Regeln, Konsequenzen, Strukturen – sind wir zu wenig streng?

Klein C. ist nicht das einfachste Kind auf der Welt. Diese Aussagen würden wir unterschreiben. Wir persönlich schätzen sie als normales, dreieinhalbjähriges Mädchen in der Autonomiephase mit starkem Willen ein, das sich mit der Entthronung noch immer schwer tut. Andere Zungen behaupten, unsere Tochter sei schwierig. Wir hätten sie nicht im Griff. Wir seien zu wenig konsequent. So direkt sagen es uns die Wenigsten. Die Blicke allerdings, wenn Klein C. mal wieder nicht das tut, was andere von ihr erwarten, sprechen Bände.

Und so mache ich mir meine Gedanken. Wenn es nach meinem Mann geht natürlich viel zu viele. Aber wir Mütter sind ja dafür bekannt, uns ständig zu hinterfragen. Lasst mich einige Beispiele nennen, weshalb ich manchmal denke, dass wir zu wenig streng sind.

Stellen wir zu wenige Regeln auf?

Schlaf: Andere Mütter diskutieren darüber, wie sie ihre Kinder von zwei auf einen Tagesschlaf bringen. Wie stressig, dass es sei, dass sie dann immer zu Hause bleiben müssten. Oder, dass sie ihre Kinder konsequent immer um 7 Uhr weckten.

Ich war beim Schlaf immer sehr bedürfnisorientiert. Der Babybruder etwa macht keinen klassischen Mittagsschlaf – er schläft meist vor dem Mittag und dann gegen 16 Uhr wieder. Ich habe meinen Kindern die Schlafenszeiten nie vorgegeben, bin ihrem Bio-Rhythmus gefolgt und habe sie im Wagen oder im Tuch überall schlafen lassen. Mal abgesehen von der Zeit, als C. bis 23 Uhr Party machte. Da wusste ich, dass es Zeit war, den Mittagschlaf abzuschaffen. Und ich weiss auch, dass C. wohl mehr Schlafstruktur braucht, wenn sie dann jeden Tag früh aufstehen muss, um in den Kindergarten zu gehen…

Essen: Bei anderen Eltern gibt es um 8 Uhr Frühstück, um 12 Uhr Mittagessen, um 16 Uhr Zvieri, um 18 Uhr Nachtessen. Punkt 18 Uhr versteht sich.

Bei uns wird gefrühstückt, wenn die Kinder Hunger haben. Das ist meist später am Morgen (zumindest bei C., der Babybruder ist schon früher hungrig, da er früher aufsteht). In der Konsequenz steht auch nicht um Punkt 12 Uhr Mittagessen auf dem Tisch. Warm gibt es eh nur, wenn ich Resten habe (unsere Hauptmahlzeit ist abends). Und ich sage C. beim Einkauf auch nicht, dass sie das Weggli jetzt nicht essen dürfe, weil es nachher Mittagessen gebe. Für mich ist es dann einfach Teil der Mittagsmahlzeit. Es ist für mich sehr wichtig, dass die Kinder ihr angeborenes Hungergefühl bewahren. Dazu gehört auch, dass es in Ordnung ist, wenn sie das Abendessen mal auslassen (Schokolade gibt es dann aber auch keine, immerhin…). C. muss auch nicht mit uns am Tisch sitzen, wenn sie nicht essen mag.

Strukturen: „Nein Tochter, du kannst heute Abend nicht mit C. spielen. Du musst noch baden!“

Nie im Leben käme dieser Satz von mir. Die Kinder baden, wenn sie Lust dazu haben oder es wirklich, wirklich nötig ist. Dass C. nicht abmachen, nicht spielen darf, weil wir andere Pläne für sie haben? Gibt es bei uns nicht. Ausser es bedeutet, dass wir jemand anderen dafür versetzen. Es gibt wenige Dinge, die Klein C. wirklich muss. Keine Küsse oder Umarmungen verteilen, mit anderen Personen spielen (wenn sie gerade sehr in ihre eigenes Spiel vertieft ist), etc. Und ja, wir zwingen unser Kind trotz frostigen Temperaturen nicht dazu eine Jacke zu tragen. Nach 30 Minuten in der Kälte verlangte sie selbst danach… Ihr hättet die Blicke sehen müssen…

Dürfen hingegen tut sie vieles. Wir vertrauen da unserem Kind. Ob das jetzt zu wenig konsequent ist? Vielleicht…

Jetzt nimmt es mich Wunder: Wie handhabt ihr das? Klare Regeln und Strukturen oder mehr Laissez-faire, respektive „Unerzogen“? Habt ihr mal angefangen mehr oder weniger Regeln zu setzen? Mit welchen Auswirkungen?

Schwierige Geschwisterbeziehung

Was ich mir allerdings wirklich wünschen würde wäre, dass sich die Beziehung zum Babybruder ein wenig entspannen würde. Die Situation ist zwar besser als auch schon. Manchmal spielen die beiden zusammen, besonders wenn es darum geht, gemeinsam Unheil anzurichten oder sich an gefährliche Stunts zu wagen. Meistens hingegen will sie nichts mit ihm zu tun haben und – was uns besonders stresst – schmeisst ihn um. Einfach so, ohne ersichtlichen Grund, von hinten. Ich bin innerlich schon 1000 Tode gestorben und habe uns oft im Kinderspital gesehen. Bis jetzt hatten wir Glück.

Aktuell lese ich gerade „Geschwister als Team„. Mal schauen, ob sich mit diesen Tipps etwas an der Situation ändern wird…

Deborah

3 Comments

  1. Antworten

    Isabelle

    18. Februar 2019

    Ganz spannender Artikel. Bei uns gibt es etwas mehr Regeln aber gewisse Sachen sind mir auch egal.
    Essen kommt ungefähr zur selben Zeit auf den Tisch aber richtet sich auch nach dem Tagesablauf. Der ist gerade wieder etwas strenger geregelt, da Babyboy einen schönen Rhythmus hat, den ich ungern ändern möchte. Aber Frühstück gibts auch mal im Zug, wenn ein grössere Ausflug ansteht oder so. Am Tisch muss er nur sitzen bleiben, bis er fertig gegessen hat. Nicht bis alle fertig sind.
    Baden und so muss etwas erzwungen werden, da der Grosse nie freiwillig in die Wanne würde. Hat dann aber trotzdem Spass.
    Das Problem bei mir ist etwas, dass ich selber Struktur brauche. Glaube aber auch, dass es den Kindern gut tut. In den Tag hineinleben ist nichts für mich und war es noch nie.
    Was mir aber sehr am Herzen liegt sind gewisse Anstandsregeln. Also keine Schuhe ufs Polster im Zug, im Laden nicht alles anfassen etc.
    Der Umgang mit dem Babybruder ist noch schwierig einzuschätzen. Einerseits gaaanz viel kuscheln, andererseits auch schlagen oder auch auf mal auf seine Hand stehen. Der Babybruder mag beides nicht.
    Mal sehen wie sich das verändert, wenn der Kleine mobiler und aktiver wird. Ich glaube aber auch, dass der Grosse noch etwas Mühe hat mir der Entthronung hat und die Trotzphase tut ihr übriges.
    Bin also auch immer hin und her gerissen zwischen Regeln und machen lassen.

  2. Antworten

    Tabita

    27. Februar 2019

    Ich habe mich auch immer gegen einen regelmässigen Tagesablauf gesträubt. Ich möchte spontan sein, mein Kind soll dann schlafen, wann es will, egal wo. Um Punkt 12 Uhr das Mittagessen auf den Tisch zu stellen war mir ein Graus. Doch da unser Sohn miserabel schläft, waren wir bei der Mütter-/Väterberatung. Sie hat uns empfohlen, den Tag zu strukturieren, möglichst zur gleichen Zeit die 3 Hauptmahlzeiten, möglichst zur selben Zeit Mittagsschlaf und Bettgehzeit am Abend. Und der Schlaf hat sich deutlich gebessert. Das bringt uns so viel mehr Lebensqualität. So halten wir uns jetzt möglichst an die Zeiten. Aber ich koche weiterhin nur dann, wenn ich Lust habe. Auch sie hat gefunden „ist doch egal wenn ihr Kind ein Joghurt zum Mittagessen isst – wenn es damit glücklich ist“.

  3. Antworten

    marianne

    27. Februar 2019

    Sehr schön zu lesen der Beitrag; wir wurden auch oft in diese Laisser-faire Ecke gestellt…ich denke es spielt überhaupt keine Rolle wie man es nennt, es muss einfach für alle Familienmitglieder stimmen. Irgendjemand wird mein Kind oder mich immer komisch anschauen und den Kopf schütteln…;-)
    Hoffe fest es klappt dann bei euch gut mit dem umstellen auf die Kiga Zeiten. Das war eher mühsam bei uns und nun sehr massgebend in unserem Tagesablauf. Die Beziehung zu den jüngeren Geschwistern mit Eifersucht& Entthronung war nie ein Thema, die waren dann wie selbstverständlich mit und bei uns zum spielen, kuscheln etc. Wir kennen eher die Szene dass der Kleinste eifersüchtig wird wenn Mama oder Papa die Grossen herzen 🙂 Ich würde dem ganzen nicht allzuviel Beachtung schenken (Schubsen etc.) sondern das Gute hervorheben und die Grosse als Expertin einspannen im Alltag (Babybruder auch mal wickeln lassen, ihm Sachen beibringen usw…) Viel Glück, ihr macht das super.

LEAVE A COMMENT

RELATED POSTS