Die ewigen Vergleiche unter Müttern nerven

Wenn sich zwei Mamas treffen, dann läuft das Gespräch ungefähr so:

„Hoi X. Wie geht es euch?“

„Hoi Y. Es geht so. Der kleine Enea-Lio schläft immer noch nicht durch. Dafür kann er mit seinen sechs Monaten schon sitzen. Und bei euch?“

„Uns geht es so mässig. Anna-Lou war halt viel krank. Wow, er sitzt schon? Das konnte unsere Kleine erst mit neun Monaten. Dafür ist sie schon mit fünf Monaten gekrabbelt. Macht er das schon?“

 

Mütter lieben es ihre Kinder untereinander zu vergleichen…

Vielleicht wisst ihr, worauf ich hinaus will. Mütter lieben es, ihre Kinder untereinander zu vergleichen. Sie machen es nicht mal bösartig. Oft ist es das einfachste Smalltalk-Thema. Schliesslich ist es nicht immer leicht, mit seinen Mütterberatungs- und Kindergarten-Bekanntschaften ein gemeinsames Gesprächsthema zu finden.

Ich schätze diese Bemühungen ja sehr. Aber wenn dein Kind ein Spätzünder ist, was die motorische Entwicklung betrifft, nerven diese Vergleiche einfach nur. Oder noch schlimmer: Sie führen zu leichten Panikattacken. Etwa, wenn du als Neu-Mama noch sehnlichst darauf wartest, dass dein Kind mit drei Monaten den Kopf endlich selber halten kann. Während der sechswöchige Sohn deiner Freundin schon keck in der Weltgeschichte herumschaut.

Dann schleppst du dein Kind zum Kinderarzt. Willst einfach nur hören, dass alles in Ordnung ist, mit deiner Tochter. Und natürlich ist dem so. Denn Monatsangaben, die sogenannten Meilensteine, sind nur Richtlinien

Irgendwann wurde ich dann entspannter. Las die monatliche Entwicklung gar nicht mehr nach – zumindest was die Grobmotorik betrifft. Irgendwann las ich, dass Kinder unterschiedliche Prioritäten haben. Da dachte ich mir, dass sie wohl einfach mit etwas anderem beschäftigt war. Dafür war ich entzückt zu hören, dass Klein C. offenbar sehr früh dran war, was den Pinzettengriff betrifft.

Eine erneute Krise durchlief ich, als Klein C. mit neuen Monaten noch nicht sitzen konnte. Nicht, dass ich ihr nicht vertraut hätte. Ich war mir sicher, dass alles in Ordnung war. Aber es nervte langsam. Während andere Mütter ihre Babys schon in den Hochstuhl setzen konnten, hatte ich mein Kind bei Restaurant-Besuchen noch in halbliegender Position auf dem Schoss. Und bekam dafür viele mitleidige Blicke.

Nein, es ist nicht lustig, in dieser Gesellschaft, in der sich offenbar alles um die grobmotorische Entwicklung der Kinder dreht, Mutter eines Spätzünders zu sein. Neben den Vergleichen beginnen dich die Leute zu fragen, ob mit deinem Kind wohl alles stimmt. Auch wenn der Kinderarzt immer wieder versichert, dass dem so sei. Dass dein Kind gleichzeitig schon die lustigsten Laute von sich gibt, früher als üblich beginnt auszuräumen und Seiten umblättern kann, interessiert niemand. Dabei sind das genau so wichtige Entwicklungsschritte.
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Vertraut euren Kindern

Das einzige was du als Mama tun kannst ist, deinem Kind zu vertrauen. Auf seine Bedürfnisse einzugehen und es bei seiner Entwicklung zu unterstützen. Denn irgendwann wird noch jedes gesunde Kind die motorischen Meilensteine hinter sich gebracht haben.

Übrigens: Sobald Klein C. sich aufsetzen konnte (mit neuneinhalb Monaten) verlief ihre motorische Entwicklung rasant. Eine Woche später stand sie, zwei Wochen später krabbelte sie rasant durch die Wohnung. Und mit 13 Monaten wagte sie ihre ersten freien Schritte. Und plötzlich war sie kein Spätzünder mehr.

Deborah Lacourrege

1 Comment

  1. Antworten

    Moana Werschler

    16. Januar 2017

    Du sprichst mir voll aus dem Herzen!!!

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