Ein Hoch auf den Kindergarten!

Ach, wie sehr hatte sich C. auf den Kindergarten gefreut. Und – als Septemberkind – wie lange darauf gewartet. Ich hingegen konnte mich nicht so recht mit ihr freuen. Zum Einen graute es mir vor der Vorstellung, während der Schulferien wegzugehen (was sich im Moment ja eh erledigt hat), zum anderen hatte ich Angst davor, dass meine Tochter in ein System hineingepresst wird. Diese Angst war eher diffus. Ein Gefühl des Unwissens und des Ausgeliefert seins. Der Machtlosigkeit.

Tatsächlich musste ich lernen loszulassen. Ich schicke C. morgens gemeinsam mit ihren Freunden in den Kindergarten und hole sie Mittags wieder ab. Was in den knapp vier Stunden Kindergarten geschieht, erfahre ich selten. Und wenn dann nur aus der Sicht von C. oder ihren Freundinnen. Denn C. ist praktisch nie in Plauderlaune, was den Kindergarten betrifft. Auf meine Frage, was sie denn gemacht hätten, ist die Antwort meistens: „Nichts!“



Endlich wird C. wieder gefordert

Was mich anfänglich irritierte, habe ich inzwischen akzeptiert. Denn ich merke, wie gut der Kindergarten unserer Familie tut. Diese Formulierung ist sehr bewusst gewählt. Denn es geht dabei um alle Beteiligten, nicht nur um C. Aber beginnen wir bei ihr: War C. vor dem Kindergartenstart oft ein schlechtgelauntes Kind, das sich selten zu etwas motivieren liess und am liebsten immer an ihren Eltern geklebt hätte, wurde sie innerhalb weniger Wochen selbstbewusst und ausgeglichen.

Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass sie in der Kita und Zuhause schlichtweg unterfordert war. Täglich singt sie neue Lieder, macht Tänze, erzählt mir von Fischen und der Verschmutzung der Weltmeere (was dieses Jahr thematisiert wird). Sie hält nun den Stift richtig, denn Frau B. erklärte ihr, dass immer an einen Vogel denken müsse. Hauptsache, Mama versuchte dem Kind während zweier Jahr vergeblich die richtige Stifthaltung beizubringen. Sie geht auf Fremde zu, fragt Museumsangestellte und die Freiwilligen im Zoo Löcher in den Bauch.

Plötzlich so viel mehr Zeit für mich

Ausserdem vermissen sich C. und der Babybruder schrecklich in der Zeit, wenn sie im Kindergarten ist. Das ist wunderbar für ihr Verhältnis. Sie spielen seither noch besser miteinander, haben ein noch engeres Verhältnis bekommen. Und dann gibt mich: Ich geniesse den ruhigen Morgen nur mit dem Babybruder. Ich komme endlich dazu, in Ruhe Dinge zu erledigen, die ich schon längst hätte erledigen sollen oder wollen. Und manchmal – wenn der Babybruder gerade besonders selbstständig spielt – liegt sogar eine kurze Yoga-Einheit drin. Übrigens geht der Babybruder zum ersten Mal mit mir in einen Kurs, indem es sich nur um ihn dreht: den Eltern-Kind-Zirkuskurs. Es ist sein wöchentliches Highlight.

Sicherlich hat der Kindergarten eine andere Seite. Die Dynamik unter den Kindern ist weniger kontrollierbar – Themen wie Mobbing werden plötzlich aktuell. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Deborah

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