„Wie bitte, du trägst dein Kind noch?“

Die meisten Menschen denken, dass nur Babys getragen werden wollen, wenn überhaupt. Sie denken, dass das Kind irgendwann – spätestens wenn es läuft – nicht mehr getragen werden will. Oder dass es ganz einfach zu schwer wird für den Rücken der Mama. Tatsache ist, es gibt viele Kinder, die das Laufen so toll finden, dass sie es im Tragetuch oder in der Tragehilfe nicht mehr toll finden. Tatsache ist aber auch, dass der Mensch von Natur aus bis ungefähr zum Alter von 3 Jahren ein Tragling ist, denn früher mussten die Menschen im Alltag weite Strecken zurücklegen. Und auch die tägliche Feldarbeit liess, respektive lässt, sich mit Kind auf dem Rücken viel leichter erledigen.

Von der 3-Jahres-Grenze hat Klein C. noch nichts gehört. Respektive sie hält sehr wenig davon. Ich bin mir sicher, dass ich dies ihr gegenüber auch schon erwähnt habe. C. ist inzwischen 4 Jahre alt, 108 Zentimeter gross und 17 Kilogramm schwer. Dies hält sie nicht davon ab, immer wieder unglaublich charmant zu fragen: „Mama, darf ich ins Tuch?“ Und natürlich darf sie das. Nicht immer, allerdings. Ich muss mich körperlich schon fit genug dafür fühlen.

Selbst mein trainierter Rücken steckt 17 Kilogramm nicht einfach so weg. Maximal eine Stunde mag ich sie noch tragen. Dieses Rückentraining lohnt sich auch für meine Seele. Denn ist C. auf meinem Rücken, wird ununterbrochen mein Haar gestreichelt, ich bekomme Küsse auf den Hals und mir wird ins Ohr geflüstert: „Mama, ich ha dich sooo fescht gern!“ Wie könnte ich so viel Liebe nur verweigern?

Rivalität unter Geschwistern

Oft bleibt es nicht bei den 17 Kilogramm. Der Babybruder lebt zwar nicht mehr de facto auf mir und ist ab und zu ganz gerne im Kinderwagen – er ist aber nach wie vor Tragling durch und durch. Der Rücken ist ganz klar sein Platz. Wenn seine grosse Schwester nun diesen einnimmt, streckt er mir sofort seine Ärmchen entgegen, macht seine grossen blauen Augen noch grösser und ruft: „Tätte!“ Wenn ich ihm dann erkläre, dass ich ihn jetzt nicht auch noch tragen möge, schluchzt er herzzerreissend… und ich hebe ihn trotzdem hoch, während ich mit C. verhandle, dass sie wieder runter geht.

Manchmal lässt sich eines der Kinder „fremdtragen“. Sprich, jemand anderes als Mama darf ran. Trotzdem habe ich inzwischen das Tandemtragen gelernt – also gleichzeitig ein Kind vorne und ein Kind auf den Rücken zu binden. Ich gebe es zu – mit zusätzlichen 28 Kilogramm habe ich das Gefühl im Erdboden zu versinken. Gleichzeitig geniesse ich das Parallelkuscheln mit meinen Kindern.

Nein, für unsere Tragezeit ist aktuell kein Ende in Sicht. Ich werde meine Kinder tragen, solange sie es möchten und es mein Rücken mitmacht. Denn nach wie vor staune ich immer  wieder darüber, wie viel Liebe, Verbundenheit und Trost ein Tragetuch spenden kann.

 

 

Deborah

LEAVE A COMMENT

RELATED POSTS