Wie ich gelernt habe, mehr auf mich selbst zu achten

„Sag mal, wie machst du das nur alles?“ Diese Frage höre ich immer wieder. Es stimmt, ich habe viel zu tun: Ich bin festangestellt im Teilzeitpensum mit langem Arbeitsweg, schreibe regelmässig diesen Blog und bin als freischaffende Journalistin teilselbstständig.

In meiner „Freizeit“ schmeisse ich gemeinsam mit meinem Mann den Haushalt (wobei ich da ganz klar mehr übernehme, weil meine Ansprüche höher sind) und lasse mich mal immer auf freiwilliges Engagement im Sinne von Elternarbeit oder der Unterstützung einer Mama in einer schwierigen Situation ein. „Nein!“ zu sagen, war noch nie meine Stärke.

Und dann gibt es noch so viele Dinge, die ich eigentlich gerne selber machen würde. Ganz einfach, weil sie mir Spass machen. Kleider und Accessoies nähen, die besten Brote der Welt machen, allgemein in der Küche alles selber herstellen um komplett auf Convenience Produkte zu verzichten, einen Adventskranz selber stecken, mit den Kindern jeden Nachmittag einen tollen Ausflug machen, mit jeden Tag in Form von Yoga, Schwimmen oder Joggen sportlich betätigen.

Wenn plötzlich alles zu viel ist

Seht ihr das Problem? Auch wenn mir alle Punkte einzeln, inklusive meines Berufes und sogar bis zu einem gewissen Punkt die Hausarbeit, Spass machen, ist es dennoch oft zu viel. Und ein grosser Teil davon ist selbstauferlegt. Allerdings sind vier ganze Jahre als Working Mom vergangen, bis ich endlich zu dieser Erkenntnis kam. Diese fand nämlich während des Lockdowns statt – als viele Betätigungen wegfielen. Und ich plötzlich merkte, was am allerwichtigen für mich und meine Familie war: meine mentale Gesundheit. Denn was nützt es schon, wenn ich dauergestresst bin, deswegen nicht mehr schlafe, dauermüde und dauerschlechtgelaunt bin. Ein Teufelskreis, den ich ganz dringen unterbrechen musste.

Und begann ich etwas anzuwenden, das ich „das Lust-Prinzip“ nenne. Konkret bedeutet dies bei allen verhandelbaren Engagements mich zuerst zu fragen, ob ich die Lust und die Kapazitäten habe, dies Aufgabe zu übernehmen. Klar, meine Arbeit als Festangestellte muss ich erledigen. C. jeden Morgen in die Kita schicken, sicherstellen, dass die Kinder angezogen und gefüttert sind, sowie die Zähne geputzt haben. Damit haben sich meine Muss-Arbeiten aber auch schon erledigt.

Auf sich selbst zu schauen, ist nicht einfach

Es ist in Ordnung, einen faulen Nachmittag zu Hause zu verbringen, während dem sich die Kinder dem freien Spiel widmen. Es ist in Ordnung, sich mit einer Tasse Tee auf das Sofa zu setzten, während der Babybruder Mittagsschlaf macht. Nein, ich muss in dieser Zeit nicht die Wäsche erledigen, wenn mir die Energie und Musse dazu fehlt. Die Kinder haben per se genug Kleidung um damit fast zwei Wochen über die Runden zu kommen. Ich darf Yoga machen ohne danach noch ein Brot zu backen. Ein gekauftes tut es auch. Und ich darf auch mal „Nein“ sagen zu Engagements betreffend dem Blog.




Das alles bedeutet natürlich, einen grossen Teil meines Perfektionismus aufzugeben. Das ist nicht leicht. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich wieder in meine alten Fussstapfen zurückfalle. Wie mich mich unnötig selber stresse. Aber das ist nicht so schlimm. Das Wichtigste ist, dass ich dies realisiere und rechtzeitig wieder eingreifen kann. In diesem Sinne: Seid lieb und gnädig zu euch, Mamas. Schaut auf euch. Denn nur wenn es euch gut geht, wird es auch eurer Familie gut gehen.

Deborah

1 Comment

  1. Antworten

    Jessica

    14. Oktober 2020

    Der Titel hat mich gleich angesprochen, da ich mich gerade mit dem selben Thema beschäftige (und das „nur“ knapp 1 Jahr als „working mum“). Ich bin zwar dauernd beschäftigt, doch irgendwie empfinde ich dies auch als befriedigend. Allerdings wird es dann doch immer mal wieder zu viel und ich dann gereizt und verspannt. Meine Herangehensweise für Erholungspausen (oder Zwangspausen wie ich sie manchmal nenne) ist, dass ich sie mir fest einplanen muss. Manchmal hilft es auch, wenn ich meine To Do Liste betrachte und einfach einen Punkt verschiebe oder – in einigen Fällen – tatsächlich einfach streiche, weil es eben – wie Du sagst – nicht immer wirklich nötig ist.

LEAVE A COMMENT

RELATED POSTS