„Mamamamamamamamaaaaaa!“

„Es wird dich nie jemand so lieben, wie unser Sohn dich liebt“, sagte mein Mann kurz nach der Geburt des Babybruders. Zuerst verstand ich es als Affront. Sollte das etwa heissen, dass unsere Tochter mich nicht liebte? Und überhaupt, was war mit meinem Ehemann? Fast zwei Jahre später muss ich eingestehen, dass er recht hatte. Die Liebe des Babybruders ist zwar wunderschön, gleichzeitig erdrückt mich diese unglaubliche Kraft an Gefühlen fast.

Der Babybruder kann nicht ohne mich. Oft bricht es mir das Herz. Wenn ich zum Beispiel am Morgen arbeite gehe und jeweils schrecklich weinendes Kind beim Papa (der Kita-Dienst hat) zurücklasse. Wenn der Papa versucht den Babybruder ins Bett zu bringen und mit „Neeeeeei, Mamaaaaaa“, aus dem Zimmer geworfen wird. Wenn er ihn tragen, wickeln, anziehen oder nur schon beim Essen neben ihm sitzen will. „Mammamammamammamama!“

Das ist keine Papa-Aversion. Auch wenn er es sich teilweise sehr zu Herzen nimmt. Denn bei anderen Personen benimmt sich der Babybruder genau gleich. Ist die Grossmutter da und Mama will kurz ins Bad mit geschlossener Türe, bekommt der Babybruder davor beinahe einen Nervenzusammenbruch. Fällt er mal wieder hin oder hat sich bei einem seiner Stunts Schmerzen zugefügt (was sehr oft der Fall ist), scheint er auf den Armen anderer untröstlich. Bis Mama kommt. Dann ist die Welt des Babybruders wieder in Ordnung.

Ist der Babybruder ein Muttersöhnchen?

„Der ist aber ein Mamatitti“, höre ich in solchen Situationen ganz oft und weiss nicht genau, was ich mit dieser Aussage anfangen soll. Irgendwie hat der Ausdruck etwas Negatives für mich, wird er doch oft mit Muttersöhnchen gleichgesetzt. Es stimmt, dass ich diese extreme Mama-Fixiertheit von Klein C. nicht kannte. Zumindest nicht in diesem Ausmass. Sicher, ich erinnere mich gut an unseren Heimflug von Australien, als ich bereits an starker Schwangerschaftsübelkeit litt, sich C. aber standhaft weigerte auch nur eine Sekunde auf dem Schoss des Papas zu sitzen. Vielleicht ist genau diese Erkrankung, die Hperemesis Gravidarum, der Grund, dass C. sich nie so stark auf Mama fixieren konnte. In ihrer ganz extremen Mama-Phase musste sich fast immer von anderen Personen betreut werden, weil Mama nur noch im Bett liegen und sich erbrechen konnte. Das tut mir bis heute leid.

Der Babybruder hatte diesen Zwangsunterbruch nicht. Und seine Liebe gegenüber mir ist auch mit fast zwei Jahren noch ungebrochen. Ich bin seine Welt. Ist er in Mamas Armen, ist alles wieder in Ordnung. Egal wie schrecklich es ihm zuvor ergangen war. Keine Frage, ich geniesse es. Und zwar jeden einzelnen dieser magischen Momente, in der er wieder mal ganz viel Mama-Nähe braucht. Denn ich weiss, dass er irgendwann ein schlecht gelaunter Teenager sein wird und nichts mehr von mir wissen will.

Gleichzeitig wird mir diese Liebe, respektive die Verantwortung, die sie mit sich bringt, manchmal zu viel. Ich bin erschöpft vom Rumtragen. Vom wenig Schlafen. Vom Trösten. Vom nicht eine einzige Sekunde mal für mich alleine sein können. Und ich vermisse die Exklusiv-Momente mit Klein C., die eben ihre Mama auch noch ganz fest braucht. Wie sind eure Erfahrungen mit Mama-fixierten Kindern? Hat sich die Situation irgendwann entspannt?

Übrigens: Der Babybruder weigert sich nach wie vor standhaft „Papa“ zu sagen. Er nennt seinen Erzeuger konsequent „Mamba“.

Deborah

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