Von blauen Augen und offenen Knien

Bevor Klein C. auf der Welt war, hatten wir uns geschworen, dass wir unser Kind nicht in Watte packen würden. Doch kaum war sie auf der Welt und noch ach so zerbrechlich, wollte ich um jeden Preis vermeiden, dass meine Tochter Schmerzen leiden musste. Das klappte ganz gut. Bis zur Kita.

Nicht nur, dass Klein C. nach einem Tag Kita-Eingewöhnung zum ersten Mal krank war. Nein, einige Monate später kam sie mit ihrem ersten blauen Auge nach Hause. An die Erklärung der Betreuerinnen, dass sie sich wohl mit einem Holzklotz selber gehauen habe, mögen wir bis heute nicht so recht glauben. Sicher ist, dass ein Kind mit blauem Auge Reaktionen provoziert. Egal, wo wir waren, wir wurden nach dem Unfallhergang ausgefragt und unsere Tochter ganz stark bemitleidet. Sie genoss die zusätzliche Aufmerksamkeit sehr. Und wir fühlten uns wie Rabeneltern.

Ein Kind soll rennen und klettern dürfen

Mit zunehmender Mobilität wurden auch die Unfälle immer mehr. Ihr müsst wissen: Klein C. war noch nie ein ruhiges Kind. Kaum konnte sie Laufen, tat sie nichts mehr anderes als herum zu rennen. Dazu kamen bald waghalsige Kletteraktionen. Seit neustem folgt auf das Klettern dann noch das Bedürfnis von allem Herunterzuspringen. Wenn Mama „Gumpe?“ hört, dann rennt sie los. Egal, ob sie dann zufälligerweise gerade auf dem Klo sitzt.

Trotzdem: einige grössere und viele kleinere Unfälle konnten wir nicht verhindern. Die Theorie besagt ja, dass Kleinkinder wegen ihres grossen Kopfes noch einen anderen Schwerpunkt haben und deshalb öfter umfallen. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass unsere Tochter eine Draufgängerin ist. Jetzt im Sommer hat Klein C. regelmässig aufgeschürfte Knie. Und manchmal kommen auch noch Hände oder Ellenbogen dazu.

Dazu kommt auch immer mal wieder ein blaues Auge. Oder Schürfwunden im Gesicht. Oder eine Beule. Wenn ich das so aufzähle, wundere ich mich, dass sich Klein C. noch nie ernsthaft verletzt hat. Ihre Unfälle haben übrigens schon Treppen, Trottinets und Laufvelos involviert. Als ich einer Freundin schuldbewusst von Klein C.s letztem Unfall erzählt habe (hätte ich nicht konsequente Beratung durch den ärztlichen Grosspapa gehabt, wäre ich mit ihre wohl in den Kindernotfall gerannt) meinte sie lapidar: „Das ist doch nichts Schlimmes. Verletzungen sind das Zeichen dafür, dass dein Kind leben darf.“

Die kindliche Neugier fördern

Wie Recht sie doch hat. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, unsere Tochter in Watte zu packen. Lassen sie neue Dinge ausprobieren, damit sie ihre Fähigkeiten weiter entwickeln kann. Und versuchen einfach, ganz, ganz gefährlichen Situationen vorzubeugen. Auch wenn das bedeutet, dass die schon ziemlich schwangere Mama ihrer Tochter dann auf dem Klettergerüst nachklettert.

Trotzdem: auf dem Spielplatz sehe ich viele Kinder, die nicht die geringste Schürfung oder das kleinste Beulchen haben. Und ich frage mich immer wieder nicht ohne gewissen Neid, wie das diese Eltern wohl hinkriegen?




Deborah Lacourrege

2 Comments

  1. Antworten

    Alex

    8. August 2017

    Ich habe auch so einen kleinen Wildfang zu Hause. Dabei hatte ich immer gedacht, es sind vor allem die Jungs, die überall raufklettern müssen. Zum Glück ist unsere Kleine aber hart im nehmen und so ein aufgeschürftes Knie bringt sie nicht gross zum Weinen (ausser sie ist müde).
    Na ja, aber um auf deine Frage zurückzukommen, wie das andere Eltern schaffen, dass ihre Kleinen so ganz ohne Schürfungen auf dem Spielplatz sind.
    Mir ist schon oft aufgefallen, dass irgendein Elternteil zum Kind rennt, sobald es irgendwo raufklettern will und schreit, nein, dafür bist du noch zu klein, das kannst du noch nicht. Ja und somit gibt es auch viel weniger Schürfungen. Ob man jetzt darauf stolz sein sollte bleibt dahingestellt.
    Ich für meinen Teil behalte lieber meinen Wildfang, der überall raufklettert und halt auch mal stürzt, und nehme dafür auch die eine oder andere Schürfung in Kauf. Dafür, kann sie inzwischen schon recht gut einschätzen, was sie sich selber zutrauen kann.
    Allerdings, wenn unser Mädchen schon so ist, wie wird dann nur der männliche Bauchzwerg, der auch schon bald auf die Welt kommt?

    • Antworten

      Deborah Lacourrege

      8. August 2017

      Liebe Alex, also… wir fragen uns ja das Gleiche 😉 Glauben aber, dass der Junge bei uns das ruhigere Kind sein könnte.

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