Nachtschreck oder wenn Anfassen verboten ist

Ich zählte mich immer zu den Eltern, die ihr Kind nie einfach schreien lassen wollten. Für mich war klar, dass Kinder einen Grund haben zu schreien und getröstet werden müssen. Und nun bleibt mir nichts anderes übrig, als tatenlos neben dem Bettchen zu sitzen…

Seit kurzem leidet Klein C. unter Nachtschreck. Ein ganz, ganz schlimmes Phänomen. Zumindest für die Eltern. Die Kinder beginnen typischerweise kurze Zeit nach dem Einschlafen zu Schreien. Und zwar richtig verzweifelt, panisch. So, wie wir es von unserer Tochter gar nicht kennen. Bevor wir realisiert, worunter Klein C. litt, taten wir das, was uns natürlich erschien. Wir trugen sie herum oder nahmen sie in unser Bett. Statt sich zu beruhigen, machte sie das erst richtig panisch. Schrie “Nei,nei” und “Bettli, bettli”, versuchte sich von uns weg zu stürzen.

Grosse Angst in unterbewusstem Zustand

Erst nach einigen Episoden (und der Nachfrage in einem Mama-Forum) dämmerte uns, dass es sich bei den nächtlichen Schreiattacken um Nachtschreck handeln könnte. “Pavor nocturnus” – wie Nachtschreck (auch als Schlafterror, Inkubus, “Alpdrücken” oder nächtliches aufschrecken bezeichnet)  auf Lateinisch heisst – ist eine Schlafstörung, die mit Schlafwandeln vergleichbar ist. Es ist eine grosse Angst in vegetativem Zustand. Die Kinder sind also nicht richtig wach, ihre Panik ist aber real.

Etwa ein bis sechs Prozent aller Kinder sind davon betroffen. Jungen häufiger als Mädchen. Man vermutet, dass Nachtschreck vererbt wird. Bei uns wäre dies zutreffend. Denn der Papa leidet bis heute, zum Glück sehr, sehr selten, darunter. Mit Albträumen hat Nachtschreck übrigens nichts zu tun.

Mit dem Kind sprechen und warten

Gewisse Kinder schlagen sogar um sich, toben richtig. Wichtig ist dort, sie an einen Ort zu legen, an dem sie sich nicht verletzen können. Ansonsten bleibt den Eltern nur eines übrig: Laut mit dem Kind zu sprechen. Ihm versichern, dass es sich eigentlich in einer vertrauten Umgebung aufhält. Dass Mama und Papa für es da sind. Und es so irgendwann in die Realität zurück zu holen. Eventuell kann man die Hand des Kind halten, falls es dieses zulässt. Bei uns ist nicht mal das möglich.

* Lotta schläft – endlich!

Das ist so richtig brutal. Neben seinem panischen Kind zu sitzen und zum Nichtstun verdammt zu sein. So hilflos haben wir uns schon lange nicht mehr gefühlt. Offenbar können die Kinder sich danach an nichts erinnern. Vielleicht sagt man das auch nur, um die Eltern zu trösten. Sicher ist, dass der Spuck nach langen 15 bis 30 Minuten endlich vorbei ist. Klein C. ist dann kurz wach, identifiziert uns als ihre Eltern. Und schläft dann friedlich wieder ein.

Bei den meisten Kindern wächst sich Nachtschreck wieder aus. Zum Glück. Wir können nicht erwarten, wann dies bei uns der Fall sein wird.

 

 

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Deborah Lacourrege

4 Comments

  1. Antworten

    Karin Futschik

    7. Juni 2017

    Hallo! Wir hatten auch mit dem Nachtschreck zu tun. Und auch bei uns: Anfassen und hochnehmen machte es nur schlimmer, gut zureden war das einzige, was blieb. Zum Glück ging das bei unserm Zwerg nach einigen Wochen vorbei. Ein Gespräch mit meiner Schwiegermutter ergab, dass mein Mann damit zu kämpfen hatte.

    Es ist einfach nur schlimm, da daneben sitzen zu müssen und nichts tun zu können.

    Lg, Karin

  2. Antworten

    Lisa

    25. Februar 2018

    Hallo, wir haben mit unserer Großen (jetzt 9) immer mal wieder einen Nachtschreck. Ich habe herausgefunden, dass der Schreck sofort aufhört, wenn sie gähnen muss. Ich mach es dann immer vor …. (steckt ja an :-)) und dann ist es zu 100% weg!

  3. Antworten

    Sandra

    11. März 2018

    Moin! Drei unserer vier Kinder haben/hatten damit zu tun. Unterschiedlich stark ausgeprägt. Das ist schon hart, so gut wie nichts tun zu können. Wir haben mit Ausprobieren und Erkundigen/ Lesen unsere Wege für die verschiedenen Charaktere gefunden.
    Es hat sich bei zwei Kindern verwachsen, der Kleinste ist auf dem Weg. Nur Mut! Bauchgefühl plus Beobachtung hilft Euch dadurch!

  4. Antworten

    Ines

    12. März 2018

    Es ist furchtbar 😩 aber uns haben Globuli geholfen, Stramonium. Unser kleiner hat nach der Geburt seiner Schwester sehr unter dem Nachtschreck gelitten.
    Oft liegt es ja an Veränderungen, Wachstumsschüben …
    Wir haben auch geschaut das er abends kein Fernseh mehr geschaut hat und feste Rituale-Routine.
    Unser kleiner erinnert sich wirklich an nichts mehr. Er hat schon sein trinken umgeworfen und sich dabei nass gemacht und war dann am nächsten morgen verwundet warum er einen anderen Schlafanzug an hat.

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