Hilfe, wo ist mein Baby hin?

Klein C. war ein Baby, das sich mit so vielen Dingen Zeit liess. Drehen? Krabbeln? Sitzen? Alles völlig überbewertet! Damit stresste sie ihre Mama ganz schön. Und zwar so sehr, dass sie Stunden mit der Lektüre von Babyratgebern und Online-Foren verbrachte, nur um am Schluss bei “Babyjahre” von Remo Largo zu landen, der ihr sagte, dass ihr Kind sich motorisch noch absolut im Normalbereich entwickelte.

Beim Babybruder habe ich “Babyjahre” kein einziges Mal hervorgeholt. Um ehrlich zu sein, ich weiss nicht mal, wo es genau ist. Nicht, dass ich schon auswendig könnte, wann Kinder dieses oder jenes tun. Ich habe es eher wieder komplett vergessen. Weiss bloss noch als Anhaltspunkt, wann C. die motorischen Meilensteine erreichte, weil ich sie gewissenhaft in ihr Gesundheitsheft eingetragen habe.

Der Babybruder ist leider einer, der sich keine Zeit lässt. Und zwar bei gar nichts. Kennt ihr die Theorie, dass die Kinder nur jeweils eine Entwicklung aufs Mal durchmachen können? Also entweder Zahnen, Grobmotorik, Feinmotorik oder Sprache? Der Babybruder kennt sie nicht. Oder weigert sich, diese zu kennen.

Die grosse Schwester als Vorbild

Als er sich mit 2.5 Monaten zu drehen begann und mit 5 Monaten den ersten Zahn hatte, dachte ich mir: “Oje, da hat es einer wohl eilig, gross zu werden!” Dabei hätte Mama ja alle Zeit der Welt gehabt. Ich hätte gar nichts dagegen, wenn der Babybruder noch eine Weile lang Baby bleibt. Nur davon hält er so gar nichts. Er schmachtet seiner grossen Schwester hinterher. Will alles tun, was sie auch macht. Alles haben, was sie auch hat. Seit der Kleine mobil geworden ist, führt das zu ziemlich vielen Konflikten. Das ist ziemlich anstrengend, sage ich euch.

Und so kommt es, dass der Babybruder mit 9 Monaten schon krabbelt, sitzt, steht und – als Laufhilfe – Stühle durchs Wohnzimmer schiebt. Und das ist nur die Grobmotorik. Des weiteren brabbelt der Kleine munter drauf los, “Dada”, “Mama”, “Papa”, gehören zu seinem Repertoire. Er plaudert munter am Esstisch mit und beschwert sich lauthals, wenn er nicht in die Konversation miteinbezogen wird. Er hat sechs Zähne und übt mit seinen Babysnacks fleissig den Pinzetten-Griff.

Schon bald bist du ein Kleinkind

Klar, irgendwie bin ich ja stolz darauf, wie gut er sich entwickelt. Bin froh, dass er ein gesunder, fitter Junge ist. Trotzdem macht mich seine Turbo-Entwicklung wehmütig und erinnert mich täglich daran, dass ich in drei Monaten ein Kleinkind zu Hause haben werde.

Immerhin: bei zwei Dingen lässt sich der Babybruder Zeit. Er ist sehr zierlich, turnt mit dem Gewicht in den unteren Perzentilen herum. Mein Rücken findet das gar nicht so schlecht, denn von Mama will der Babybruder nach wie vor ausschliesslich getragen werden. Und Haare hat der Kleine auch noch sehr wenige. Sie wachsen – das ist unbestritten. Trotzdem ist er immer noch kahler als viele Neugeborene. So wird L. wenigstens noch optische eine Zeit lang ein Baby sein…




Deborah Lacourrege

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