Ich habe keine Kapazitäten für ein drittes Kind – und das macht mich traurig

Als ich mit dem Babybruder schwanger war, war der Fall klar: Ein drittes Kind würde es auf gar keinen Fall geben. Zu beschwerlich war die Schwangerschaft mit all ihren Beschwerden, inklusive Hyperemesis Gravidarum und Symphysenlockerung. Doch als der Babybruder auf der Welt war, war der Fall dann irgendwann nicht mehr so klar. Irgendwann im Laufe seines zweiten Lebensjahres, begannen der Papa und ich über ein weiteres Baby zu diskutieren. Dass es zwar finanziell und räumlich schon herausfordernd wäre, aber durchaus machbar. Dass Kinder ein Segen sind und Babys sowieso einfach wunderbar.

Ein weiterer Kinderwunsch schlich sich also ein. Kein rationaler aber doch ein – phasenweise – ziemlich heftiger. Wir  wollten uns allerdings Zeit lassen mit dem Entscheid. Zeit lassen mit dem Abstand. Zwei Kinder in zwei Jahren waren doch sehr heftig gewesen. Sollte es ein weiteres Baby geben, sollte der Abstand grösser sein. Der Babybruder selbstständiger, sicherlich ein Kind im Kindergarten.

Eine Frage der Belastbarkeit

Und dann, irgendwann um meinen 36. Geburtstag herum, fiel der Entscheid. Nein, ein drittes Kind würde es definitiv nicht geben. Das war ein rationaler Entscheid, keiner aus dem Herz. Und trotzdem hat er nicht mit Finanzen und Platz zu tun. Sondern ganz einfach mit meiner Belastbarkeit. Ich war die ersten zwei Jahre mit meinen Kindern physisch und psychisch am Ende: C. litt ganz schwer unter ihrer Entthronung und bestrafte den Babybruder dafür. Der Babybruder war (respektive ist immer noch) ein High Need Kind mit gesundheitlichen Herausforderungen und einer sehr konsequenten Abneigung gegen Schlaf.

Inzwischen ist alles etwas einfacher geworden. Ich kann manchmal durchatmen und meine Kinder richtig geniessen. Finde zurück zu mir und bekomme meinen Körper Tag für Tag ein Stück mehr zurück. Und wir wurden uns bewusst, dass wir die letzten zwei Jahre nicht noch einmal durchmachen können. Uns allen zuliebe, auch unseren Kindern. Denn erst gerade haben sie zueinander gefunden. Sind dieses unglaublich tolle Team geworden, dessen Dynamik wir nicht durch das einbringen eines dritten Players erneut in Frage stellen wollen.



Und nicht zuletzt, hat uns auch das Thema „Aplasia Cutis Congenita“ bei dem Entscheid gegen ein drittes Kind bestätigt. Die Aplasia Cutis Congenita unserer Kinder scheint erblich bedingt. Bei C. hatten wir Glück – ihre Stelle ist sehr klein. Auch wenn dem Babybruder aufgrund seiner grösseren Stelle mehrere Operationen bevorstehen: er hatte ebenfalls Glück. Aplasia Cutis kann in viel grösserem Ausmass mit schwerwiegenden Konsequenzen auftreten – ein Risiko, das wir nicht gewillt sind einzugehen.

Eine Entscheidung, die mir das Herz bricht

Das ist eine schwere Entscheidung. Eine sehr schwere sogar. Täglich sehe ich Mütter, die mit ihren dritten, vierten oder gar fünften Kind schwanger und einfach nur glücklich darüber sind. Die das Grossfamilienleben einfach so schaukeln.

Und ich erblasse vor Neid. Ich bin traurig, dass ich es mir nicht zutraue. Dass mir das natürlichste der Welt – nämlich Mutter zu sein – offenbar doch nicht so einfach fällt, wie es die Natur vorgesehen hat. Im Moment mag ich Schwangerschaftsankündigungen und Neugeborene gar nicht mehr sehen, es macht mich zu traurig. Ich muss Abschied nehmen: Von der Familienplanung, vom Neugeborenenzauber, von der Innigkeit einer Stillbeziehung, von der wundervollen Babyzeit. Und das ist verdammt hart. Ich habe schon unzählige Tränen deswegen vergossen. Und unzählige weitere werden folgen. Und doch überwiegt die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit, die Mama zweier wundervoller Kinder sein zu dürfen.

 

Deborah

4 Comments

  1. Antworten

    Simona

    10. Juni 2020

    So toll geschrieben.! Mir geht es genau gleich! Habe mich auch erst gerade verabschiedet. Hatte 2 Schreibabys, eines, der 2., offiziell medizinisch bestätigt. Ein 3. Baby das die ganze zeit schreit und uns 4 Jahre nicht schlafen lässt würde ich psychisch nicht aushalten. Und doch hatte ich immer den wunsch einmal noch ein baby zu bekommen dass ich so richtig geniessen kann. Zudem liiiebe ich es schwanger zu sein, obwohl mir bei beiden 7 monate übel war! :-). Bin einfach nur dankbar für meine 2 so wundervollen kindern.
    Grüsse dich herzlich
    Simona

  2. Antworten

    Stephanie Thüring-Vogt

    12. Juni 2020

    So ein berührender Einblick in dein Leben und Erleben. Kann mich da sehr gut wiederfinden und bin dir für deine Ehrlichkeit enorm dankbar.

  3. Antworten

    Clara

    12. Juni 2020

    Hey! Oh man bei deinem Beitrag kommen mir die Tränen. Ich habe 2 Kinder und hätte so gerne ganz viele. Aber ich fühle tief in mir drin das es vorbei ist. Ich hatte einen Bandscheibenvorfall als mein Baby 4 Monate alt war und immer Rückenschmerzen. Mein Körper schafft wohl keine weitere Schwangerschaft mehr. Auch mein Partner und ich sollten uns nicht nochmal die anstrengende babyzeit antun nach 2 Schreikindern. Der Rücken meines Mannes ist ebenfalls kaputt von langen Nächten auf dem Gymnastikball und stundenlangem Tragen. Es schleicht sich dieses Gefühl ein, dieses Gefühl das es bei 2 Kindern bleiben muss…

  4. Antworten

    Isabelle

    12. Juni 2020

    Ich kenne dich nicht aber du sprichst mir aus der Seele genau so geht es mir fühl dich gedrückt

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