Weshalb ihr eurem Beckenboden Sorge tragen sollt

Der Beckenboden – von kaum einem anderen Muskel hört die Schwangere häufiger. Man sagt ihr ständig, sie solle dies und das nicht tun. Denn sie müsse unbedingt ihren Beckenboden schonen. Was der Beckenboden genau ist und welche Funktion er hat, darüber wird meist geschwiegen. Dabei wäre es so wichtig, über die Konsequenzen zu sprechen, wenn der Muskel nicht mehr so funktioniert, wie er eigentlich soll.

Deshalb eine kurze Erklärung, ganz einfach, in den Worten meiner Physiotherapeutin: „Der Beckenboden ist die Muskelschicht ganz unten im Becken, die dafür sorgt, dass alles an seinem Platz bleibt – also etwa der Darm oder die Gebärmutter. Ohne Beckenboden würden die Organe einfach unten durch das Loch im Boden rausdrücken.“ Und genau das kann im schlimmsten Fall passieren, wenn der Beckenboden ruiniert ist. Und so selten kommt das gar nicht vor, nur dass ihr es wisst.

Aber fangen wir ganz vorne an. Denn natürlich ist auch dieses Thema eines, das aus persönlicher Betroffenheit entstanden ist. Während der Schwangerschaft konnte ich mir schwer vorstellen, dass mein Beckenboden jemals zum Thema werden würde. Schliesslich machte ich die entsprechenden Übungen, seit ich von dessen Existenz wusste und hatte das Gefühl, alles sei am richtigen Platz. Also hob ich nach wie vor schwere Kisten – schliesslich stand drei Wochen nach dem errechneten Geburtstermin der Umzug in eine neue Wohnung an.

Beckenboden-Probleme können auf junge Frauen betreffen

Wie sehr ich mich doch irrte. Denn bei Klein C.s Geburt lief alles anders als geplant. Ich lag sehr lange in den (viel zu starken) Wehen, Klein C.s Kopf war riesig und zum Schluss musste sie mit der Saugglocke geholt werden. Was natürlich die entsprechenden Verletzungen nach sich zog. Und meinen Beckenboden so ziemlich ruinierte. Schon die Ärztin, die Klein C. auf die Welt holte, meinte, ich würde Beckenboden-Physiotherapie benötigen. Im Spital kam dann auch kurz eine Physiotherapeutin vorbei, zeigte mir die Übungen, die ich schon kannte und meinte, ich sollte im Wochenbett hauptsächlich liegen.

Innerlich lachte ich sie nur aus. Ich wusste, dass dies unmöglich sein würde. Schliesslich würde ich mit Klein C. alleine zu Hause sein. Und eben, da war auch noch der Umzug, bei dem man auf keinen Fall auf mich verzichten werden könne. Und so tat ich überhaupt nichts um meinen Beckenboden zu schonen.




Der erste Schreck kam etwa 3 Monate nach der Geburt, als ich wieder so etwas wie ein Gefühl für meinen Körper besass und merkte, dass da nicht mehr alles am richtigen Platz war. Leicht panisch ging ich zu meiner Gynäkologin. „Das ist ganz normal so kurz nach der Geburt. Gehen Sie einfach in die Rückbildung und heben Sie nichts Schweres“, meinte sie. Also tat ich das. Doch leider brachte es überhaupt nichts.

Beckenboden-Physiotherapie hilft

Ab dem Zeitpunkt der Geburt gehört ich zu den Frauen, die mit Beckenbodenproblemen zu kämpfen hatten. Ich möchte sie hier nicht ausformulieren. Aber ich fand mich definitiv zu jung dafür. Klar, ich schämte mich dafür. Wusste aber, dass sich viele Frauen eben genau wegen dieser Scham keine Hilfe holen. Also jammerte ich meiner Gynäkologin beim jährlichen Routine-Check wieder die Ohren voll. Sie verschrieb mir sofort Physiotherapie und erklärte mir, dass auch eine Operation möglich sei, wenn diese nichts nütze und der Kinderwunsch abgeschlossen sei.

Und so meldete ich mich für die Beckenboden-Physiotherapie an. Es war mir zuerst wahnsinnig peinlich, mit diesem Befund in der Praxis aufzutauchen. Aber es lohnte sich: bereits nach der zweiten Sitzung waren die Beschwerden praktisch weg. Durch Strom (keine Sorge, rein äusserlich) gelang es der Physiotherapeutin Muskeln zu aktivieren, die ich zuvor einfach nicht mehr gespürt hatte.

Und so gelang es mir innerhalb von zwei Monaten meinen Beckenboden wieder zu rekonstruieren. Zumindest bis zum Punkt, an dem ich keine Beschwerden mehr hatte. Und ich ärgerte mich sehr darüber, dass ich mich ein ganzes Jahr damit herumgeschlagen hatte. Deshalb, ihr Lieben: Wenn ihr das Gefühl habt, dass mit eurem Beckenboden etwas nicht stimmt, holt euch professionelle Hilfe. Denn damit und einigen ganz einfachen Verhaltenregeln kann man den Beckenboden in aller Regel wiederherstellen.

Deborah Lacourrege

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