Ein Plädoyer für Samichlaus, Christkind und Co.

Ich bewege mich ja sehr gerne in meiner alternativen Attachment-Parenting-Monetessori-Unerzogen-Barfusschuh-Trage-Wasauchimmer-Blase. Ich tausche mich gerne mit gleichgesinnten Müttern aus und bin immer wieder bereit, zum Wohl der Kinder und der ganzen Familie, Alterhergebrachtes zu hinterfragen. Letzte Woche war natürlich mal wieder das Thema „Samichlaus“ (respektive Nikolaus für mein Leserinnen aus Deutschland und Österreich) aktuell.

Da wird moniert, wie schlecht es sei, wenn ein fremder alter Mann die Kinder lobe und vor allem rüge. Wie die Kinder dann während des ganzen Jahres in Angst leben müssten, weil sie ständig von einem Mann mit düsterem Gesellen und potentieller Rute überwacht würden. Und überhaupt, ist es nicht falsch, sein Kind anzulügen, indem man ihm vom Christkind, dem Weihnachtsmann, dem Wichtel, dem Osterhasen und vielleicht auch noch von Frau Holle, dem Drachen in der goldenen Höhle oder was auch immer erzählt?

Bestrafend oder wohlwollend

Ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht meine eigenen Gedanken dazu gemacht hätte. Haben diese Stimmen tatsächlich recht? Oder plappern in dieser bedürfnissorientiertemnBlase einfach mal wieder alle allen nach (was ja so im Allgemeinen ein sehr menschliches Phänomen ist)? Es ist tatsächlich so, dass ich mit dem traditionellen bestrafenden und überwachenden Samichlaus, wie er vielleicht noch vor 50 Jahren auftrat, meine Mühe habe. Schauermärchen, dass der Schmutzli (der Schweizer Knecht Rubrecht) die unartigen Kinder in den Sack stecke und mitnehme, sind genau so fehl am Platz, wie die Tatsache, dass vermeintlich ungezogene Kinder früher ein Rute (jaja, die Tracht Prügel war ja leider vor nicht allzu langer Zeit eine legitime Erziehungsmethode) bekamen, statt ein Säckli mit Leckerbissen bekamen.

Ein bestrafender Samichlaus ist definitiv nichts für zarte Kinderseelen. Aber der ist schon lange Vergangenheit. Denn die Verantwortung, wie wir den Kindern den Samichlaus vermitteln, liegt bei uns Eltern. Drohen wir das ganze Jahr über damit, dass der Samichlaus kein Säckli mitbringen wird, wenn das Kind nicht spurt, ist das sicher der falsche Weg. Aber ein wohlwollender, lobender Samichlaus, der die Eigenarten des Kindes kennt und mit seinem Freund dem Schmutzli eine schöne Geschichte erzählt, ist für mich Teil der Adventszeit.

Die Magie der Kindheit

Denn unsere Kinder haben keine Angst vor dem Samichlaus. Im Gegenteil: C. übte wahnsinnig motiviert ein Gedicht mit zwei Strophen – und traute sich in der Kita gemeinsam mit den anderen Kindern dieses sogar dem Samichlaus vorzusagen. Am Abend alleine traute sie sich nicht. Der Samichlaus reagiert wundervoll: „Weiss du C., dann sagst du es einfach später in die Nacht hinaus. Du weiss ja, dass ich dich von überall her höre.“ Und das tat unsere Tochter dann auch. Unser Sohn verwickelte den Samichlaus übrigens sogar in ein Gespräch über die selbstfahrende Brio-Bahn, die er seit seinem Geburtstag besitzt und von der er ein kleines bisschen Angst hat. Sein Wort des Abends war „Schmutzli“.

Ob ein Kind Angst vor dem Samichlaus hat, hat zu einem grossen Teil damit zu tun, wie ihm diese Eltern die Figur vermitteln. Wir haben stets versucht, ein freudiges Ereignis daraus zu machen statt stets damit zu drohen, dass der Samichlaus aber nichts bringen werde, wenn die Kinder mal wieder nicht das tun, was sie sollen.

Dieser wahnsinnig gelungene Abend zeigt uns einmal mehr, dass Figuren wie der Samichlaus, das Christkind, die Zahnfee oder der Osterhase wahnsinnig wichtig für unsere Kinder sind. Sie verleihen ihrem Alltag Magie. Und genau diese empfinde ich im nicht immer einfachen täglichen Leben als bitter nötig. Die Realität des Erwachsenenlebens wird sie schon früh genug noch einholen.

 




Deborah

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