„Nein – Ja – Nein!“ – oder wie mich die Autonomiephase in den Wahnsinn treibt

Ich bin mir relativ sicher, dass ich bei C. bereits einen ähnlichen Artikel geschrieben habe. Eigentlich bin ich mir sogar ganz sicher, denn ich wäre ja eine schlechte Journalistin, wenn ich nicht kurz in meinem Archiv recherchiert und diesen Text gefunden hätte. Nur, dass man als Eltern ja ganz viele Dinge wieder verdrängt. Und die Autonomiephase meiner Grossen scheint dazu zu gehören. Überlebensinstinkt, schätz ich mal.

Selbstverständlich begannen die „Terrible Twos“ des Babybruders bereits vor seinem zweiten Geburtstag, eigentlich sogar bereits kurz bevor er jährig wurde. Ganz kurz durften wir uns allerdings entspannen: Mit etwa 18 Monaten entdeckte der Babybruder das „Ja“ für sich und fand dieses Wort so toll, dass er das lebensbejahendste Kind auf Erden war.

„Nein“ sagen und „Ja“ meinen – bis zum Meltdown

Nur kurze Zeit darauf folgte – ihr ahnt es wahrscheinlich schon – das „Nein“. Seither ist es sein Lieblingswort. Was ich zwar irgendwie verstehen kann, denn „Nein“ ist ja ein wundervoll mächtiges Wort. Nur doof, wenn man dann „Nein“ sagt, wenn man „Ja“ meint.

Folgende Diskussion könnten wir einen ganzen Morgen lang führen: „Quark“ – „L. möchtest du einen Quark (sein Wort für Joghurt mit Haferflocken) essen?“ – „Nein“ – „Ok, dann halt nicht.“ – „Quaaaaark!“ L. möchtest du einen Quark essen?“ – „Nein“ – „Ok, dann halt nicht.“ – SEHR ENERGISCH: „QUAAAAAARK!“ – L. möchtest du einen Quark essen?“ – „Nein“ – „Ok, dann halt nicht.“ – Richtig wütend: „QUARKQUARKQUARKQUARKQUARK!“ – „Ok, L. ich bereite dir jetzt einen Quark zu. Ich stelle ihn dir auf den Tisch und wenn du magst, darfst du ihn essen. Sonst lässt du ihn einfach stehen.“ – „Neinneinneinneinnein“ – WIRFT SICH ZU BODEN UND SCHREIT 30 MINUTEN LANG. – „L., gell, dein Quark steht immer noch auf dem Tisch. Magst du ihn jetzt essen?“ – „Ja.“ – SETZT SICH AN DEN TISCH UND ISST SEIN JOGHURT IN ALLER SEELENRUHE.



Mal wieder hat das unreife Gehirn schuld

Das Wort Quark lässt sich durch jedes X-beliebige Nomen und Verb ersetzen. Täglich führen wir unzählige solcher Diskussionen und am Abend bin ich einfach nur noch erschöpft und entnervt. Auch C. versteht die Welt nicht mehr. Manchmal versucht sie noch für ihren kleinen Bruder zu übersetzen: „Aber Mama, er will doch einen Quark, jetzt gib ihn ihm doch!“ Und wenn der Babybruder dann schreiend am Boden liegt, deckt sie ihn gerne mit einem Berg Plüschtiere zu, um ihn zu trösten.

Ja, ich weiss, der Babybruder hat keine Schuld. Seine Gehirn hat noch zu viele Verknüpfungen, kann die relavanten Informationen noch nicht herausfiltern – es ist komplett überfordert. Nur, dass es die Mama irgendwann auch ist. Während sie bei C. noch den Löwen oder den Drachen herausholen konnte, um sie aus ihren Meltdowns zu erlösen, hilft beim Babybruder bisher nichts. Also wenn jemand eine Idee, respektive einen bedürfnisorientierten Weg damit umzugehen gefunden hat: Nur her damit!

Deborah

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