Weshalb meine Kinder essen dürfen, wann sie wollen

Ein Facebook-Post hatte vor kurzem wieder mal für einen – nein, dieses Mal möchte ich es nicht nett ausdrücken – Shitstorm gesorgt. Ich werde nie verstehen, weshalb Mütter statt sich gegenseitig zu kritisieren einfach unterstützen können. Trotzdem möchte ich euch erzählen, weshalb ich meine Kinder essen lasse, wann sie wollen. Denn die Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend essen zu lassen, ist für mich ein Herzensthema – sicherlich weil ich als Teenager an Bulimie litt. Und wie viele sicher wissen, wird man eine Essstörung nie komplett los.

Das Hungergefühl nicht aberziehen

Wenn unsere Kinder auf die Welt kommen, haben sie ein ausgeprägtes Hungergefühl. Deshalb hat sich Stillen nach Bedarf statt Stillen nach der Uhr auch weitgehend durchgesetzt – zum Glück. Wenn wir jedoch auf den Familientisch wechseln, fallen viele Eltern in ein kulturell bedingtes Schema zurück: 3 Hauptmahlzeiten und 2 Zwischenmahlzeiten täglich. So leeren sich Spielplätze und Kreativ-Räume regelmässig gegen 11 Uhr – schliesslich muss Punkt 12 Uhr das Mittagessen auf dem Tisch stehen. Das funktioniert für uns nicht.

Klein C. zum Beispiel kommt nach der Mama – sie mag morgen oft nichts essen. Frühestens gegen 10 Uhr wird sie langsam hungrig. Der Babybruder, der gefühlt nach dem Aufstehen bereits verhungert ist, bekommt dann entsprechend sein zweites Frühstück. Er mag es, denn er gehört zu den Kindern, die am Morgen den Hauptanteil seiner täglichen Kalorien zu sich nehmen. Selbstverständlich sind meine Kinder dann um 12 Uhr noch nicht hungrig. Der Babybruder macht meist seinen Mittagsschlaf vor der zweiten traditionellen Hauptmahlzeit. Auch wenn diese bei uns oft etwas kleiner daher kommt als bei anderen Familien.

Im Laufe des Nachmittages essen meine Kinder weiterhin wann sie wollen. Der Babybruder fordert Nahrung sehr klar ein. Bei C., die jeweils sehr in ihr Spiel vertieft ist, biete ich regelmässig Essen an. Oder stelle ihr einen Teller mit Rohkost, frischen Früchten und Nüssen ins Zimmer. Und ja, unsere Kinder haben eine Snackschublade, wo eben die haltbaren Dinge zu finden sind: Quetschies, Bananenpopcorn (ohne Salz), Müesliriegel, Reiswaffeln, Maispops, etc.

Sicher, sie essen dann manchmal weniger zum Abendessen. Aber das ist in Ordnung für mich. Wichtiger als mein Stolz, dass mein Essen komplett aufgegessen wird, ist mir, dass meine Kinder ihr natürliches Hungergefühl behalten. Dass sie die Dinge essen, die ihr Körper gerade verlangt. Dazu gehören auch Tage, an denen nur Kohlehydrate oder Proteine gegessen werden. Ich weiss, dass darauf Frucht- und Obsttage folgen werden. Und nein, unsere Kinder müssen den Teller nie leer essen. Gleichzeitig werden sie nie hören, dass sie keine zweite oder dritte Portion bekommen.

Wir haben ein einzige Regel: Wer Gemüse in egal welcher Form verweigert (ich biete jeweils rohes und gekoches Gemüse an), bekommt auch kein Schöggeli.

Jedes Konzept hat seine Grenzen

Bevor sich die Zweifler melden: Natürlich gibt es Situationen, in denen das Konzept der bedürfnisorientierten Ernährung an seine Grenzen kommt. Als der Babybruder über längere Zeit sämtliche Nahrung verweigerte, sind wir mit ihm zur Kinderärztin gegangen. Er litt an Eisenmangel, wie sich herausstellte.

Zudem testet C. – ihrem Alter  entsprechend – zudem gerne Grenzen. Und zwar hauptsächlich beim Abendessen. Deshalb mussten wir hier einige Familienregeln aufstellen: Wir sitzen alle gemeinsam am Esstisch, auch wenn gerade nicht alle hungrig sind. Wir tauschen uns in dieser Zeit über unseren Tag aus. Isst C. nichts, bleibt ihr Teller auf dem Tisch. Sie darf diesen auch zu einem späteren Zeitpunkt essen. Alternativen bieten wir nur, wenn wir etwas kochen, dass C. wirklich nicht mag (die Tatsache, dass das Abendessen nicht aus Momos, Pekingente oder Pasta mit Käse besteht, zählt nicht). Probieren gehört bei uns dazu – schliesslich trainiert dies die Geschmacksnerven des Kindes.

Deborah

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