Meine Körper gehört mir – auch in der Schwangerschaft

Ok, dieser Titel stimmt natürlich überhaupt nicht. Primär gehört mein Körper diesem kleinen Wesen, das da gerade in mir heranwächst. Für diesen Menschen bin ich jetzt schon bereit, mein Leben zu geben. Und sicherlich auf alles Mögliche zu verzichten. Auch wenn das bedeutet, dass ich jede Nacht wie ein sterbender Seehund töne, weil ich meinen Antiallergie-Nasenspray nicht mehr nehmen will.

Dass mein Babybauch allerdings für so viele Kommentare sorgt, hatte ich seit der letzten Schwangerschaft total verdrängt. Jede, aber wirklich jede, Person die ich treffe, meint etwas dazu sagen zu müssen. „Du siehst aus als wärst du schon viel weiter!“ „Man sieht deinen Bauch ja noch gar nicht“, waren zwei Aussagen, die ich in der gleichen Woche hörte. Dazu kamen Dinge wie: „Deine Hüften sind breiter geworden“ und „Wow, im Gesicht bist du ja noch schön schmal geblieben!“

Die körperlichen Veränderungen sind eine Tatsache

Ich weiss, niemand meint es böse. Und auch, dass die Schwangerschaft ein tolles Smalltalk-Thema ist. Aber ich blieb total verunsichert zurück. Gewisse Frauen stehen sicherlich über alledem. Ich nicht. Mein ganzes Leben lang kämpfe ich bereits für eine gesunde Wahrnehmung meines Körpers, hatte als Teenager auch mit Essstörungen zu kämpfen. Es fällt mir schwer, die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft zu akzeptieren. Vor jeder Gewichtskontrolle bei der Ärztin habe ich leichte Schweissausbrüche. Und so beschloss ich, nur noch weite Kleidung zu tragen. In der ich zwar noch aussehe, wie ein Sack. Man aber meinen Bauch und meine breiten Hüften nicht sieht.

Eine kleine Selbsteinschätzung: Ja, meine Hüften sind breiter als vor der Schwangerschaft. Das hatte ich bereits mit Klein C. Irgendwann, und dieses Mal schon im ersten Trimester – machte es plötzlich „Schwups“ und meine Hosen passten nicht mehr. Ich weiss, dass es ein natürlich Prozess ist, um Platz für das Baby zu schaffen. Glücklich darüber bin ich natürlich nicht. Nicht nur der optische Aspekt stört. Es sind vor allem auch die Schmerzen, die mir diese Hüften, die lediglich noch von Knorpel zusammengehalten werden, bereiten.



Den Körper zelebrieren, statt ihn verstecken

Mein Bauch ist ungefähr einen Monat weiter als in meiner ersten Schwangerschaft. Was auch ganz normal ist. Schliesslich hat Klein C. Haut, Muskeln und Bänder schon vorgedehnt. Darüber bin ich eigentlich nicht unglücklich. Denn das letzte Mal nervte ich mich darüber, dass erst nach 20 Wochen ein erkennbarer Babybauch da war. Zuvor sah ich einfach aus, als hätte ich ein bisschen zu viel gegessen. Aber diesen Schwangeren kann man es auch nie recht machen…

Dafür tröstete mich meine Nachbarin, die meine Verunsicherung wohl spürte und meinte: „Zelebriere deinen Bauch, zelebriere alle körperlichen Veränderungen! Die Schwangerschaft dauert nur so kurze Zeit. Deinen normalen Körper hast du dann für den Rest deines Lebens wieder!“ Balsam auf meine Seele. Nicht, dass ich mir das selber nicht auch hätte sagen können. Aber ich kam einfach nicht auf die Idee. Und so trug ich am nächsten Tag meinen Jumpsuit, unter dem sich das Babybäuchlein (oder Riesenbabybauch) sehr deutlich abzeichnete.

Wen es übrigens tatsächlich interessiert, wie gross mein Bauch im Moment ist, sieht dies auf Instagram. Da poste ich ab und zu ein Bild davon, wie gross (oder klein) er im Moment ist.

Deborah Lacourrege

1 Comment

  1. Antworten

    Ellen

    13. Juni 2017

    Sterbender Seehund 😂 Aber Spass beiseite: Ich versteh Dich zu gut. Es ist zwar, wie Du sagst nur Smalltalk, aber genau solche Oberflächlichkeiten zeigen deutlich, welche Bedeutung und Druck der Frauenkörper in unserer Gesellschaft erfährt.

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