„Er wird sicher noch mit 18 in deinem Bett schlafen!“

„Wenn du das Baby in deinem Bett schlafen lässt, kriegst du es nie raus!“ oder „Jetzt, mit sechs Monaten, wäre es echt langsam an der Zeit, dein Kind ans eigene Zimmer zu gewöhnen!“ – solche Aussagen hörte ich im Laufe meines Mama-Lebens unzählige Male. Dass wir voll und ganz hinter dem Familienbett, respektive Co-Sleeping stehen, dürfte inzwischen ja bekannt sein. Was anfangs eher eine pragmatische Lösung war (denn so, in engem Körperkontakt schlief C. endlich), praktizierte ich bei meinem zweiten Kind aus Überzeugung. Sicherlich, das Bedürfnis nach ganz viel Nähe und Kuscheln bestand auf beiden seiten. Aber auch das nächtliche Stillen war mit meinem schlechten Schläfer so viel einfacher, wenn wir zusammen im Bett lagen.

Und an dieser Co-Sleeping-Situation änderte sich auch lange nicht. Egal, wie oft ich als Übermutter oder Glucke bezeichnet wurde. Egal, wie oft man implizierte, dass irgendwann Teenager in meinem Bett schlafen würden. Denn ich wusste, dass Co-Sleeping für uns in diesem Moment die beste Lösung war.

Ja, auch wir musste pragmatische Lösungen suchen. Zu Viert in einem Zimmer kamen wir alle zu wenig Schlaf. Und ja, wir verzichteten bewusst für eine Weile auf das klassische Elternbett. Es schien uns in diesem Moment wichtiger, unseren Kindern die Nähe zu geben, die sie brauchten und gleichzeitig zu so viel Schlaf wie möglich zu kommen, als dem Stereotyp „ein glückliches Paar muss das Bett teilen“ zu entsprechen. Sicherlich, manchmal fehlte uns diese Intimität ganz schrecklich. Aber wir waren davon überzeugt, dass es wichtiger war, unseren Kindern diese nächtliche Sicherheit mitzugeben. Und auch, dass es nur eine Phase war, die irgendwann enden würde.

Und dann wollte er plötzlich im eigenen Zimmer schlafen

„Irgendwann“ kam dann überraschend früh. Wobei, ganz überraschend dann doch nicht. Der Babybruder hatte schon länger mal Anspielungen gemacht, dass er gerne bei der grossen Schwester im Zimmer schlafen würde. Denn inzwischen war das, was ursprünglich als Kinderzimmer angedacht war, ganz fix zu ihrem Zimmer geworden. Vor Kurzem wagten der Papa und ich ein Experiment: Wir zügelten das Junior-Bett des Babybruders (nicht, dass er bisher darin geschlafen hätte), in C.s Zimmer. C. protestierte selbstverständlich.

Und er Babybruder? War hellauf begeistert! Es stand überhaupt nicht zum Thema, dass er nicht darin schlafen wollte. Abends legte er sich hinein – und schlief ein. Ohne auch nur im Geringsten erwähnt zu haben, doch bei Mama schlafen zu wollen. Und dies wiederholte sich Abend für Abend – trotz subtiler Versuche von Seiten der Mama, ihn doch wieder zurück ins Elternbett zu holen. Während einigen Nächten kam er nachts zurück wieder zu Mama. Und dann wollte er auch dies – trotz nächtlichen Erwachens – nicht mehr.

Eine total unterwartete Situation für uns. Sicherlich wusste ich, dass der Tag irgendwann kommen würde. Aber dass irgendwann so früh wäre, damit rechnete ich nicht. Ich genoss die Zeit neben meinem Kleinkind gerade sehr, seine Atemgeräusche, die nächtlichen Kuscheleinheiten. Mit einem solch apruptem Ende im Zuge einer ganz ganz starken Autonomiephase rechnete ich nicht. Und der Papa übrigens auch nicht. Anfangs schlief er zwar noch bei den Kindern im Zimmer.

Wir müssen uns alle noch an die neue Situation gewöhnen

Doch dann wagte er es: Die erste gemeinsame Nacht im Elternbett. Erstaunlicherweise schliefen beide Kinder (sogar C., die normalerweise sofort merkt, dass Papa nicht mehr bei ihr schläft und ihn sofort suchen geht) sehr gut gemeinsam in ihrem Zimmer. Wir Eltern hingegen müssen uns noch an die neue Situation gewöhnen. Wieder neben dem Anderen zu schlafen und vor allem auch den Kindern zu vertrauen. Dass sie zu uns kommen, wenn etwas ist. Und dass es ihnen gut geht, auch wenn wir nicht mehr neben ihnen liegen.

Sicherlich, die Situation kann sich jederzeit wieder ändern. Es wird Rückschläge geben, die Schlafkombinationen werden sich immer mal wieder ändern. Und das ist auch in Ordnung für uns. Denn was wir  – einmal mehr – von unseren Kindern gelernt haben: „Vertrau deinem Kind und forciere nichts. Es kennt sein Timing am Besten!“

Deborah

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