Wie unsere Kinder ein super Team wurden – Teil 2

Nein, dass sich Geschwister gut verstehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Von Natur aus sind sie Rivalen, müssen sich um die gleiche Futterquelle streiten. Wer also ein Kind hat, das sein kleines Geschwister von Anfang an mit Küssen bedeckte, kann sich glücklich schätzen. Bei uns war das so überhaupt nicht der Fall – wie ich im ersten Teil beschrieben habe. Und doch können meine Kinder inzwischen nicht mehr ohne einander, es verbindet sie diese innige, komplizenhafte Beziehung.

Wie C. in ihre Rolle als grosse Schwester wuchs

Der Wendepunkt – also von Rivalität zu Akzeptanz zu Freundschaft – kam, als der Babybruder 16 Monate alt war. Wir waren im Oman, der Kleine litt am Noro-Virus und er hatte drei Krampfanfälle innerhalb eines Tages. Wir wurden stationär für drei Tage aufgenommen. Diese Erfahrung war nicht nur für uns Eltern einschneidend. Nein, auch C. realisierte, als sie am Abend ohne den Babybruder im Hotelzimmer war, dass der kleine Bruder eben keine Selbstverständlichkeit ist und sogar eines Tages einfach weg sein könnte. Diese Wahrnehmung wurde verstärkt, als der Babybruder einen Monat später weitere Krampfanfälle hatte, er per Blaulicht ins Kinderspital gebracht wurde und eine Woche dort bleiben musste.

Als wir wieder zu Hause waren, meinte C.: „Ich will, dass L. nie mehr ins Krankenhaus muss! Dort wird er mit Nadeln gestochen und dann muss er weinen!“ Ab diesem Punkt fühlte sie sich für das Wohlergehen ihres kleinen Bruders verantwortlich. Zuerst brachte sie ihm ein Plüschtier, wenn er weinte. Dann war es vielleicht mal ein Kuss. Und inzwischen kann sie jeden noch so schlimmen Autonomieanfall stoppen, indem sie auf eine Art und Weise mit ihrem kleinen Bruder verhandelt, die wir Eltern nur bewundern können. So viel Geduld, Empathie und Kompromissfähigkeit würde ich jedem Erwachsenen wünschen!

Viel Verständnis und kein Druck

Haben wir als Eltern etwas zu dieser Entwicklung beigetragen? Fast nicht, um ehrlich zu sein. Wir haben immer C.s Gefühle respektiert. Sie Ernst genommen, wenn sie sich Sorgen gemacht hat, dass der Babybruder ihre Spielsachen nahm oder sie eine Pause brauchte. Haben ihr ihr Zimmer als Rückzugs- und Spielzeuglagerungsort überlassen. Ein Safe Place sozusagen. Denn bis der Babybruder die Türe selber öffnen konnte, vergingen noch viele viele Monate. Nach wie vor akzeptiert er die geschlossene Kinderzimmertüre. Denn er weiss, dass seine Schwester manchmal ihre Ruhe braucht. Gleichzeitig geschieht es aber immer öfter, dass der Babybruder ins Zimmer geholt und danach die Türe geschlossen wird… (was mir meistens ein bisschen Angst macht, besonders wenn das dann ganz ruhig wird im Zimmer).




Natürlich streiten die beiden noch immer. Einmischen tun wir uns nur noch wenn nötig. Das ist meist der Fall, wenn entweder Gewalt angewendet wird (C. schubst den Babybruder immer noch gerne um, er reisst an ihren Haaren. Beides tolerieren wir nicht.) oder imminente Verletzungsgefahr besteht. Etwa, wenn sich die beiden auf dem Halbhochbett schubsen oder knallende Türen involviert sind.

Und auch einen Diskussionspunkt gibt es noch: Der Babybruder  möchte so gerne in C.s Zimmer schlafen (und wir Eltern unterstützen das natürlich zu 100%). Manchmal findet sie die Idee gut. Tagsüber. Wenn am Abend dann die Müdigkeit zuschlägt, empfindet C. die Präsenz des Babybruders in ihrem Zimmer nach wie vor als eine Bedrohung ihres Reviers. Aber wir sind geduldig und hoffen, dass sich ohne Druck und mit ganz viel Verständnis auch hierfür eine Lösung finden lässt…

Deborah

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