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Der Alleingang – oder Schwangerschaft in Corona-Zeiten

by Deborah

In der Retrospektive bin im just in dem Moment schwanger geworden, als die zweite Corona-Welle so richtig an Fahrt aufnahm. Irgendwann Ende Oktober, Anfang November als die Zahlen explodierten. Und mit dem positiven Schwangerschaftstest gehörte ich plötzlich zur Risikogruppe. Diese wurde mir so richtig bei meiner ersten Schwangerschaftskontrolle bewusst. Meine Ärztin ermahnte mich zur Vorsicht: man wisse einfach noch zu wenig über eine Covid-Erkrankung während der Schwangerschaft. Ich solle mich nach Möglichkeit sozial isolieren, weil die Zahlen im Kanton Zürich wirklich gerade nicht gut seien (waren sie damals tatsächlich nicht und sind es auch schon wieder nicht mehr). Weil ich zu den Personen gehöre, die sich meist jeden möglichen Virus einfangen und meist auch eher schwere Krankheitsverläufe haben, nahm ich diese Warnung sehr ernst. Es folgte ein düsterer Winter. Ich traf nur noch sehr wenige Menschen und wenn, dann draussen. Wir alle erinnern uns wie frostig und schneereich die vergangenen Monate waren…

Gleichzeitig arbeitete ich seit meinem positiven Test zu 100 % im Home Office. Zwar nicht ganz alleine – denn auch der Papa wurde aus seinem Büro verdrängt. Manchmal eine ganz angenehme Situation (man denke an den privaten Admin- und IT-Support), manchmal aber auch ganz schön nervig. So sehr ich den Mann an meiner Seite auch liebe, so sehr brauche ich manchmal eine kurze Pause von ihm… Irgendwann schlug mir die soziale Isolation sehr stark auf die Moral. Ich fühlte mich in einem Hamsterrad. Durfte nur noch arbeiten, Kinder betreuen, den Haushalt führen. Alles was Spass macht, war entweder sowieso verboten. Oder ich verzichtete aus Angst vor einer möglichen Ansteckung darauf.

Mitte Januar folgte dann das Telefonat aus der Arztpraxis. Leider müssten die Schwangerschaftskontrollen bis auf Weiteres alleine wahrgenommen werden. Ein Schlag für den Papa. Denn ihm bedeuteten die Ultraschallkontrollen sehr viel. Durch die Bilder konnte er eine Bindung zu unserem ungeborenen Kind aufbauen. Und ich? Ja, ich schätzte seine moralische Unterstützung jeweils sehr. Besonders für das grosse Organ-Screening in der 22. Schwangerschaftswoche hätte ich ihn echt an meiner Seite gebraucht… Immerhin stellte sich die Frage der Kinderbetreuung während meiner vielen Arzttermine nicht mehr. Für mich eine Erleichterung. Der Papa hingegen schätzte es eher mässig, neben seinem strengen Job auch noch die Kinder betreuen zu dürfen.

Was Gut tut, ist nicht mehr erlaubt

Und dann fällt natürlich auch ziemlich alles flach, was Schwangere bisher so für ihr Wellbeing gemacht haben. Sicherlich, Kurse wie Schwangerschaftsgymnastik oder -yoga finden auch online statt (was ich mache, findet ihr hier). Zum Einen ist das sehr praktisch für Mehrfachmütter. Zum Anderen fällt dann die dringend benötigte Me-Time weg. Das Gleiche gilt für Wellness oder sonstige Bewegung im Wasser, die ich in der Schwangerschaft immer sehr geschätzt habe. Für mich gibt es gegen meine Rücken- und Beckenschmerzen nichts Angenehmeres als einen kurzen Schwumm oder einen Aufenthalt im Whirlpool. Tja, Frau L., da haben Sie Pech gehabt. Wieso sollte man Schwangeren auch eine Sondergenehmigung fürs Schwimmbad erteilen?

Und dann gibt es da noch einen Wehmutstropfen betreffend der Geburt: In meinem Wunsch-Spital ist nur eine einzige zusätzliche Person während der Geburt zugelassen. Und dann muss natürlich der zukünftige Papa sein. Mein Wunsch betreffend Doula-Unterstützung fällt deswegen flach – ausser die Covid-Situation würde sich massiv zum Guten verändern bis im Juli. Daran glaube ich im Moment leider nicht. Also Augen zu und durch… einmal mehr. Wie gerne hätte ich doch meine letzte Schwangerschaft bewusster genossen. Wegen Corona scheint sie mir jedoch ein einziges Warten auf die Geburt.

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