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Darf ich mein Kind bestechen?

by Deborah

Nein, offiziell mache ich das natürlich nie! Niemals! Das wäre ja höchst verwerflich! Ich begegne meinen Kindern ja schliesslich auf Augenhöhe. Sie kooperieren aus eigenem Willen, weil wir eine Lösung gefunden haben, die für alle stimmt.

Und dann gibt es da die Realität: Natürlich finde ich es total doof, meine Kinder mit Versprechungen zu etwas zu bringen. Natürlich hätte ich am liebsten immer die Zeit und die Nerven alles so lange zu diskutieren, dem Kind die Zeit zu geben, bis es von selbst kooperiert. Oder – um ehrlich zu sein – auch einfach mal das tut, was ich sage. Aber dann will L. sich morgen einfach nicht anziehen. Es ist schon 7:55 Uhr. Ich habe den ersten Call um 8:30 Uhr. Wir sollten bereits jetzt in der Kita sein. Stattdessen zelebriert mein Kind seinen Morgen im Pijama. Sämtliche Kleidungsvorschläge sind des Teufels. Und sich selber aus der Schublade zu bedienen wäre natürlich uncool.

Braucht das Kind einfach nur mehr Zeit um sich von seinem Pijama zu verabschieden (es hatte bereits eine Stunde)? Oder ist das sein Weg uns zu sagen, dass es an diesem Morgen auf keinen Fall in die Kita will (das ist keine Option)? Beides ist möglich, aber in diesem konkreten Fall komplett egal. Und so vernachlässige ich meine Erziehungspflicht komplett und werde zur Rabenmutter: „L., schau mal, wenn du mir ab jetzt morgens mithilfst, dass wir es rechtzeitig in die Kita schaffen, dann kriegst du den grossen Brio-Bahn-Tunnel.“ Da, ich habs getan. Ich hab mein Kind bestochen.

Ist es wirklich so schlimm, sein Kind zu bestechen?

Um ehrlich zu sein kommen solche Situationen öfter vor, als mir lieb ist. Ich schätze mal mehrmals täglich. Klar, es geht nicht immer um Geschenke. Da wäre ich schon längst pleite. Aber es geht öfters darum, dass ich die Kinder mit Dingen, die sie schätzen, dazu bringe, etwas zu tun, das ich möchte. Sei es die Aussicht auf einen Ausflug, eine Folge Paw Patrol oder ein zusätzliches Kapitel des Lieblingsbuches. Jedes Mal fühle ich mich ein bisschen schlecht dabei. Die Kinder hingegen sind glücklich, weil sie wieder einen bestimmten Ding hinter potentiell ungeliebten Dingen sehen.  Tatsache ist auch, dass irgendwann die Kooperationsbereitschaft jedes Kindes erschöpft ist. Bei C. dauert dies bereits deutlich länger. Ich hoffe also, ich mit zunehmendem Alter meiner Kinder auch immer seltener zum Mittel der Bestechung greifen muss…

Das Einzige, was ich tatsächlich nicht tue, ist mit Süssigkeiten zu bestechen. Da bin ich als ehemalige Essgestörte sehr vorsichtig. Ich will nicht, dass das Gehirn meiner Kinder Süsses mit Belohnungen verbindet. Hoffen wir mal, das funktioniert.

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