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Covid bei Kindern – alles halb so schlimm?

by Deborah

Schon über 18 Monate leben wir mit dem Virus – inklusive Schwangerschaft. Ihr wisst von welchem ich spreche. Das Virus, dessen Namen wir früher nur als mexikanische Biermarke kannten. Und seit Beginn der Pandemie heisst es, es sei für ältere Menschen gefährlich. Die müsse man schützen. Die Kinder hingegen, ja, die könnten es ruhig bekommen. Da sei es ja eh höchsten eine Erkältung, wenn überhaupt.

Wir hatten die üble Vorahnung, dass diese Aussage nicht auf Grossbub zutreffen würde. Genau wie wir ahnten, dass Grossbub die erste Person in unserer Familie sein würde, die positiv auf das Corona-Virus getestet würde. Und so kam es auch. An einem schönen Tag im September bekam ich das Email des Labors: Grossbub, der schon seit rund zehn Tagen schrecklich krank war, hatte Covid.

Da war er – der positive Corona-Test

Ich fiel aus allen Wolken. Damit hatten weder die Kinderärztin noch wir Eltern gerechnet. Wir waren ihn zeigen, weil er schon lange krank war. Immer wieder mit hohem Fieber und starkem Husten. Dazu kam Atemnot, wenn er rannte. Einem Belastungsasthma ähnlich. Wir vermuteten eine Lungenentzündung. Oder einen Infekt mit dem RS-Virus. Der Corona-Abstrich wurde mehr als Formalität durchgeführt.

Doch da hatten wir es Schwarz auf Weiss. Unser mittleres Kind, das immer, aber wirklich immer, zu schweren Krankheitsverläufen neigt, hatte Covid. Damit kamen in die ganze Quarantänen-Contact-Tracing-Maschinerie, die uns während der nächsten zehn Tagen psychisch ganz fest ans Limit bringen sollte. Aber dazu vielleicht mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Gibt es Long-Covid bei Kindern?

Und dann gab es da unseren knapp vierjährigen Sohn, der mehr einem wandelnden Elend als einem Kind glich. Immer wieder glaubten wir ihn über den Berg. Mal war das Fieber einen Tag weg, um am nächsten Tag wieder zu kommen. Er hustete sich die Seele aus dem Leib. Ass nicht, rannte nicht, spielte nicht. Lag nur auf dem Sofa rum. Nach dem positiven Test behielten wir ihn weitere zehn Tage zu Hause. Länger als dass wir laut BAG/Kantonsarzt hätten müssen. Das Fieber war hartnäckig, er wollte einfach nicht genesen.

Seit der Erkrankung ist Grossbub ein anderes Kind. Das Virus hat seine Spuren hinterlassen. Unser – sowieso schon zarter – Bub, besteht nur noch aus Haut und Knochen. Erst gut einen Monat nach der Erkrankung kam der Appetit langsam zurück.Er, der immer unendlich viel Energie hatte und sich fast ausschliesslich rennend fortbewegte, ist ein Schatten seiner selbst. Manchmal mag er laufen, meist lässt er sich stehend auf dem Kinderwagen herumfahren. Auf Spielplätzen sucht er sich oft einen bequemen Platz zum Hinliegen und beobachtet von dort aus die Situation. Die Energie kommt nur langsam zurück.

Es bleibt ganz viel Ratlosigkeit

Wie lange es dauert, bis es besser wird? Wir wissen es schlichtweg nicht. Ja, es ist selten, dass ein Kind so stark an Covid erkrankt. Und ja, Grossbub ist ein Spezialist für schwere Krankheitsverläufe: Noro- und Rota-Virus brachten ihn ins Spital, von der Influenza bekam er eine Lungenentzündung, jede Erkältung verursacht drei Tage über 40 Grad Fieber.

Trotzdem fühlen wir uns allein gelassen. Gerne wüssten wir mehr, über die Auswirkungen auf das Corona-Virus bei Kindern. Auch über dessen Langzeitfolgen (Stichwort Longcovid). Wüssten gerne, wie lange es dauert, bis wir unser energiegeladenes Kind wieder zurück haben. Oder was wir tun können, um ihn in seiner Genesung zu unterstützen. Und wir wünschten uns auch, dass Covid bei Kindern nicht weiterhin banalisiert würden.

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