Tessin mit Kindern – ein Ausflug in den südlichsten Kanton der Schweiz

Ich war schon seit 15 Jahren nicht mehr im Tessin. Als Kind dafür unzählige Male. In meiner Erinnerung trieb uns mein Papa gefühlt jeden Sonntag im Sommer auf einen der unzähligen Montes hoch. Der Aufstieg war zwar schweisstreibend. Umso glücklicher waren wir jedoch, wenn wir auf dem Gipfel ankamen. Und ich wieder von mir behaupten konnte, einen neuen Berg erklommen zu haben. Und auf dem Rückweg von unseren Ferien in Italien stoppten wir jeweils in Melide und besuchten das Swissminiatur. Ein Highlight für uns Kinder nach einer mehrstündigen Autofahrt.

Alte und neue Kindheitserinnerungen im Tessin

Als wir also die verschiedenen Programmpunkte für unsere Pressereise ins Tessin zur Auswahl bekamen, stand für mich fest: ich will genau das selbe für meine Kinder. Und natürlich auch ein bisschen für mich selbst. Manchmal ist es doch grossartig in Kindheitserinnerungen zu schwelgen. Ein Besuch im Swissminiatur sollte es also werden. Und den Monte Generoso wollten wir auch bezwingen. Allerdings nicht zu Fuss, dafür ist Klein C. mit ihren 2.5 Jahren noch nicht ausdauernd genug.

Also stiegen wir an einem schönen Samstagmorgen in den Zug, der uns innerhalb von 2 Stunden und 16 Minuten direkt von Zürich nach Lugano bringen sollte. Mit an Bord waren 7 weitere Bloggerfamilien: Die Angelones, Foodwerk.ch, Lola Brause, Mamalicious, Mamicheck.ch, Familyfirst und Freistyle. Und die brachten eine geballte Ladung Frauenpower mit: nicht weniger als 6 weitere Mädchen im Alter zwischen 1.5 und 10 Jahren. Klein C. war im Himmel. Mit so vielen Spielgefährten waren wir gefühlt in Sekundenschnelle im Tessin. Ich fuhr übrigens zum ersten Mal durch den neuen Tunnel. Kurz nach dem Urnersee geht es ins Dunkel und – schwups – ist man schon in Bellinzona.

Kinderwagen vs. kinderfreundlich

Gegen Mittag in Lugano angekommen, gingen wir schnell ins Hotel International au Lac unser Gepäck abladen und schlenderten dann der Seepromenade entlang bis nach Paradiso. Dort wollten wir den Zug nehmen, wären allerdings fast an einer Baustelle gescheitert. Wir konnten nämlich mit Kinderwagen nicht direkt zum Gleis rollen. Nein, eine steile, lange Treppe stand im Weg. Also weckten wir C., die gerade noch ihren Mittagsschlaf machte, und Papa durfte den Wagen hochtragen.

Falls ihr euch fragt, ob die Region um Lugano kinderwagentauglich ist: Nehmt im Zweifelsfall lieber eine Trage mit. Lugano selbst ist am Berg gelegen, meistens sind Treppen der schnellste Weg. Auch am Bahnhof von Melide, wo das Swissminiatur ist, ist weit und breit keine Rampe zu finden. Auch einen Lift sucht man vergeblich.

Was den Tessinern ab und zu an Infrastruktur fehlt, machen sie mit ihrer Kinderfreundlichkeit wieder mehr als wett. Immer war jemand zur Stelle, der uns den Wagen trug. Und immer diverse Leute, die mit unserer Tochter Spässchen machten und sich vom Babybruder becharmen liessen. „Che bellissimo! Questi occhi azzurri! Auguri!“, war ein Satz, den wir an unserem Wochenende unzählige Male hörten. (Wie hübsch! Was für schöne blaue Augen! Ganz herzliche Gratulation).

Auch in der Osteria Trani – ein edles Lokal in Lugano, in dem wir am Abend eingeladen waren – wurden unsere Kinder wie Könige behandelt. Auch wenn das Restaurant sich so überhaupt nicht auf Kinder spezialisiert hatte, so wurde Klein C. jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Aus „Pasta mit Chäs“ wurden Rindsravioli mit Parmeson, welche von C. mit grosser Leidenschaft verzehrt wurde. Und auch ein „Glacé“ wurde noch schnell hingezaubert – hausgemachtes Pistazieneis.

Nostalgie pur im Swissminiatur

Aber nun zurück zum Swissminiatur. Erinnert ihr euch an das Mosaik mit Willhelm Tell am Eingang? Es ist immer noch da. Das gleiche gilt für den kleinen Zug und die Schiffchen, die gegenseitig ineinander hineinfahren dürfen. Wider erwarten hatte C. keine Angst, sondern fand beides grossartig. Der Papa konnte gar nicht genug Jetons kaufen. Wir hatten Mühe, das Kind vom „losa Schiffli“ wegzubringen.

Für uns Erwachsene waren die Miniaturen das Highlight: ist das tatsächlich der Zuger Zytturm? Und das etwa die die alte Holzbrücke von Bremgarten? Klein C.s Highlights waren die Autos. Ich bin mir nicht ganz sicher, weshalb sie die Fahrzeuge aus allen möglichen Jahrzehnten so faszinieren. Ich kann aber nicht garantieren, dass alle noch am gleichen Platz stehen, wie vorher. Falls  ihr euch fragt, was der Babybruder eigentlich den ganzen Tag gemacht hat: er hat den grössten Teil des Tages im Tragetuch verschlafen.

Architektonische Kunstwerke und Gämsen auf dem Monte Generoso

Am Tag darauf ging es auf den Monte Generoso. Der Papa hatte das Wetter gecheckt, die Mama nicht. Der Papa wusste also, dass auf 1700 Metern über dem Meer noch Schnee liegen würde und hatte die Softshell-Jacke eingepackt. Die Mama trug – ignorant wie sie ist – nur ein dünnes Wolljäckchen. Wir fuhren also mit dem herzigen Bähnli hoch – nur schon das ist eine Erfahrung wert. Als Klein C. hörte, dass es am Monte Generoso sogar Gämsen (eines ihrer aktuellen Lieblingstiere) gibt, wussten wir auch, wie wir sie beschäftigen würden: wir suchten nach den Tieren. Gesehen haben wir leider keins. Wir sind aber sicher, dass sie uns gesehen haben.

Oben angekommen, durften wir etwas bestaunen, das wir aus unserer Kindheit so noch nicht kannten. Die Fiore di Pietra, ein Bau des berühmten Architekten Mario Botta. Da, wie bereits erwähnt, noch Schnee lag, konnten wir den kinderwagentauglichen Rundweg am Gipfel leider nicht unter die Füsse nehmen. Auch der Spielplatz war tief eingeschneit. Also tranken wir einen Cappuccino, bestaunten die Architektur und machten uns langsam wieder auf den Heimweg.

Wieder in der Wärme gönnten wir uns, allerdings nicht zum ersten Mal auf dieser Reise, ein Gelato. C. wählt ihre Nahrung aktuell übrigens nach Farbe aus. Rosa muss es sein. Also gab es für sie ein Erdbeerglace und für die Eltern einen Spaziergang entlang der Seepromenade in Lugano.

Am Abend traten wir dann zusammen mit Foodwerk.ch, einem Tessiner Panettone und ganz viel Salami von Rapelli die Heimreise an. Liv, die Tochter von Caroline und Tobi ist übrigens jetzt die beste Freundin von Klein C. Sobald sie einen Zug sieht, fragt sie, ob ihr grosses Vorbild vielleicht auch darin sitze.

Gut zu wissen: Wer im Tessin in einem Hotel, einer Jugendherberge oder auf einem Campingplatz übernachtet erhält kostenlos ein Ticino Ticket. Mit dem Ticino Ticket kann man nicht nur im ganzen Tessin gratis ÖV fahren, sondern erhält auch Rabatt auf viele touristische Attraktionen und Museen im ganzen Tessin. Alle Informationen zum Ticino Ticket findet ihr hier.

* Auf diese Reise wurden wir von Ticino Turismo eingeladen. Vielen Dank dafür!
Reisespesen, Eintritte, Übernachtung & Verpflegung wurden bezahlt. Der Text spiegelt aber unsere ehrliche und eigene Meinung wieder.

Deborah Lacourrege

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