Erzählen vs. Vorlesen – wie erfülle ich die Bedürfnisse beider Kinder?

Am 27. Mai 2020 findet der dritte Schweizer Vorlesetag statt. An diesem Tag sollen in der ganzen Schweiz zahlreiche Vorleseaktivitäten stattfinden, denn Vorlesen macht Freude und unterstützt Kinder in ihrer Entwicklung. Der Vorlesetag ist eine Initiative des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien SIKJM in Kooperation mit  zahlreichen weiteren Partnern. Um auf diesen Tag aufmerksam zu machen, haben sich diverse Schweizer Familienblogs zusammengetan. Dies ist mein Beitrag:

 

Ich habe einen Traum. Und dieser besteht darin, dass ich aus einem Buch vorlese, während meine beiden Kinder gebannt zuhören. Naja, eigenlich ist es eher eine Illusion.

Meist spielt sich die Situation wie folgt ab: C. schnappt sich ein Buch und bittet mich daraus vorzulesen. Während wir es uns auf dem Sofa gemütlich machen und ich ihr die ersten Sätze vorlese, bemerkt der Babybruder, dass seine Schwester meine alleinige Aufmerksamkeit bekommt. Was natürlich so nicht sein darf. Also gesellt er sich zu uns. Doch statt ruhig zuzuhören, sabotiert er de facto unsere Vorlesestunde: „Das?“ – „Und das?“, fragte er ununterbrochen und zeigte auf diverse Gegenstände, Personen und Situationen.

Ja, ich weiss, dass diese Art der Erzählens sehr wichtig für den Spracherwerb ist. Und erstaunlicherweise stört es C. nicht mal sonderlich, wenn ich dem Babybruder das Buch auf Schweizerdeutsch erkläre. Solange ich es ihr auch auf Hochdeutsch vorlese. Und wehe, ich überspringe einen Halbsatz. Das merkt sie sofort und beschwert sich. Denn, ihr habt es wahrscheinlich schon geahnt, sie kann all ihre Bücher schon lange auswendig.

Und so wechsle ich unterunterbrochen. Zwischen den Sprachen. Zwischen den Erzählstilen. Für die Kinder ist das in Ordnung. Aber mich stresst es eigentlich nur. Ich habe den Eindruck, keinem Kind richtig gerecht zu werden. Und kann die Geschichte selbst so überhaupt nicht geniessen. Denn eigentlich geniesse ich die Vorlesestunden in Kombination mit guten Büchern ja sehr.

Unterschiedliche Typen – auch im Umgang mit Büchern

Dazu kommt, dasss meine beiden Kinder ganz unterschiedliche Typen sind, was ihre Fähigkeiten und Vorlieben betrifft. Während man C. schon im Alter von zehn Monaten stundenlang mit Büchern beschäftigen konnte, hatte der Babybruder in diesem Alter nur eins im Kopf: Bewegen, bewegen, bewegen. Am liebsten in Form von Klettern – damit seine Eltern natürlich in den Wahnsinn treibend.

Sicher, auch er entdeckte irgendwann, dass Bücher etwas Spannendes sein könnte. Aber während man C. mit zweieinhalb Jahren schon fragen konnte, ob man ihr das Buch lieber erzählen oder vorlesen konnte, ist bei ihm der Fall noch klar: Da wird gezeigt und gefragt. Und allenfalls noch umgeklappt. Denn interaktive Bücher sind ihm am liebsten.

Aber wie so oft in der Kindererziehung weiss ich, dass Geduld gefragt ist: Auch der Babybruder wird sich irgendwann für Geschichten interessieren. Nur, ob es dann wohl die gleichen wie die der Schwester sein werden? Und wird seine Schwester bis dahin eventuell lieber selber lesen?

Deborah

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