stunde nach hinten. Auch wenn #selbstliebe abgedroschen klingen mag, manchmal darf man sich ruhig mal selbst am nächsten sein. Der Alltag hat euch schneller wieder als euch lieb ist…

Falls ihr euch nun fragt, ob diese Wanderung auch für Kinder machbar ist? Jein. Sobald sie etwas grösser und trittsicher sind, kein Problem. Es hat zwei, drei exponierte Stellen, die sollten aber kein Problem sein. Mit dem Kinderwagen geht es aber nicht…

Jerome

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