So viel Liebe – unsere (Ab-)Stillgeschichte

Immer wieder habt ihr mich gefragt: „Sag mal, stillst du noch?“ Und ich wollte bisher nicht darüber schreiben. Wieso? Vielleicht, weil Stillen etwas sehr Intimes ist. Vielleicht auch, weil ich noch nicht bereit dazu war. Denn das Abstillen fiel mir nicht leicht, stürzte mich in ein schreckliches Gefühlschaos. Jetzt ist es raus. Nein, ich stille nicht mehr. Lasst mich erzählen, wie es dazu kam….

Vielleicht erinnert sich jemand: Klein C. und ich hatten eine schwierige Stillbeziehung, die damit anfing, dass sie erst im Alter von sechs Wochen überhaupt richtig stillen konnte (mehr darüber lest ihr hier). Und damit aufhörte, dass ich sie mit knapp über fünf Monaten komplett abstillte. Ich hatte ein permanent schlechtes Gewissen gegenüber meiner Tochter. Und ich wusste, dass ich, sollte ich noch ein Kind haben, alles dafür geben würde, dass wir eine bessere Stillbeziehung haben würden.

Ein wundervoller Stillstart

Als ich mit dem Babybruder schwanger war, wurde ich also zum „Stillstreber“. Trat Facebook-Gruppen bei, besorgte Stillliteratur, besorgte mir präventiv eine Pumpe, richtete mir eine Stillecke ein und kaufte jede Menge Stilltee. Ich bereitete mich mental auf einen weiteren Kampf vor. Schliesslich würde der Babybruder per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Und Kaiserschnitt-Babys sollen ja sowieso häufiger Stillschwierigkeiten haben.

Falsch gedacht. Kaum lag der Babybruder auf meiner Brust, begann er zu suchen und dockte an. Er hatte seinen Lieblingsplatz gefunden. Es war der Beginn einer innigen Stillbeziehung. Zwar musste ich am Anfang etwas zufüttern. Nach wenigen Wochen jedoch konnte ich jedoch voll stillen. Das Stillen funktionierte einfach. Es waren sehr innige Momente zwischen uns, Zwangspausen im hektischen Alltag einer Zweifach-Mama, welche ich sehr genoss. Deshalb wäre es mir nie in den Sinn gekommen, im Tragetuch zu stillen. So wie das viele Mamas tun.

Stillen und arbeiten

Als der Babybruder sechs Monate alt wurde, veränderte sich unsere Stillbeziehung. Für mich hiess es: back to work. Damit wurde die Pumpe an drei Tagen pro Woche meine beste Freundin. Es war mir sehr wichtig, dass der Babybruder ausschliesslich meine Milch bekam. Also pumpte ich, wusch ab, sterilisierte, schleppte die Pumpe durch die ganze Schweiz, fragte Apotheken im Berner Oberland an, ob sie mir einen Raum zur Verfügung stellen könnten… Ihr könnt es euch in etwa vorstellen.

Zudem bekam der Babybruder seine ersten Zähne und interessierte sich immer mehr für Beikost. Beides war für mich eine grosse körperliche Herausforderung. Denn mit den Zähnen begannen die Beissattacken, die trotz aller möglicher Tipps meiner Stillgruppe nicht enden wollten. Dadurch, dass ich nicht mehr voll stillte, bekam ich Blutungen, die nicht mehr aufhören wollten. Und dadurch wiederum einen Eisenmangel, den ich trotz Substitution nicht wegbekam. Das ist wohl ein hormonelles Problem, das schon bei Klein C. einer der Hauptgründe für das Abstillen war.

Zudem war ich durch das Stillen die einzige Bezugsperson des Babybruders in der Nacht. Und glaubt mir, der Babybruder schlief nicht gut. Er meldete sich mindestens alle zwei Stunden. Es gab aber auch Nächte, in denen er alle 30 Minuten an die Brust wollte. Solange ich mit den Kindern zu Hause war, war das in Ordnung. Als ich jedoch wieder arbeitete, wurde der Schlafmangel zunehmend zum Problem. Ich musste schliesslich leistungsfähig sein.

Teilweises Abstillen – der Anfang vom Ende

Und so entschloss ich mich, den Babybruder im Alter von 9 Monaten tagsüber abzustillen. Damit ich nicht mehr pumpen musste. Ich dachte, dass wir so noch lange weiterstillen könnten. Mindestens ein Jahr, so wie ich es mir vorgenommen hatte. Falsch gedacht. Durch das teilweise Abstillen wurde meine Milch immer weniger, der Babybruder immer unglücklicher an der Brust, die Beissattacken noch häufiger.

Eines Abends – der Babybruder war 10.5 Monate alt – als der Papa und ich in gutes Restaurant essen gingen, beschloss ich spontan, dass es das jetzt mit dem Stillen war und bestellte die Weinbegleitung. Ich hatte das Gefühl, dass ich das Stillen beenden musste, solange es noch mit positiven Gefühlen verknüpft war. Solange es es für uns beide mehr war, als bloss Pflicht.

Das Abstillen fiel mir emotional sehr schwer. Sicher auch hormonell bedingt, stürzte ich in ein tiefes Loch, weinte viel. Hinterfragte meinen Entscheid oft. Das Gefühlschaos wurde mit der Zeit besser, meinen Entscheid hinterfrage ich manchmal trotzdem noch. Gleichzeitig geniesse ich meine Freiheit: Ich kann auch mal weg – ohne Pumpe. Ich kann eine Kopfschmerztablette nehmen oder ein Glas Wein trinken ohne mir weitere Gedanken machen zu müssen. Und der Babybruder und ich kuscheln weiterhin viel – nur, dass jetzt halt noch eine Flasche mit im Spiel ist.

Deborah

1 Comment

  1. Antworten

    Sibylle

    12. Februar 2019

    Das Thema beschäftigt mich zur Zeit auch sehr. Soll ich abstillen oder nicht. Mein Sohn ist jetzt 9.5 Monate und ich stille ihn noch am Abend vor dem Einschlafen und nachts. Seit er in der Kita einen Milchschoppen bekommt, verlangt er den lautstark auch zu Hause. Nicht tagsüber, aber am Abend und in der Nacht nach dem Stillen. Nun wäre abstillen die einfachste Lösung und ich könnte auch mal wieder eine Nacht durchschlafen, wenn mein Mann sich um den Kleinen kümmert. Aber irgendwie bin ich noch nicht so weit… Ich weiss auch nicht ob mein Sohn das einfach so akzeptieren würde. Aber die Nächte sind halt schon sehr anstrengend: zuerst stillen, dann noch die Flasche geben. Ewig kann das nicht so weitergehen. Entweder wieder nur stillen oder sonst nur noch Schoppen.

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