Ich und mein Mummy-Tummy – eine Hassliebe

Der Babybruder ist inzwischen fünf Monate alt. Er wächst und gedeiht. Er ist ein richtiges Baby, nichts mehr erinnert an das fragile Neugeborene, das er mal war. Nichts? Das stimmt nicht ganz. Meine Bauch sieht immer noch aus, als wäre ich im vierten Monat schwanger. Ein richtiger Mummy-Tummy eben, wie man ihn im englischen Sprachraum nennt.

Hadern mit der Rektus-Diastase

Er schwabbelt vor sich her und lässt sich unterhalb des Bauchnabels nur mit viel Kraft wieder einziehen. Ich habe immer noch eine Rektus-Diastase rund um den Bauchnabel herum. So nennt man es, wenn sich die Bauchmuskeln während der Schwangerschaft trennen, um dem wachsenden Baby Platz zu machen. Diese schliesst sich meistens nach der Schwangerschaft wieder – bei manchen schneller, bei manchen langsamer. Ich gehöre zur langsamen Sorte. Erst wenn sich diese Lücke wieder geschlossen hat, kann der Bauch wieder flacher werden. Wie lange es maximal dauert? Darüber scheiden sich die Geister. Die einen sprechen von neun Monaten ab dem Zeitpunkt der Geburt, meine Osteopathin meinte sogar, es seien neun Monate ab dem Zeitpunkt des Abstillens.

So oder so: mir scheint mindestens noch ein Schwabbel-Bauch-Sommer bevorzustehen. Und das stresst mich. Ich war noch nie extrem selbstbewusst, was meinen Körper betrifft. Aber im Moment ist mein Selbstbewusstsein an einem neuen Tiefpunkt angekommen. Die Augenringe, Trockenheitsfalten und die neuen grauen Haare helfen auch nicht unbedingt dabei. Und so habe ich in unseren Familienferien auf Lanzarote kein einziges Mal Bikini getragen.

Sei stolz auf deinen Bauch!

Der Papa findet das total doof. Er sagt, ich solle nicht so tun wegen ein bisschen Bauch. Schliesslich sehe man in der Badi ganz anderes. Und es sei ja nicht so, dass ich mir den Bauch angefressen habe (haha, also teilweise schon… beim Babybruder konnte ich ja fast nur Süsses essen), sondern, dass mein Körper innerhalb von kurzer Zeit zwei wunderbare Kinder geschaffen habe. Ich solle besser stolz auf ihn sein, statt ihn zu verstecken.

Eigentlich hat er ja recht. Nicht nur eigentlich, sondern absolut. Ich kann mir auch nicht genau erklären, weshalb es mir so schwerfällt, mein temporäres Schwabbelbäuchlein zu akzeptieren. Meine Kaiserschnittnarbe zum Beispiel mag ich sehr – denn sie erinnert mich immer an die wunderbare Geburt des Babybruders.

Und so hadere ich weiter mit mir selber. Gehe in die Rückbildung und ins Kanga. Mache Bauchübungen, richte mich nur über die Seite auf und ernähre mich – meistens – ganz gesund. Und ich sage mir immer wieder: Sei lieb zu deinem Körper, schliesslich hat er zwei Wunder geschaffen.

Hattet ihr auch einen Mummy-Tummy? Wie habt ihr ihn wieder wegbekommen? Habt ihr Tipps für mich?




Deborah Lacourrege

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