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Gate Keeping – oder wenn Mütter alles alleine machen wollen

by Deborah

Ja, der Titel provoziert. Er könnte von einem Mann stammen. Respektive stammt er wohl auch. Ich bin mir relativ sicher, dass der Papa mir das einige Male genau so gesagt hat, als wir über das Thema „Mental Load“ diskutierten. Ich warf ihm war, er denke zu wenig mit, deshalb sei ich so erschöpft. Er antwortete, dass ich gar nicht wolle, dass er bei gewissen Kinderthemen involviert sei, weil ich das sowieso auf meine Art machen wolle. Gate Keeping eben. Oder auf Deutsch: Auf das eigene Revier aufpassen und denn Mann betreffend Kinder aussenvorlassen.

Wohl angemerkt, diese Diskussion fand vor dem winterlangen Home Office und vor meiner Schwangerschaft statt. Und irgendwie hatten wohl beide recht. Fakt ist, dass Mama ein „Mein Konto“ bei der Stadt Zürich besitzt um C.s Betreuung und Ferienkurse zu verwalten. Nur Mama bekommt die Emails von der Krippe. Mama kümmerte sich jeweils darum, dass die Kinder genügend Kleidung in der richtigen Kleidung in ihrem Schrank vorfanden. Dass sie für ihre Freizeitkurse angemeldet waren und dort auch rechtzeitig auftauchten. Sie ging mit den Kindern zum Coiffeur, zum Arzt, zum Zahnarzt. Sie machte die wöchentliche Menüplanung und sagte dem Papa, was er dafür einzukaufen hatte. Sie plante sich „Haushalts-Morgen“ ein, wenn die Wohnung mal mehr wieder mehr Schlachtfeld als sonstwas war. Und nervte den Papa am Wochenende jeweils damit, er solle gefälligst den Balkon, den Keller oder anderweitiges aufräumen.

Und jedes Mal, wenn sie sich darüber beschwerte, brachte der Papa den gleichen Satz: „Ach, du willst das doch gar nicht abgeben, weil ich es vielleicht komplett anders machen würde!“ Bis zu einem gewissen Punkt hatte er vielleicht sogar recht. Nicht, dass ich mir diese ganze Verantwortung bewusst aufgebürdet hätte. Aber es ist tatsächlich so, dass ich sehr gerne die Dinge unter Kontrolle habe. Diese abzugeben fiel mir nicht leicht.

Ich gebe zu, ein gewisser Teil war Gate Keeping

Doch als ich mit unserem dritten Kind schwanger wurde, hatte ich keine andere Wahl. Wieder leide ich an Hyperemesis Gravidarum, schlafe schlecht, habe chronische Kopfschmerzen und sämtliche Bewegung wird durch meine Symphysenlockerung zur Tortur. Ich habe erkannt, dass ich nicht mehr alles machen kann. Und das auch gar nicht will. Mein Körper gibt ganz klare Zeichen in Form von Blutungen oder übermässigen Übungswehen.

Und so musste ich lernen, einen Teil der Verantwortung und meiner Aufgaben abzugeben. Und zwar ohne dies die ganze Zeit zu kontrollieren. Eine ziemliche schwierige Sache, mit der ich den Papa wohl mehr als einmal nervte. Ich denke, dass er zu einem Teil froh war, in Bezug auf unsere Kinder gleichberechtigter zu sein. Gleichzeitig merkte er, wieviel Organisatorisches ich in unserem Alltag eigentlich leistete.

Ich müsste lügen, wenn die Kinder nicht mal mit massiv zu kurzen Hosen rausgegangen wären, weil diese niemand aussortiert hatte. Oder dass am Abend auch mal Take-Away statt Selbstgekochtes auf den Tisch kam, weil dies niemand geplant hatte und entsprechend einkaufen ging. War aber auch nicht wirklich schlimm. Socken sei Dank fror niemand an die Knöchel und Asia-Take-Away mögen alle gerne. Wir lernen ständig dazu, organisieren unseren Familienalltag neu. Auch der Papa bringt die Kinder nun zu ihren Hobbies.

Übrigens: Den ersten wichtigen Termin, den ich nach einer Gate-Keeping-Diskussion, vielleicht etwas trotzig an den Papa abgab, war ein Termin im Kinderspital. L. musste nach seiner Aplasia Cutis Congenita Operation die Fäden ziehen lassen. Bisher waren L.s Arzttermine komplette Mama-Sache – auch, weil er sehr auf mich fixiert war. Da L. aber je länger je mehr zum Papa-Kind wird, fiel mir diese Entscheidung relativ leicht. Und der Papa war froh, diese Verantwortung zu übernehmen.

Bis zum Morgen des Termines, als er mich erneut fragte, wann er denn ungefähr gehen müsse, um um xx Uhr dort sein zu müssen. Ich entgegnete ihm, dass er sich ja sowieso 15 Minuten vor der angegebenen Zeit in der Polyklinik anmelden müsse. Man muss betonen, dass dies im Termin-Brief der Kinderspitals stand, den ich ihm in die Hand gedrückt hatte. Der Papa erbleichte und fragte: „Wieso hast du mir denn das nicht gesagt?“ Tja, Mental Load eben.

 

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