Entschleunigen mit Corona – ist das euer Ernst?

 

Alles ist ja so toll, wenn man nicht mehr raus soll. Der ganze Freizeitstress, der wegfällt. Endlich kann man seine Kinder mal richtig geniessen. Sich mit allem viel Zeit lassen. Basteln, Malen, die Wohnung und den Garten neu gestalten. Lange Spaziergänge im Wald. Schlangenbrot bräteln über der Feuerstelle. Slow Family und so. Tönt alles wunderbar. Und funktioniert auch sicher so, wenn man in einem traditionellen Familienmodell mit Einfamilienhäuschen inklusive Garten lebt.

Und ja, ich muss gestehen: In der aktuellen Situation beneide ich alle Familien, die sich für genau diesen Lebensentwurf entschieden haben. Versteht mich nicht falsch: Ich liebe meinen Beruf. Und ich liebe das Stadtleben. Ich liebe es in unserer Wohnung mitten im Stadtzentrum zu sein. Ich liebe Menschen um mich herum, die kosmopolitische Atmosphäre. Aber in Zeiten von #staythefuckhome ist das alles nur scheisse. Bitte entschuldigt die Wortwahl, mit Kraftausdrücken um mich zu werfen, ist so überhaupt nicht meins. Aber ist ist aktuell so wie es ist: scheisse.

Home Office mit Kindern – ernsthaft?

Man soll gefälligst weiter arbeiten. Und zwar von zu Hause aus. Und auch die Kinder zu Hause behalten. Aus Solidarität und so. Der Begriff „Vereinbarkeit“ bekommt beim Versuch, Kinderbespassung mit Home Office zu kombinieren, eine ganz neue Dimension. Immer wieder frage ich mich, wie ich diese himmlischen Prä-Corona-Zustände als anstrengend empfinden konnte…

Sicher, wir haben uns ein Netzwerk aufgebaut. Hätten theoretisch jemanden in der Nachbarschaft, der an unseren Arbeitstagen auf unsere Kinder aufpasst. Zumindest einige Stunden. Nur hält der Babybruder nicht viel davon. Also versteht mich nicht falsch, er spielt sehr gerne mit anderen Kindern. Und in die Kita geht er wahnsinnig gerne. Aber sich auf Kommando von „Mamamami“ zu trennen, geht aktuell nicht. Da wird herzzerreissend geschrien und sich mit ganzer Kraft an Mamas Bein geklammert. Dabei hätte Mama ja nur eine halbe Stunde Ruhe gebraucht, um an ihrer Blattkritik teilzunehmen. Die einzige Lösung: Das zu tun, was ich eigentlich nie tun wollte. Mit dem Kind auf dem Schoss zu arbeiten. Geht manchmal. Und manchmal überhaupt nicht.




Stadtleben vs. Virus

Und dann wären da noch die anderen Tage. An denen ich die Kinder zu 50 % davon abhalten muss, in Papas Home Office alias Wickel- und Wäschezimmer zu stürmen. Klar, in normalen Zeiten würde ich sie einfach packen und mit ihnen rausgehen. Wenn  wir an einem Waldrand leben würden, täte ich das auch. Nur hier in der Stadt sind immer Leute draussen. Und sehr viele halten nichts von der 2-Meter-Regel. Egal wie langsam ich mit den Kindern unterwegs bin – immer mal wieder muss uns jemand von hinten überholen ohne den nötigen Abstand.

Auf unsere Lieblingsspielplätze können wir nicht – zu viele Leute. Der Stadt entkommen und in die Natur fliehen? Der Weg in den Wald ist zu lang und zu steil, dass er mit dem Velo beklommen werden könnte. Un der Spazierweg an der Limmat ist trotz Corona dicht bevölkert…. Wir bewegen uns in einem Radius von 500 Metern und wissen langsam, wie sich ein Hamster in seinem Rad fühlen muss.

Und jetzt mal ehrlich, wie geht es euch in dieser Corona-Zeit?

Deborah

4 Comments

  1. Antworten

    Lisa

    9. April 2020

    Uns gehts genau gleich. Wir wohnen ebenfalls in der Stadt und sind als Eltern beide berufstätig. Mittlerweile bin ich froh, wenn mein Partner ins Büro geht, das im Gegensatz zu meinem immer noch geöffnet hat, statt von zuhause aus zu arbeiten. So versperrt er wenigstens kein Zimmer, denn unsere Wohnung ist ohnehin schon nur so gross wie nötig. Ich laufe auf dem Zahnfleisch, weil ich halt immer noch zu tun habe, wenn endlich alle schlafen. Aber ich bin ja nur eine „dumme“ Frau (komme mir leider so vor) und selbst schuld, wenn ich solidarisch mit unserer Kita und einer Gesellschaft bin, die bis heute herzlich wenig solidarisch mit der Situation arbeitender Eltern ist.

    • Antworten

      Deborah

      21. April 2020

      Das mit der „dummen“ Frau habe ich mir in letzter Zeit auch oft gedacht. „Dumm“, die Kinder nicht in die Kita zu schicken. „Dumm“, sie dafür entschieden zu haben, berufstätig zu bleiben…

  2. Antworten

    Dresden Mutti

    14. April 2020

    Ich fühle mit dir! Ich habe das Experiment Homeoffice mit Kindern schon nach einer Woche abgebrochen, weil es nicht nur für mich, sondern auch für die Kinder ziemlich sch**ße lief. Erst nahm ich Urlaub, inzwischen ist meine Firma sowieso auf Kurzarbeit und ich muss erstmal gar nicht arbeiten, deswegen geht es uns tatsächlich sehr gut. Im Mai hoffe ich, wieder arbeiten zu können, aber erstmal nur 20 Stunden. Mal schauen, wie das wird.

    • Antworten

      Deborah

      21. April 2020

      Ich habe auch Kurzarbeit, arbeite aber einfach etwa 3 Stunden weniger pro Tag. Sonst würde es gar nicht gehen…

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