Deine Kinder sind auch im Winter barfuss?

Ich erinnere mich an diesen Tag, als wäre er gestern gewesen. C. war gut zwei Jahre alt und mitten in der Autonomiephase. Es war Winter. Richtig kalt. Um die 0 Grad oder eventuell sogar etwas darunter. Ich wollte mit den beiden Kindern einkaufen gehen. Ja, ich musste sogar dringend, denn der Kühlschrank war ziemlich leer.

Und genau an diesem Tag kam meine Tochter zum ersten Mal auf die Idee, selber zu bestimmen, was sie anzog, und was eben nicht. Eine warme Jacke oder gar eine Mütze? Komplett überwertet bei winterlichen Temperaturen. Und Winterstiefel, geschweige denn Socken, kamen sicherlich nicht an ihre Füsse. Und nun, was sollte ich tun? Mir war klar, dass ich keine Chance hätte, mein Kleinkind in Kleidung zu zwingen. Zum einen wollte ich mir das ganze Geschrei nicht antun, zum anderen war mir vollkommen bewusst, dass sich mein Kind schon sehr gut alleine ausziehen konnte.

Also entschied ich mich für den pragmatischen Ansatz: Ich liess das Kind gewähren. Setzte es bloss mit Pulli und nackten Füssen in den Kinderwagen und packte die warme Kleidung ein. Irgendwann würde sie sicher merken, dass ihr kalt war. Und einige Minuten in der Kälte würde sie überleben. Da war ich mir ganz sicher.

Ich machte mir bloss Sorgen, dass jemand die Kindesschutzbehörde anrufen würde, weil mein Kind so spärlich bekleidet war… Und tatsächlich, irgendwann realisierte C. dass es kalt war und verlangte nach ihrer Jacke. Das war allerdings nicht nach wenigen, sondern nach ganzen 15 Minuten. Seither geht sie immer zuerst auf den Balkon und entscheidet ab der Aussentemperatur, ob und was für eine Jacke sie tragen möchte. Insofern war mein Experiment ein voller Erfolg.

Machen kalte Füsse krank?

Was die Schuhe angeht, bin ich hingegen grandios gescheitert. Vielleicht bin ich da aber auch nicht das richtige Vorbild: Das erste, was ich tue, wenn ich nach Hause komme, ist nicht nur die Schuhe abzuziehen, sondern auch die Socken. Das war schon immer so. Ich weiss noch, wie meine Grossmütter gar nicht glücklich ab der Tatsache waren, dass ihre Enkel ständig barfuss unterwegs waren.

Irgendwann akzeptierten sie es allerdings (oder sie resignierten) und nannten uns Kinder liebevoll „Barfussindianer“. Und tatsächlich, ich kann mich nicht daran erinnern, vor zwölf Jahren irgendwann mal kalte Füsse gehabt zu haben. Offenbar empfinden Kinder Temperaturen wirklich komplett anders.

Deshalb liess ich meine Kinder konsequent schon sehr früh barfüsseln. Kaum waren sie mobil und zeigten erste Anzeichen, aufzustehen, flogen die Socken (ok, meist schon früher, denn meine Kinder gehörten zu den Sockenstramplern). Weshalb? Weil Kinder barfuss einfach den besten Halt haben. Diesen brauchen sie, um richtig stehen und laufen zu lernen. Kein Rutschsocke, kein Lederfinkli ersetzt dieses Barfussgefühl.

Nun sind C. und L. in der Siedlung dafür bekannt, auch bei sehr kalten Temperaturen noch barfuss unterwegs zu sein. Und ich spreche hier nicht von Innenräumen, da ist der Boden dank Heizung schön warm. Nein, ich spreche vom kalten Steinboden im November. Und wisst ihr was? Ich lasse sie machen, solange keine Verletzungsgefahr durch Scherben oder ähnliches besteht. Ich glaube nicht daran, dass kalte Füsse krank machen. Krank wird man durch Viren. Und eine gewisse Kälteresistenz fördert das Immunsystem höchstens. Ich vertraue meinen Kindern und ihrem Kälteentfinden. Weiss, dass sie meistens nach Schuhen und Socken verlangen, wenn ihnen kalt ist.

Aber ich gebe zu, es gibt Ausnahmen: Wenn sie ganz im Spiel vertieft sind und ich blaue Lippen sehe, schlage ich schon mal vor, Schuhe und warme Kleidung anzuziehen. Was meist dankbar angenommen wird.

Deborah

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