Ich bin nicht gerne schwanger – und steh dazu

„Die Schwangerschaft ist die schönste Zeit im Leben. Nie ist eine Frau glücklicher, als wenn sie spürt, dass da ein neues Leben in ihre heranwächst. Dieses Glück trägt sie auch nach aussen – sie strahlt richtiggehend.“ #not

Eigentlich dachte ich, dass ich nie im Leben diesen Artikel schreiben würde. Ich dachte immer, dass es selbstverständlich sei, dass gewisse Frauen eine wunderbare Schwangerschaft erleben und gewisse eben nicht. Aber eine Erfahrung im Internet belehrte mich eines Besseren. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, bloggen wir auf für „Hello Family“ und haben dafür, ein kleines Video aufgezeichnet. Auf die Frage, wieviele Kinder wir uns noch wünschten, antworteten wir einstimmig mit „Dieses ist das Letzte“. Ich erlaubte mir noch anzufügen, dass ich mir eine weitere Schwangerschaft nicht antun wolle. Und der Shitstorm brach los.

Schwanger sein in der Schweiz: schwierig…

Die Schweizer haben ein schwieriges Verhältnis zur Mutterschaft. Egal wie schwanger du bist: Im Tram oder Zug überlässt die niemand seinen Platz. Während es bei unseren Nachbarn verboten ist, Schwangere in den letzten Wochen überhaupt noch zu beschäftigen, brüsten sich Frauen hierzulande damit, bis zu den Wehen gearbeitet zu haben. Und es ist offenbar tabu zu sagen, dass die Schwangerschaft nicht das Tollste ist, was einer Frau passieren kann.

Versteht mit nicht falsch: ich unglaublich dankbar dafür, dass ich überhaupt schwanger werden kann und (hoffentlich) bald zwei gesunde Kinder zur Welt gebracht haben werde. Ich bin wahnsinnig gerne Mama und möchte die beiden auf keinen Fall missen. Aber den Prozess, den ich durchlaufen musste sie zu bekommen, hält mich davon ab, auch nur im Geringsten an ein drittes Kind zu denken.

Schwangerschaftsbeschwerden – you name it, I got it!

Damit ihr mich besser verstehen könnt (ich will wirklich nicht jammern) habe ich mal eine kleine Liste diverser Schwangerschaftsbeschwerden erstellt.

Ich durchlebte: Hyperemsis Gravidarum (schwerste Schwangerschaftsübelkeit mit unstillbarem Erbrechen), Rückenschmerzen (ISG-Blockade), Kopfschmerzen (ununterbrochen), Symphysenlockerung, Reflux, Wassereinlagerungen, Karpaltunnelsyndrom, Müdigkeit, Eisenmangel, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen (der arme Papa), Zahnfleischbluten, Vorwehen, Schwindel, Vergesslichkeit, Muskelkrämpfe, Bluthochdruck, Schwangerschaftsvergiftung (zum Glück nur beim ersten Mal).

Ich wurde verschont von: Schwangerschaftsdiabetes, Krampfadern, Dehnungsstreifen, Hämorrhoiden.

Mal abgesehen von den Beschwerden, muss ich zugeben, dass ich mich in der Schwangerschaft einfach unattraktiv fühle. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die nur 5 Kilogramm zunehmen und ich gehöre auch nicht zu denen, die bis zum Schluss einen kleine Kugel vor sich herschieben. Im Gegenteil: mein Bauch ist mir ständig im Weg, meine Garderobe stark eingeschränkt, ich nehme inzwischen den Lift in den ersten Stock und das Aufstehen aus dem Bett wird zur Staatsaffäre. Ausserdem sieht meine Haut aus, als würde ich gerade eine zweite Pubertät durchlaufen. Dafür gibt es immerhin Make up.

Und wisst ihr, was mich fast am meisten fertig macht? Diese unglaublich glücklichen Schwangeren, die auch in der 37. Woche noch im Yoga anzutreffen sind. Rank und schlank, mit einer ganz kleinen Murmel und wunderbarer Haut. Die, auf die Frage, wie es ihnen gehe, mit einem „Wunderbar, ich hatte nie Beschwerden“ antworten. Und ich stehe daneben und wünsche mir eigentlich nur eines: dass die Schwangerschaft bald vorbei ist und ich meinen Kleinen in den Armen halten darf.

Übrigens, passend zum Thema:




Deborah Lacourrege

4 Comments

  1. Antworten

    Alex

    2. Oktober 2017

    Ich kann deinen Text gut nachvollziehen, vor allem auch wenn ich sehe, was du alles für Beschwerden hast.
    Und ich weiss, ich gehöre genau in die Gruppe, die du in deinem Blog nennst, denen es eigentlich super geht. Das heisst, ich bin nun in der 33. SSW, gehe immer noch joggen, mache regelmässig Sport, habe keine Beschwerden, sogar noch weniger als in der 1. Schwangerschaft, mir war nie übel, von hinten sieht man nicht, dass ich schwanger bin, ich fühle mich fit und zwäg. Kurz und gut, ich habe eigentlich überhaupt keinen Grund mich zu beschweren. Aber, auch ich bin nicht gerne schwanger, denn mit der Ausnahme, dass ich Brüste habe und volleres Haar, finde ich mich auch extrem schwerfällig und der Bauch ist ständig im Weg. Ausserdem habe ich ständig ein schlechtes Gewissen, ob ich jetzt etwas essen darf oder nicht. Es ist umständlich Zehennägel zu schneiden, Schuhe oder Strumpfhosen anzuziehen. Ich darf keinen Rauchlachs essen, obwohl ich so sehr Lust darauf habe. Sprich, mir machen vor allem die ganzen Vorschriften zu schaffen und ich bin froh, wenn Babylein endlich auf der Welt ist. Denn dies ist definitiv auch meine letzte Schwangerschaft.

  2. Antworten

    Sibylle

    2. Oktober 2017

    Du hast wirklich keine einfachen Schwangerschaften (gehabt). Das tut mir leid und kein Mensch hat das Recht, dir vorzuwerfen, dass du deine Schwangerschaften nicht geniessen konntest.
    Aber: Es gibt Frauen, die können nicht schwanger werden und andere erleiden eine oder mehrere Fehlgeburten. Für diese Frauen ist es nicht leicht, wenn Schwangere jammern. Es versetzt ihnen jedesmal einen Stich mitten ins Herz. Versuch bitte, diese Frauen etwas zu verstehen. Und dennoch sollten sie dich nicht anfeinden.
    Ich wünsche dir alles Gute für die restlichen Wochen deiner Schwangerschaft.

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