Wer uns folgt, weiss: Australien hat es uns als Familie ziemlich angetan. Nach unserer Reise durch Queensland und unserem Roadtrip durch Westaustralien wollten wir dieses Mal noch eine andere Seite des Landes entdecken. Auf dem Programm standen Südaustralien, Kangaroo Island und einmal mehr Queensland – und dann kam mir die Idee, auch noch einen Abstecher nach Tasmanien zu machen.
Die Begeisterung hielt sich zuerst in Grenzen. Tasmanien? Ist das nicht viel zu weit weg? Zu kalt? Und irgendwie fast wie die Schweiz? Vor allem aber: Was macht man dort eigentlich mit Kindern?
Nach 13 Tagen auf der Insel können wir sagen: ziemlich viel. Unsere Rundreise durch Tasmanien mit Kindern führte uns von Hobart zum Lake St. Clair, weiter zum Cradle Mountain, an die Bay of Fires und in den Freycinet Nationalpark. Wir erlebten Schneeregen im Sommer, einsame Strände, Wombats, Wallabies, Schnabeltiere, Tasmanische Teufel – und eine Landschaft, die uns immer wieder überrascht hat.
In diesem Beitrag zeigen wir euch unsere Route durch Tasmanien, unsere schönsten Stopps und praktische Tipps für eine Familienrundreise auf der australischen Insel, die oft unterschätzt wird.
Tasmanien mit Kindern: das Wichtigste auf einen Blick
Dauer unserer Reise: 13 Tage
Route: Hobart – Lake St. Clair – Cradle Mountain – St. Helens / Bay of Fires – Freycinet – Hobart
Reisezeit: Februar, also tasmanischer Spätsommer
Unterwegs: mit dem Mietwagen
Distanz: ca. 1’000 Kilometer
Perfekt für: Familien, die Natur, Tiere, kurze Wanderungen, Strände und besondere Landschaften mögen.
Was man vor einer Tasmanien-Reise mit Kindern wissen sollte:
- Wetter: Auch im Sommer kann es kühl, windig und nass werden. Warme Kleidung und Regenjacken gehören unbedingt ins Gepäck.
- Distanzen: Die Strecken sehen auf der Karte oft kürzer aus, als sie sich anfühlen. Plant genug Pausen ein und startet an langen Fahrtagen nicht zu spät.
- Nationalparks: Für viele Highlights wie Cradle Mountain, Lake St. Clair oder Freycinet braucht ihr einen gültigen Parks Pass.
- Einkaufen: In abgelegenen Regionen ist die Auswahl klein und oft teuer. Snacks, Frühstückssachen und einfache Abendessen besser vorher einkaufen.
- Unterkünfte: Cabins oder Apartments mit Küche sind mit Kindern ideal. So bleibt man flexibler und spart einiges an Restaurantkosten.
- Tierwelt: Wombats, Wallabies, Echidnas, Schnabeltiere und Tasmanische Teufel sind grosse Highlights. Am besten sieht man Tiere früh morgens oder gegen Abend.
Hobart mit Kindern: Geschichte, Hafenflair & Salamanca Market
Wir starten in Hobart, der charmanten Hauptstadt Tasmaniens. Die zweitälteste Stadt Australiens ist mit nur etwas über einer halben Million Einwohnern relativ übersichtlich und super gut zu Fuss erkundbar. Unser Apartment lag direkt am Salamanca Place, dem Herzen der Stadt. Hier findet jeden Samstag der Salamanca Market statt, ein toller Wochenmarkt bei dem ihr euch mit lokalen Spezialitäten und Kunst eindecken könnt. Oder warmen Kleidern, denn in Tasmanien kann es auch im Sommer erstaunlich kalt sein.


C. liebt Huskies, Grossbub den Winter, also verbrachten wir auch einige Zeit im Mawson’s Hut Replica Museum. Das ist die originalgetreue Nachbildung einer Forscherhütte in der Antarktis die für Polarexpeditionen genutzt wurde, die sehr oft in Hobart starteten. Das Meer und Geschichte sind in Hobart überall sehr präsent, aber es gibt auch überall einen Event, ein Konzert, ein Foodfestival oder ein spannendes Museum. Uns hat die Stadt super gut gefallen.

Lake St. Clair: Wandern, Wald & (noch keine) Schnabeltiere
Die meisten Touristen kommen aber nicht wegen dem Stadtleben nach Tasmanien, sondern wegen der Natur. Das war auch unser Ziel. Mit dem Auto ging es auf etwa 180 Kilometern zum Lake St. Clair. Das ist übrigens der tiefste Süsswassersee Australiens. Wir checkten in eine wunderschöne Cabin (ein kleines Häuschen mit Küche) mitten im Wald ein. Und hatten gleich den ersten Temperaturschock. Es war kalt. Sehr kalt. Schwitzten wir drei Tage vorher noch bei fast 40 Grad in Melbourne, lag hier Winter in der Luft. 3 Grad und Schneeregen. Welcome to Tassie, Mate!
Rund um den See gibt es unzählige Wanderrouten. Unser Highlight: der „Larmairremener Tabelti Walk“, ein familienfreundlicher Trail, auf dem man viel über die Pflanzenwelt und die Kultur der First People erfährt. Hier sollte es eigentlich auch Schnabeltiere geben, doch wir hatten leider (noch) kein Glück. Dafür sahen wir viele wunderschöne Vögel und Echsen.
Cradle Mountain: Wilde Tiere und wilde Landschaft
Weiter ging es zum Cradle Mountain Nationalpark. Hier übernachteten wir wieder in einer Cabin auf einem grossen Campingplatz. Da die Distanzen gross sind und man auch nicht besonders schnell vorankommt müsst ihr gut planen was grössere Einkäufe angeht. Auf den grösseren Campings gibt es zwar oft auch einen kleinen Shop mit den wichtigsten Dingen, die Auswahl ist aber klein und die Preise sind hoch.

Wanderung beim Dove Lake
Unser Ziel war der Dove Lake auf fast 1000 Meter über Meer. Dafür liessen wir das Auto am Besucherzentrum stehen und fuhren mit dem Shuttlebus hoch zum See. Der gleichnamige Rundweg ist für Kinder gut machbar, festes Schuhwerk vorausgesetzt. Ausser ihr seid fair dinkum Aussies. Dann macht ihr die Wanderung in Crocs. Und wenn es richtig ungemütlich wird, in Crocs mit Socken.

Was als kurze Rundwanderung geplant war, war so schön, dass wir die Route ständig etwas verlängerten. Am Schluss waren es mehrere Stunden, unzählige Treppen und ganz viele Kilometer. Die Szenerie hat etwas von der Schweiz, und doch ist es anders. Muss man dafür jetzt einmal um die halbe Welt fliegen? Ich finde ja, das sollte man mindestens einmal gesehen haben.

Kurz vor dem Ziel, als alle schon sehr müde sind, tauchen sie endlich auf. Wombats! Ja, die sind wirklich so knuffig wie man sich das vorstellt, und Ja, die kacken rechteckig. Das stimmt tatsächlich.
Tasmanische Teufel hautnah: Devils @Cradle
Am zweiten Tag besuchen wir das „Devils @ Cradle“ Sanctuary. Das ist eine Art Zoo und Aufzuchtstation für tasmanische Teufel. Die putzigen Raubtiere sind leider aufgrund eines Virus akut vom Aussterben bedroht und finden hier Schutz. Neben dem Tassie Devil seht ihr hier auch Quolls (Riesen- und Tüpfelmarder). Ganz in der Nähe, beim kleinen See beim Cradle Mountain Interpretation Center, haben wir dann auch endlich unseren ersten Platypus (Schnabeltier) in freier Wildbahn gesehen. Und ein Echidna (ein Schnabeligel). Wenn ihr schon dort seid, unbedingt auch den kleinen Rundweg „Enchanted Walk“ machen. Gerade mit Kindern ist das super easy – und wunderschön.


St. Helens & Bay of Fires: Farben wie aus dem Bilderbuch
Ein langer Fahrtag brachte uns an die Ostküste nach St. Helens. Launceston liessen wir aus, wir hatten keine Zeit für einen längeren Stop. Hier an der Ostküste sollen die Strände besonders spektakulär sein, wurde uns gesagt. Wir machten uns also auf den Weg zur Bay of Fires. Vorbei ging es an der Honeymoon Beach, gefolgt von der Suicide Beach. Die Australier haben manchmal einen speziellen Humor bei der Benennung ihrer Strände…

Die Bay of Fires war sogar noch schöner als erhofft. Weisser Sand und von Flechten orange-rot gefärbte Granitfelsen brachten uns zum Staunen. Und die Kinder zum Klettern. Es kam wie es kommen musste und Grossbub schlug sich das Kinn an einem der Felsen auf. Schnell in die nächste Apotheke oder in die Permanence? Mindestens eine Stunde Fahrzeit. Es lohnt sich also eine gute Reiseapotheke mit dabei zu haben.

Freycinet Nationalpark: Wineglass Bay & Wallabies
Nächster Stopp: der Freycinet Nationalpark. Die Reise zurück in den Süden war wieder lange, aber wunderschön. Unterwegs machten wir eine Pause in der alten Walfängerstadt Bicheno.
Die Unterkunft „Edge of the Bay“ in Cole’s Bay war für uns alle eines der grössten Highlights der Reise. Die Cabin war wunderschön, aber was es wirklich speziell machte, waren die Nachbarn. Nicht die Menschen, sondern die Wallabies, die uns jeden Morgen und Abend auf der Terrasse besuchten (Grüsse gehen raus an Wallaby Bérénice).

Und ich habe bis jetzt nur in der Karibik auf Bonaire einen so spektakulären Nachthimmel gesehen. Lichtverschmutzung ist hier glücklicherweise ein Fremdwort. Für Kleinbub hingegen war der Tennisplatz das aufregendste an der Unterkunft.
Einer der berühmtesten Orte Tasmaniens ist wohl die Wineglass Bay. Die runde Bucht mit schneeweissem Strand ist aber dennoch keineswegs von Overtourism betroffen. Denn der Strand ist nur zu Fuss erreichbar. Und der Weg hat es in sich. Zuerst fast 500 Treppenstufen hoch zum Aussichtspunkt. Und von dort 1000 Stufen runter zum Strand. Und ja, das muss man alles wieder hoch. Mit Gepäck. Und müden Kindern. Aber es lohnt sich! Neben der Two Peoples Beach in der Nähe von Albany in Westaustralien ist das der wohl schönste Strand an dem ich je war.

Nach einigen wunderschönen Tagen ging es dann zurück nach Hobart und von dort nach Queensland. Direkt in einen Zyklon… Doch das ist eine andere Geschichte…
Tasmanien als Familie: Unser Fazit
Tasmanien ist wie gemacht für Familien, die Natur lieben. Lohnt es sich fast 20’000 Kilometer um die Welt zu reisen um einen Ort zu sehen, der in alten Werbungen auch „The Switzerland of the Southern Hemisphere“ genannt wurde? Ja! Tasmanien ist ein wunderschöner, spezieller Ort, mit zum Teil etwas speziellen, aber doch sehr freundlichen Menschen. Wer einmal im Frosch-Restaurant „The Pondering Frog“ war, weiss was ich meine.

FAQ: Tasmanien mit Kindern
Ist Tasmanien mit Kindern empfehlenswert?
Ja, sehr. Tasmanien ist ideal für Familien, die gerne draussen sind. Die Mischung aus wilden Tieren, kurzen Wanderungen, Stränden, Nationalparks und gemütlichen Unterkünften hat für uns sehr gut funktioniert.
Wie viele Tage braucht man für Tasmanien mit Kindern?
Wir waren 13 Tage unterwegs und fanden das für eine erste Rundreise sehr passend. Weniger als 10 Tage würden wir nur empfehlen, wenn ihr euch auf eine kleinere Region beschränkt. Am besten kombiniert ihr Tasmanien aufgrund der langen Anreise aber eh mit langen Australienferien.
Wie komme ich nach Tasmanien?
Am besten mit dem Flugzeug ab Melbourne. Es gibt täglich mehrere (günstige) Flüge nach Hobart. Der Flug dauert nur 1h20min. Wer das Auto / den Camper vom Festland mitbringen möchte, muss die Fähre nehmen. Die Überfahrt dauert 11 Stunden und ist in der Hauptsaison meist schon Monate im Voraus ausgebucht. Das müsst ihr also rechtzeitig planen.
Braucht man in Tasmanien einen Mietwagen?
Für eine Familienrundreise würden wir unbedingt einen Mietwagen empfehlen. Die meisten schönen Orte liegen ausserhalb der Städte. Öffentlicher Verkehr existiert ausserhalb von Hobart nicht wirklich. Autos mietet ihr entweder am Flughafen, oder direkt in Hobart.
Ein Wohnmobil hätten wir uns auf den zum Teil doch eher etwas engen Strassen nicht zugetraut. Es gibt aber nur wenig Verkehr (ausser in Hobart) und die Locals fahren meist sehr entspannt.
Wann ist die beste Reisezeit für Tasmanien mit Kindern?
Der australische Sommer von Dezember bis Februar ist beliebt, weil die Tage lang sind und das Wetter meist milder ist. Trotzdem kann es auch dann kühl und regnerisch werden, besonders in den Bergen.
Was war unser grösstes Highlight?
Schwer zu sagen. Die Wombats beim Cradle Mountain, die orange leuchtenden Felsen an der Bay of Fires und die Wallabies direkt vor unserer Unterkunft im Freycinet Nationalpark gehören sicher zu unseren schönsten Erinnerungen.
Ist Tasmanien teuer?
Tasmanien ist kein günstiges Reiseziel. Vor allem Unterkünfte, Eintritte, Nationalparkpässe und Einkäufe in abgelegenen Regionen können ins Geld gehen. Unterkünfte mit Küche helfen aber sehr, die Kosten etwas zu kontrollieren.
Was sollte man mit Kindern unbedingt einpacken?
Warme Kleidung, Regenjacken, gute Schuhe, Sonnencreme, viele Snacks, und eine gute Reiseapotheke. Das Wetter kann schnell wechseln, und nicht überall ist die nächste Apotheke oder ein grösserer Laden gleich um die Ecke.